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Meist im Griff hatten die Gegner die HSG Pforzheim in dieser Saison. Nach vier Niederlagen in Folge ist die Mannschaft um Cornelia Langenberg (vorne, im Spiel gegen Allensbach) extrem aus dem Gleichgewicht geraten.  Becker, Hennrich
Meist im Griff hatten die Gegner die HSG Pforzheim in dieser Saison. Nach vier Niederlagen in Folge ist die Mannschaft um Cornelia Langenberg (vorne, im Spiel gegen Allensbach) extrem aus dem Gleichgewicht geraten. Becker, Hennrich
Der neue HSG-Trainer Carsten Schmidmeister (links) soll beim Drittligisten für den Klassenerhalt sorgen. TB-Chef David Bregazzi ist davon überzeugt.
Der neue HSG-Trainer Carsten Schmidmeister (links) soll beim Drittligisten für den Klassenerhalt sorgen. TB-Chef David Bregazzi ist davon überzeugt.
11.03.2016

HSG in Schieflage: Statt oben mitzumischen, muss Handball-Drittligist um Klassenerhalt bangen

Die HSG steckt in der Krise. Nach vier Niederlagen in Folge finden sich die Pforzheimer Handballerinnen in der dritten Liga auf Platz acht wieder. Der Vorsprung zum ersten Abstiegsplatz beträgt nur noch vier Punkte. Fünf Spieltage stehen noch aus – stürzt die HSG in die Oberliga ab?

Die Verunsicherung ist groß, denn den Saisonverlauf hat man sich ganz anders vorgestellt. Ziel war es oben mitzuspielen, ja sogar vom Aufstieg war die Rede.

Doch es kam ganz anders. Gegen drei Topteams (Freiburg, Allensbach, Ketsch) setzte es gleich drei Niederlagen, Zeit sich locker einzuspielen, hatte man also nicht. Hinzu kamen viele Verletzungen, die die HSG völlig aus dem Gleichgewicht brachten. Die Krise gipfelte schließlich in den Rücktritten von Trainer Matthias Cullmann und Abteilungsleiter Klaus Händler Anfang Februar. Grund war ein Zerwürfnis mit den Spielerinnen Nastja Antonewitch und Torhüterin Bianca Ionita.

Neuer Vorsitzender gesucht

Turbulente Tage, in denen auch noch der HSG-Vorsitzende Uwe Klotz und Kassiererin Sandra Krust bekannt gaben, nach der Saison nicht mehr für eine neue Amtszeit anzutreten.

Viele Baustellen, zwei davon wurden aber schnell behoben. Carsten Schmidmeister kam als Trainer, die Sportliche Leitung übernahm Torwarttrainer Robert Müller. „Während der Runde ist es schwierig, einen Trainer zu bekommen“, erzählt TB-Vorsitzender David Bregazzi von der schwierigen Suche nach einem Nachfolger für Matthias Cullmann. Bei der Recherche in Trainerforen im Internet stieß er schließlich auf Schmidmeister. Der 43-Jährige wurde zu einem Probetraining eingeladen – und er überzeugte.

Hat er sich die Aufgabe bei der HSG gut überlegt? „Klar, ich war bereit und habe mich auf diese Herausforderung gefreut“, sagt der ehemalige Coach des Frauen-Regionalligisten TV Echterdingen. Gegen Möglingen (20:22) und Gröbenzell (26:32) hatte er erstmals das alleinige Kommando – konnte gegen die starken Gegner aber noch nichts ausrichten. „Doch die wichtigen Spiele kommen noch“, sagt Schmidmeister und verweist auf das Restprogramm mit Regensburg (11. Platz), Waiblingen (9.), Sulzbach/Leidersbach (10.), Korb (4.) sowie Holzheim (12.).

