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15.10.2016

Heute wichtiges Länderspiel der Gehörlosen im Panoramastadion

Remchingen-Nöttingen. Wenn heute um 13.00 Uhr im Nöttinger Panoramastadion Fußball gespielt wird, geht es um viel. Um sehr viel sogar. Doch nicht der Hausherr, Regionalligist FC Nöttingen, steht dann auf dem Platz. Sondern die deutsche Nationalmannschaft der Gehörlosen. Gegen Schweden geht es um die Qualifikation für die Deaflympics. Das sind die Olympischen Spiele der Gehörlosen, die im kommenden Sommer im türkischen Samsun ihre 23. Auflage erleben.

Dass die Partie in Nöttingen stattfindet, hat auch mit Frank Zürn zu tun. Der 48-jährige Karlsruher ist Lehrer am Bildungszentrum in Königsbach und gehört seit 2000 zum Trainerstab der Gehörlosen-Nationalmannschaft. Zürn hat keine gesundheitlichen Einschränkungen beim Hören. Aber weil seine Eltern gehörlos waren, ist er mit der Gebärdensprache aufgewachsen und kann sich deshalb mühelos mit den Spielern verständigen. In der Region ist Zürn auch als Fußballer und Trainer bekannt. Viele Jahre war er in seinem Heimatverein VfB Grötzingen aktiv, zeitweise zudem spielender Co-Trainer unter dem Pforzheimer Rolf Mayer beim SV Spielberg.

Zusammen mit Jens Becker, Werner von der Ruhren und Steven Helmboldt betreut Zürn die Gehörlosen-Nationalmannschaft, die international zu den sportlichen Schwergewichten zählt. Europameister 2003, Weltmeister 2008, amtierender Vize-Weltmeister. Und auch bei den Deaflympics ist das Team erfolgreich. 2013 gab es Bronze: „Für eine Medaille reicht es meistens“, sagt Zürn.

Endspiel um Gruppensieg

Damit das auch 2017 so bleibt, muss sich das Team für die Spiele der Gehörlosen im türkischen Samsun erst einmal qualifizieren. Das erste Spiel in der Qualifikationsgruppe mit drei Teams wurde gegen Polen 6:1 gewonnen. Weil auch Schweden die Polen bezwang (1:0), steigt heute in Nöttingen das Endspiel um den Gruppensieg. Dank der besseren Tordifferenz reicht der deutschen Mannschaft dabei schon ein Unentschieden.

Die Gastgeber sind Favorit, auf die leichte Schulter nehmen will Zürn die Partie aber nicht: „Das wird eine harte Nuss“, sagt der Trainer über den Gegner aus Skandinavien, der „körperlich sehr präsent“ sei. Den letzten Vergleich hat Deutschland 2015 bei der EM 2:0 gewonnen. „Eine klare Sache war das aber nicht“, erinnert sich Zürn.

In der deutschen Gehörlosen Nationalelf steht auch ein Aktiver, der seit einigen Wochen in der Region spielt: Robin Bayer kam vor der Saison zusammen mit seinem Bruder Kevin und Trainer Thomas Scherer vom FV Wössingen zum FV Öschelbronn. Die Brüder spielen parallel zudem beim Gehörlosen-Sportverein (GSV) Karlsruhe, Kevin fällt derzeit aber wegen eines Kreuzbandrisses aus.