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In Straubenhardt ist die Turn-Bundesliga ein Zuschauermagnet. Ob aber Daniel Weinert am ersten Wettkampftag für den Verein an die Geräte gehen kann oder zum Weltcup nach Doha muss, ist noch offen. Foto: PZ-Archiv/Gössele
06.03.2013

Harsche Kritik am Verband: Turn-Bundesligist aus Straubenhardt beklagt fehlende Absprachen

Straubenhardt. Bei der KTV Straubenhardt sind sie sauer. Richtig sauer. Vor allem auf den Deutschen Turnerbund (DTB). Denn wenn am 30. März die Bundesliga-Saison startet, könnten dem amtierenden Vizemeister aus dem Schwarzwald mit Neuzugang Andreas Bretschneider und Daniel Weinert gleich zwei Akteure fehlen.

Bildergalerie: KTV Straubenhardt beim Turnfinale in Berlin

Bundestrainer Andreas Hirsch hat das Duo für den Weltcup vom 27. bis 29. März in Doha (Katar) angefordert. Horst Rapp, Chef des einflussreichen Fördervereins bei der KTV poltert: „Der DTB macht, was er will. Wir werden nicht gefragt. Das ist denen schlicht egal.“

Absprachen fruchten nicht

Der Ärger ist nicht neu. Immer wieder gab es in den vergangenen Jahren Überschneidungen von internationalen Wettkämpfen mit Bundesligaterminen. Dabei versucht sich die Deutsche Turnliga (DTL) durchaus mit dem DTB abzusprechen. „Es gibt ja einen gemeinsamen Kalender, aber dann tauchen immer wieder Termine auf, die nicht gemeldet waren“, sagt KTV-Geschäftsführer Jörg Gänger. So wie der Weltcup in Doha.

Aber die mangelhafte Terminabstimmung ist nicht der einzige Streitpunkt im Verhältnis zum Verband, der die Straubenhardter umtreibt. Auch über die Tatsache, dass praktisch alle Bundesliga-Konkurrenten einen Olympia- oder Landesstützpunkt – mit bezahlten Trainer – im Rücken haben, ärgert die KTV-Macher. „Wir müssen alles aus eigenen Mitteln finanzieren. Andere Vereine können das, was sie bei den Trainern einsparen, in ihre Mannschaft stecken“, sagt Gänger.

Dabei wird in der Schwarzwaldgemeinde viel in die Nachwuchsarbeit investiert. Im Schwäbischen Turnerbund (STB) zählen KTV-Talente wie Vinzenz Haug (16), Aaron Wagner (15) und Yannick Kessler (13) längst zur Spitze. Schon in dieser Saison könnte das erste echte Eigengewächs des Vereins in der Bundesliga turnen.

„Das ist Wettbewerbsverzerrung“, sagt Horst Rapp mit Blick auf die Trainerfrage, „dabei sollte der Verband für alle da sein.“ Schon seit langem fordert die KTV-Spitze eine Landestrainerstelle für Straubenhardt.

Das hat auch Wolfgang Fleiner mitbekommen. Der neue STB-Geschäftsführer sagt zur KTV-Forderung zunächst einmal nicht kategorisch „Nein“. Er weiß aber, dass die Mittel begrenzt sind: „Vom Grundsatz her ist das möglich, darüber kann man reden. Aber dazu müssen wir unser Finanzkonzept ändern“

Fleiner hat den KTV-Vertretern bereits 2012 ein Gespräch in Aussicht gestellt. Noch ist man nicht zusammengekommen, aber Fleiner will sich in den nächsten Tagen melden.

Während es mit dem Schwäbischen Turnerbund also zumindest ein Gespräch gibt, sieht man bei der KTV in Bezug auf den Deutschen Turnerbund derzeit keine Besserung in Sicht. „Die wollen nur fünf, sechs gute Turner für die Weltmeisterschaft. Den Rest sollen die Vereine richten“, stellt Rapp die Frage nach der Motivation in den Clubs. KTV-Trainer Alexei Grigoriev bringt es auf den Punkt: „Ohne die Vereine können die Leistungssportler nicht überleben. Wir investieren für die Turner, haben aber nichts zu sagen.“

Der DTB in der Finanzklemme

Dabei wissen sie in Straubenhardt auch, dass der DTB finanziell in der Klemme steckt. Schuld ist die neue Verbandszentrale mit angeschlossenem Hotel, die in Frankfurt entstanden ist. 24 Millionen Euro waren veranschlagt, 39 Millionen hat das Projekt am Ende gekostet.

Um sein Überleben zu sichern, musste der DTB bei den Landesverbänden auf Betteltour gehen. Die springen ein, und das nicht nur in diesem Fall, wie eine Anekdote vom vergangenen Jahr belegt. Als Spitzenturner Philipp Boy beim Weltcup in Stuttgart verabschiedet werden sollte, war für ihn lediglich ein „warmer Händedruck“ vorgesehen. Der Schwäbische Turnerbund erbarmte sich und überreicht Boy einen Umschlag mit einer kleinen finanziellen Anerkennung. Horst Rapp kann da nur den Kopf schütteln. „200 Euro für 14 Jahre Wettkampfsport auf höchstem Niveau – das ist traurig.“