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Die deutschen Fußball-Nationalspieler stehen im Training auf dem Platz im Ernst-Happel-Stadion in Wien. Das DFB-Team bereitet sich auf das WM-Qualifikationsspiel gegen Österreich vor, dass am Dienstag in Wien stattfindet. © dpa
11.09.2012

Heute WM-Quali: Löw warnt eindringlich vor Österreich

Noch nie hat Joachim Löw so eindringlich vor Österreich gewarnt. In der WM-Qualifikation erwartet der Bundestrainer ein Duell «auf Augenhöhe». Drei Punkte sind dennoch das klare Ziel. Personell ließ Löw noch Fragen offen. Alle 22 Spieler waren beim Abschlusstraining.

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Seriös, konzentriert und endlich auch eiskalt im Abschluss - die Forderungen von Joachim Löw sind vor dem heißen Duell in Österreich eindeutig. Gleich nach der Landung im sommerlichen Wien machte sich der Bundestrainer an die letzte Detailarbeit. Von Philipp Lahm, Miroslav Klose und Co. erwartet Löw beim ersten WM-Gradmesser einen kräftigen Leistungsschub - denn der DFB-Chefcoach sieht den Gegner so stark wie nie.

Als Extra-Motivation ernannte er das brisante WM-Qualifikationsspiel der Fußball-Nationalmannschaft am Dienstag (20.30 Uhr/ARD) kurzerhand zum Duell «Deutschland gegen die Bundesliga». Neun Profis aus der deutschen Eliteklasse im Aufgebot des Gegners haben den 52-Jährigen zusätzlich von dessen neuer Stärke überzeugt.

«Ich erwarte, dass wir das Spiel sehr konsequent angehen und unsere Chancen nutzen», forderte Löw am Tag vor der Partie im mit 47 000 Zuschauern ausverkauften Ernst-Happel-Stadion. Noch auf dem kurzen Flug von Hannover nach Wien hatte Löw die Zeitungen studiert. «Ich habe auch gelesen, dass selbstbewusste Aussagen gemacht wurden, und das völlig zu recht. Ich erwarte ein Spiel auf Augenhöhe», warnte Löw bei der Pressekonferenz nach der Ankunft im Wiener Prater.

Jede Form von Schlendrian ist gegen das kleine Nachbarland streng verboten. Energisch wie bei keinem seiner schon drei Wien-Gastspiele als Bundestrainer mahnte Löw die Nationalspieler vor den neu entdeckten Stärken des Austria-Teams. «Was ich von Österreich gesehen habe, sind sie so gut wie die Jahre zuvor nicht; viel organisierter, viel selbstbewusster, viel direkter zum Tor. Sie wittern ihre Chance, mal wieder bei einem großen Turnier dabei zu sein», sagte Löw.

Seiner eigenen Auswahl redete er entsprechend ins Gewissen. Ein Ausrutscher gegen Rot-Weiß-Rot würde nicht nur einen Rückschlag für den gerade aufgenommen direkten Weg zur WM 2014 bedeuten, sondern auch die EM-Wunden wieder aufreißen. «Ich gehe von einem starken und heftigen Abnützungskampf aus», sagte Löw.

Ungewöhnlich defensiv formulierte der Bundestrainer die Ambitionen, fast so, als wolle er für einen Punktverlust vorsorgen. «Es ist ein Langstreckenwettbewerb, in dem 30 Punkte vergeben werden. Es ist kein Entscheidungsspiel. Jetzt heißt es für uns, in Wien nachzulegen», betonte Löw.

 

Bei aller Warnung vor dem Kontrahenten sieht Löw sein Team aber doch im Vorteil. Den Bundesliga-Profis Prödl, Pogatetz, Harnik, Arnautovic und Co. attestierte er mit deren deutschen Arbeitgebern in Bremen, Wolfsburg oder Stuttgart zwar Europa-League-Ambitionen. In der deutschen Startelf aber haben bis auf den Neu-Dortmunder Marco Reus alle Akteure Champions-League-Erfahrung.

 

Für sich und sein Team hat Löw noch mehrere Arbeitsschwerpunkte ausgemacht. Fraglich ist weiterhin, ob Marcel Schmelzer nach seiner Fußprellung, die einen Einsatz gegen die Färöer (3:0) verhinderte, wieder fit genug ist. Löw erklärte alle Akteure für einsatzfähig, alle 22 Akteure waren beim Abschlusstraining dabei.

Ob Schmelzer oder wieder Holger Badstuber links verteidigen wird, ließ Löw offen. Die zweite vakante Position ist neben Sami Khedira die zweite Hälfte der Doppel-Sechs. Toni Kroos ist favorisiert, dessen Hüftprellung wäre kein Hindernis mehr.

Taktisch hat Löw das stets kritisierte Abwehrverhalten im Blick. Unbedingt sollen aber die Offensivkräfte ihre auch gegen die Färöer viel zu schlampige Chancenverwertung optimieren. «Viele Chancen werden wir gegen Österreich nicht bekommen», mahnte Klose, der in seinen vier Duellen mit dem Nachbarn fünfmal traf. Zudem predigt Löw den diversen kreativen Mittelfeldkünstlern permanentes Arbeiten gegen den Ball. «Nur Sami Khedira macht das bislang richtig gut», so Löw.

Gegen Österreich steht manche deutsche Serie auf dem Spiel. Seit 1986 wurde nicht mehr verloren. Die Gesamtbilanz von 23 Siegen bei 6 Remis und 8 Niederlagen ist gut. In fast 80 Jahren WM-Qualifikation ist Deutschland zudem auswärts unbesiegt. 23 Qualifikationsspiele für große Turniere gingen zuletzt nicht verloren.

Löw hat überwiegend gute Erinnerungen an Wien, wo er vor seinem Wechsel zum DFB in der Saison 2003/04 bei der Austria als Club-Coach arbeitete. Alle drei Gastspiele wurden im Ernst-Happel-Stadion gewonnen - das letzte Spiel im Juni 2011 (2:1) aber durch den Last-Minute-Treffer des diesmal verletzten Mario Gomez denkbar knapp.

Beim 1:0 zum Abschluss der EM-Vorrunde 2008 wurde der 52-Jährige wegen Reklamierens auf die Tribüne verbannt. «Die Spiele in Wien waren geprägt von heißer, teilweise hitziger Atmosphäre. Ganz Österreich fiebert dem Spiel entgegen. Sie versuchen schon lange, Deutschland in die Knie zu zwingen», sagte Löw. dpa