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Der Haussegen hängt bei den Tischtennisverbänden in Baden-Württemberg schief. Der Vizepräsident des Badischen Tischtennis-Verbandes (BTTV), Hans-Peter Gauß, bezieht klar Stellung. Foto: Koller
Der Haussegen hängt bei den Tischtennisverbänden in Baden-Württemberg schief. Der Vizepräsident des Badischen Tischtennis-Verbandes (BTTV), Hans-Peter Gauß, bezieht klar Stellung. Foto: Koller
03.07.2019

Hans-Peter Gaußzur Tischtennisverbands-Fusion: „Gott sei Dank gibt es eine Opposition“

Der Versuch, einen Tischtennis-Verband für ganz Baden-Württemberg zu gründen, ist fehlgeschlagen. Die Verbände aus Württemberg/Hohenzollern und Südbaden fusionieren zwar, der Norden Badens macht aber nicht mit. Wortführer des Widerstandes gegen den Zusammenschluss war der Vizepräsident des Badischen Tischtennis-Verbandes (BTTV), Hans-Peter Gauß, der auch stellvertretender Vorsitzender im Bezirk Pforzheim ist, und in einem Interview der PZ seine Gründe erklärte.

PZ: Herr Gauß, der Badische Tischtennis-Verband hat die Fusion mit Südbaden und Württemberg platzen lassen. Warum?

Hans-Peter Gauß: Platzen lassen ist für uns der falsche Ausdruck. Die Befürworter haben bei uns nur 63 Prozent bekommen, statt der 80 Prozent, die sie laut Satzung benötigt hätten, um den badischen Verband aufzulösen und der Verschmelzung zuzustimmen.

PZ: Und die Gründe?

Hans-Peter Gauß: Die sind mannigfaltig. Zum einen war die Diskussion von vorne herein nicht auf Augenhöhe geführt worden. Das liegt natürlich auch daran, dass der württembergische Verband zwei- bis dreimal so groß ist wie wir. Und Württemberg ist in Summe immer noch größer als Baden und Südbaden zusammen. Die logische Konsequenz daraus ist, dass es eine Opposition gibt. Gott sei Dank gibt es die bei uns.

PZ: In Südbaden nicht, dort hat man mit 100 Prozent für die Fusion gestimmt.

Hans-Peter Gauß: Niemand weiß, ob dort die Vereine nicht die gleiche Abneigung hatten. Aber ihr Präsident hat ihnen gesagt, es gäbe keine Alternative. Bei uns gibt es diese Opposition, die bestimmte Sachen angesprochen hat.

PZ: Für Außenstehende wirkt dieses Bestreben wie der Hang zur Kleinstaaterei. Braucht man nicht eher einen großen, schlagkräftigen Verband?

Hans-Peter Gauß: Das sehe ich nicht so. Wir sind hauptsächlich im Amateurbereich tätig, ehrenamtlich. Da kann man in kleineren Einheiten besser auf die Vereine zugehen. Und Baden ist im DTTB längst nicht der kleinste Verband.

PZ: Ein größerer Verband kann aber im DTTB doch einflussreicher agieren.

Hans-Peter Gauß: Wir hatten ja bislang schon die Möglichkeit, uns abzustimmen und gemeinsam zu agieren. Durch die Fusion aber hätten wir beim Bundestag sogar einige Stimmen weniger gehabt. Dort gibt es zudem eine Sperrminorität, wenn 40 Prozent der Verbände nicht zustimmen. Man kann also die Diskussion über den Einfluss führen, zielführend ist das aber nicht.

PZ: Wenn man aber jetzt von der DTTB-Zentrale in Frankfurt nach Süden schaut, sieht man Bayern mit mehr als 1600 Vereinen, Württemberg-Südbaden mit mehr als 1000 Vereinen, dann Baden mit weniger als 300 Vereinen. Das spricht doch für schwindenden Einfluss.

Hans-Peter Gauß: Das kann man so sehen, ich tue es nicht. Die kleineren Verbände können gegen die großen etwas erreichen, wenn sie sich einig sind.

PZ: Aber selbst in Nordbaden hatten die Gegner der Fusion nur etwas mehr als ein Drittel der Stimmen. Nehmt ihr damit die Mehrheit in Geiselhaft?

Hans-Peter Gauß: Wenn es ein Problem ist, ist es ein Satzungsproblem. Ich hatte immer eine Zustimmung für die Fusion zwischen 75 und 85 Prozent erwartet und war selbst positiv überrascht, dass es nur 63 Prozent waren. Aber ich denke, dass es 80 Prozent der Vereine eigentlich egal ist, ob da Baden oder Baden-Württemberg drübersteht. Die haben teilweise aus dem Bauch heraus entschieden. Vereine mit leistungssportorientierten Jugendlichen haben der Werbekampagne geglaubt, dass wir ohne Fusion vom Fördertopf abgeschnitten sind. Aber dem ist nicht so.

