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Mit vielen offenen Fragen muss sich Steve Woitalla als Sportlicher Leiter von DTL-Club KTV Straubenhardt beschäftigen.  Foto: Ripberger/PZ-Archiv 

Heißer Herbst könnte große Belastung bedeuten – auch für KTV Straubenhardt

Straubenhardt/Berlin. „Wir müssen spätestens im Herbst, ab September, wieder in die Gänge kommen“, sagt Alfons Hölzl, Präsident des Deutschen Turner-Bunds. Nachdem bis einschließlich Juli bereits mehr als 100 Veranstaltungen verschoben oder abgesagt wurden, befürchtet er für den Fall, dass auch im letzten Quartal des Jahres nichts gehen würde, „ein wirkliches wirtschaftliches Problem“. Das sagte der Verbandschef in einem Interview des Magazins „Sponsors“. Der Schaden dürfte demnach bald die Millionengrenze überschreiten. Der DTB finanziert sich hauptsächlich über Beiträge seiner Landesverbände mit mehr als fünf Millionen Mitgliedern. „Wenn wir im vergangenen Jahr die WM nicht in Stuttgart ausgetragen hätten, hätten wir schon jetzt massive Probleme“, sagte der 51-jährige niederbayerische Jurist Hölzl außerdem.

Steve Woitalla, Sportlicher Leiter von DTL-Club Straubenhardt, sieht keine unmittelbaren Auswirkungen von Hölzls Intention auf die Planungen für die Liga. Der frühere Spitzenturner verweist unter anderem darauf, dass sich der DTB neben dem Kunstturnen um weitere Sportarten kümmert, außerdem neben dem Hochleistungssport stark um den Breitensport. Freilich war Woitalla schon bisher klar, dass es verschiedene Interessen und vor allen Dingen einen Mangel an Terminen geben dürfte. Beispielsweise rechnet er damit, dass der europäische Verband die für den Frühsommer abgesagten EM-Veranstaltungen für Männer und Frauen auf den Herbst verschiebt.

Das würde schon reichen, um die Planungen der eigenständigen DTL zu durchkreuzen. Die würde gern am Samstag, 3. Oktober, loslegen. Da die Meister-Kür bereits am Samstag, 5. Dezember, einmal mehr in der Ludwigsburger Arena erfolgen soll, bräuchte die Liga acht von zehn Wochenenden, um die Wettbewerbe nach bewährtem Muster durchzuführen. Mit jedem Termin, den der DTB beanspruchen würde – zum Beispiel für eine EM-Qualifikation – käme der Verband den Clubs in die Quere.

DTL-Konferenz steht noch aus

Noch sind zu viele Fragen offen, etliche hat DTL-Präsident Jens Uwe Kunze aus Berlin in einem Schreiben an die Vereine formuliert. Woitalla geht davon aus, dass sich DTL-Spitze und die Vereine demnächst zusammenschalten und die Liga dann darlegen wird, was ihr vorschwebt. Die DTL wiederum hat Mittwoch, 1. Juli, als eine Art Stichtag festgelegt. Zumindest bis dahin wird es keine Absage der Saison geben. Um nicht Gefahr zu laufen, dass das Image leidet, will die Liga, wie sie den Vereinen geschrieben hat, einen voreiligen Verzicht auf die Saison 2020 auf jeden Fall vermeiden.

Für Woitalla ist klar, dass die Sportler nicht die Leidtragenden sein sollten. Die DTL wolle auch keine Terminhatz mit erhöhtem Verletzungsrisiko zum Jahresende. „Die Athleten sind die, die wollen, und die auch den Liga-Betrieb lieben“, hält der frühere Junioren-Europameister allerdings auch fest. Ansonsten seien Wettkämpfe ohne Zuschauer im Turnen völlig uninteressant.

Wichtig wäre Woitalla, dass nicht vom attraktiven Score-System abgerückt wird. Schon von daher schließt er aus, dass sich mehr als zwei Teams an einem Ort versammeln und möglicherweise an mehreren Tagen hintereinander turnen. Wird der Modus im Corona-Krisenjahr 2020 verändert, könnte er sich eher vorstellen, dass dem DTL-Finale ein Viertel- und ein Halbfinale vorausgehen. Doch auch wenn man in der Not eine solche Regelung treffen würde, blieben Detailfragen zu klären. Beispiele: Wer tritt gegen wen an? Wer hat Heimrecht?

Eine Frage, die die KTV-Vertreter beschäftigt, lautet: Wann kann die Rückkehr in den Trainingsalltag erfolgen? Aufgrund der Corona-Beschränkungen ging seit nunmehr neun Wochen fast nichts.

Nur zwei Talente trainieren

Immerhin ist ein Lichtblick, dass baden-württembergische Kader-Athleten nun wieder trainieren dürfen. Für Woitalla bedeutet dies, dass er nun mit zwei Talenten in die Halle darf: Für Georg Gottfried und Raphael Wolfinger, beide zehn Jahre alt, sei die lange Pause zu Ende, sagte der Übungsleiter der „Pforzheimer Zeitung“.Ansonsten ist Woitalla bereits klar, dass die DTL-Planung für 2021 kein Kinderspiel wird. Dass die Olympischen Spiele in Tokio nach der Verschiebung um zwölf Monate erst im Juli/Augustnächstes Jahr stattfinden, wird in jedem Fall Auswirkungen haben.