Als Grund für die sportliche Schieflage nennt Schmidtmeister vor allem „die Trainingsbeteiligung“. Nur sechs, sieben Spielerinnen hat er in den Übungseinheiten zur Verfügung. Einige sind verletzt (Jasmin Schückle, Alexa Buck) oder angeschlagen oder beruflich stark eingespannt. So fehlen immer wieder auch die beiden Torfrauen Bianca Ionita und Melanie Breinich aufgrund ihrer Ausbildung im Polizei- beziehungsweise Zolldienst.

Komplett verzichten muss der Trainer auf die Langzeitverletzte Nastja Antonewitch (Knorpelschaden) sowie die abgewanderte Marijana Markovic. Britt Abrecht kämpft sich nach ihrem Kreuzbandriss dagegen wieder zurück. „Unter diesen Voraussetzungen ist es relativ schwer, taktisch etwas zu erarbeiten“, betont Schmidmeister. Der Kader sei in der Breite eben nicht so gut aufgestellt.

„Zuletzt gegen Gröbenzell standen nur sieben etatmäßige Drittliga-Spielerinnen auf dem Feld“, bemerkt HSG-Sportchef Robert Müller, „da wird’s natürlich schwer.“ Aufgefüllt wurde der Kader mit Carolin Schober, Nadine Sauerwald, Mailyn Strehle und Christin Bub – alles Akteurinnen von der zweiten Mannschaft.

Schwer wiegt bei der HSG TB/TG 88 Pforzheim natürlich der Ausfall von Nastja Antonewitch. Die Toptorjägerin, die innerhalb der Mannschaft ein gutes Standing hat, fehlt an allen Ecken und Enden. Allerdings wird sie nicht mehr in den Kader zurückkehren – auch nach ihrer Verletzung nicht. Die Rückraumspielerin verlässt nach dieser Saison den Verein, ebenso wie Jasmin Schückle (siehe dazu Kasten).

„Nastja ist nicht zu ersetzen“, weiß Schmidmeister, der nun versucht, die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen. Gefordert sind nun auch die Mädels aus der zweiten Reihe oder auch Jugendspielerinnen, die ins kalte Wasser geworfen werden könnten.

Selbstvertrauen tanken

„Wichtig ist auch, dass die Spielerinnen wieder Selbstvertrauen bekommen“, sagt der Coach. „Das bekommt man am besten durch Spaß am Handball. Und den kann man auch in kleinen Trainingsgruppen haben.“

An diesem Wochenende ist die HSG spielfrei. Schmidmeister hat also etwas Zeit seine Mannschaft besser kennenzulernen. „Das klappt in Krisenzeiten oft besser als in guten Zeiten“, weiß er, „denn hier sieht man, wer Charakter hat oder wer sich hängenlässt.“ Er selbst wird alles für den Klassenerhalt tun. Und von dem ist der Coach voll überzeugt. Das Wort Abstieg kommt ihm nicht über die Lippen. „Wir packen das“, sagt er. „Da bin ich mir sicher.“

Zukunft noch offen

Und dann? Wird Schmidmeister auch nach dieser Runde weitermachen? „Mein Vertrag läuft bis zum Rundenende, danach werden wir sehen.“ Langweilig wird es ihm bestimmt auch ohne Handball nicht werden. Denn in der Nähe von Erligheim (Landkreis Ludwigsburg), seinem jetzigen Wohnort, hat der Marketing-Experte mit seiner Frau mit dem Hausbau begonnen. Doch das ist erst einmal Nebensache. Die volle Konzentration gilt jetzt der HSG. Und er betont noch einmal: „Wir werden mit Bravour die Situation meistern, damit der Verein nächstes Jahr in der 3. Liga wieder gut starten kann.“

Wie die Mannschaft dann aussehen wird, ist noch völlig offen. Genauso, mit welchen Köpfen die Posten in der Vorstandschaft besetzt werden.

Gespannt sein darf man auch, welches Ziel die HSG-Verantwortlichen für die neue Saison ausgeben. Gibt man sich mit der 3. Liga zufrieden oder will man doch hoch hinaus? TB-Chef David Bregazzi hält zum jetzigen Zeitpunkt den Ball flach. „Jetzt bringen wir erstmal die Runde gut zu Ende.“