PZ: Ein Kommunikationsproblem?

Hans-Peter Gauß: Die Befürworter der Fusion haben meiner Meinung nach die Sache falsch aufgezogen. Viele Dinge wurden nicht diskutiert, sie wurden einfach als gegeben hingestellt.

PZ: Das haben sie auch im Herbst 2018 in einem Interview mit dem Tischtennis-Magazin beklagt. Ihr Präsident Klaus Hilpp hat da aber massiv widersprochen. Wer hat Recht?

Hans-Peter Gauß: Fakt ist: die Kommunikation erfolgte nur tröpfchenweise.

PZ: Das Interview erschien aber wenige Tage, ehe die Bezirke auf einer großen Versammlung informiert wurden. Hätte man da nicht warten können?

Hans-Peter Gauß: Das hätte man machen können, es war aber auch ein redaktionelles Problem. Und ich stehe immer noch zu dem, was ich gesagt habe. Die fehlenden Informationen, die ich angemahnt habe, kamen erst später. Haushalt und Gebührenordnung für einen baden-württembergischen Verband – das kam erst im April/Mai 2019 auf den Tisch. Das wollten wir aber schon im Oktober haben.

PZ: Dass der Präsident und ein Vizepräsident eines Sportverbandes sich in einer so wichtigen Frage so gegensätzlich positionieren, ist ungewöhnlich. Wie ist nun ihr Verhältnis zu ihrem Präsidenten?

Hans-Peter Gauß: Normalerweise passt nichts zwischen uns. Aber in dieser Frage sind wir komplett anderer Meinung. Ich kommuniziere regelmäßig mit ihm. Ich kann mir auch denken, warum er so entschieden hat . . .

PZ: . . . und warum?

Hans-Peter Gauß: Ich denke, es ist so eine Art Nibelungentreue zwischen älteren Funktionären in den drei Verbänden. Die wollten sich eine Art Denkmal setzen.

PZ: Aber man hat künftig nur einen statt drei Präsidenten, einige Vizepräsidenten weniger . . .

Hans-Peter Gauß: Wenn man Präsidenten und Vizepräsidenten sieht, sind es künftig sieben statt zwölf Personen. Eine Kostenreduzierung bringt das nicht, wir bekommen ja kein Geld, sieht man von Fahrtkosten ab. Es sind weniger Teilnehmer, die Strecken sind dafür weiter. So gesehen ist das vernachlässigbar.

PZ: Klaus Hilpp hat mal einen mittleren fünfstelligen Betrag errechnet, den man durch die Fusion einsparen könnte. Das könnte doch den Vereinen zugute kommen.

Hans-Peter Gauß: Den Vereinen wäre nichts zugute gekommen. Im Haushalt waren 70.000 Euro an Einsparungen ausgewiesen, die sollten in die Sportförderung fließen. Ich habe immer die fehlende Transparenz bemängelt. Die Schließung der Geschäftsstellen in Leimen und Offenburg standen für solche Einsparungen. In Leimen musste man das schon wieder korrigieren, denn wir haben eine Angestellte, die man nicht kündigen will. Und Home-Office geht nicht so, wie man sich das gedacht hatte. Da wurde zurückgerudert. Wenn man das seriös macht, hätte man das schon wieder gegen die 70 000 Euro Ersparnis gegenrechnen müssen. Und künftig soll es ja mehr hauptamtliche Stellen geben. Das ist ja nicht schlecht, aber ich muss auch ehrlich sagen, dass das Geld kostet. Und das hätte mit Sicherheit dazu geführt, dass die Gebühren nach oben korrigiert werden.

PZ: Aber wer fährt heute noch in eine Geschäftsstelle. Das macht man doch alles telefonisch oder per Mail.

Hans-Peter Gauß: Natürlich wird das weniger. Aber ich finde persönliche Ansprechpartner weiter wichtig, damit man nicht irgendwo nur eine Nummer ist.

PZ: Wie geht es jetzt in Baden weiter. Wann habt Ihr wieder Wahlen?

Hans-Peter Gauß: Nächstes Jahr. Ich habe von vorne herein gesagt, dass ich nicht mehr zur Verfügung stehe, wenn der BW-Verband kommt. Dann wäre ich raus gewesen.

PZ: Und jetzt?

Hans-Peter Gauß: Ich würde gerne in der aktuellen Konstellation in Baden weiterarbeiten. Wenn ich mein Ziel um 17 Prozent verfehlt hätte, dann wäre ich am Samstag sofort zurückgetreten. Aber ich fordere keinen Rücktritt, das will ich damit nicht sagen.

PZ: Klaus Hilpp ist auch nicht mehr der Jüngste. Können Sie sich vorstellen, dass sie als Präsident in Baden kandidieren?

Hans-Peter Gauß: Da würde ich sagen: Nein. Ich habe da keine Ambitionen.