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Mathew Leckie (mitte) erzielt hier das 2:0 für die Berliner. Der Australier schoss die Schwaben quasi im Alleingang nach Hause. Zahlreiche VfB-Fans verfolgten das Spiel im Olympiastadion. Foto: Baumann
Mathew Leckie (mitte) erzielt hier das 2:0 für die Berliner. Der Australier schoss die Schwaben quasi im Alleingang nach Hause. Zahlreiche VfB-Fans verfolgten das Spiel im Olympiastadion. Foto: Baumann
20.08.2017

Holpriger Start in der Hauptstadt für den VfB Stuttgart

Berlin. Wenn man es allein von der Laune des neuen Sportvorstandes und des Präsidenten abhängig macht, muss die Vorstellung des Aufsteigers VfB Stuttgart beim 0:2 (0:0) bei Hertha BSC unterirdisch gewesen sein. Ohne Kommentar verließen Michael Reschke und Wolfgang Dietrich die Katakomben des Berliner Olympiastadions, kein Wort zu den Fußball-Schreibern. Cheftrainer Hannes Wolf ist verpflichtet, seine Kommentare abzugeben. Und er stellt sich auch danach den Fragen. Wie immer. Aber sichtlich angespannt war auch er. „Wir haben ein Spiel verloren, das fühlt sich nicht gut an“, sagt Wolf. Sein Lächeln wirkt gequält.

Es war die Art und Weise, wie der VfB Stuttgart verlor. Vermutlich reicht es so nicht. „Wir haben 6:3 Chancen herausgespielt und am Ende 0:2 verloren. So ist das in der Bundesliga.“ Dabei war es doch irgendwie ganz schön, ausgerechnet im Berliner Olympiastadion in die Bundesliga zurückzukehren. Über 4500 Stuttgarter Fans waren mit in die Hauptstadt gekommen. Aber Matthew Leckie, Neuzugang vom Absteiger FC Ingolstadt, entschied mit seinen beiden Toren bei seinem ersten Auftritt für die Hertha vor 44751 Zuschauern das Spiel in der 46. und 62. Minute im Alleingang.

Die Überraschung gab es im Olympiastadion schon weit vor dem Anpfiff, als die Aufstellung von Wolf bekannt wurde. Der Trainer blieb dabei, Neuzugang Dennis Aogo auf der linken Abwehrseite noch nicht von Beginn an zu bringen. Wolf entschied sich für den Brasilianer Ailton Ferreira Silva. Auf der rechten Abwehrseite spielte Matthias Zimmermann, im Zentrum nach dem Ausfall von Timo Baumgartl (Gehirnerschütterung) wie erwartet Benjamin Pavard und Marcin Kaminski.

Das Mittelfeld präsentierte sich ebenfalls anders als erwartet. Der Belgier Orel Mangala bildete mit Kapitän Christian Gentner die Defensivreihe, davor Chadrac Akolo, Takuma Asano, Josip Brekalo und zentral offensiv Simon Terodde. Eine Aufstellung, die am Ende defensiver war als erwartet. Die Hertha bestimmte das Spiel, Brekalo und Asano zogen sich ins Mittelfeld zurück. Am Ende stand fast durchgehend eine 4-4-2-Formation, offensiv blieben Terodde und Akolo. Der Mann, der vom FC Sion gekommen war, gab auch in der 11. Minute den ersten Schuss auf das Tor von Rune Jarstein ab. Es blieb der einzige Torschuss im ersten Durchgang.

Ailton zeigt Schwächen

Fast alle Berliner Angriffe kamen über die rechte Seite über Mitchell Weiser und Leckie, weil Ailton als Schwachpunkt ausgemacht war. Der Brasilianer machte seine Sache aber zunächst gut, wie überhaupt die gesamte Abwehr, nicht gerade als sattelfest bekannt, im ersten Durchgang einen respektablen Eindruck hinterließ. Bei allerdings auch überschaubaren Offensivbemühungen der Berliner.

Wenige Sekunden nach Wiederanpfiff ließ sich Ailton auf der rechten Angriffsseite der Berliner jedoch wie ein Schüler ausspielen, Leckie zog mit einer Körpertäuschung vorbei und erzielte sein erstes Tor für den neuen Arbeitgeber. Der VfB musste jetzt aufmachen und erlebte offensiv seine stärkste Phase. Simon Terodde (53.), Chadrac Akolo (55.), Brekalo und Mangala (57.) vergaben aus aussichtsreicher Position.

Und gerade als sich der VfB offensiv formierte, gelang Leckie sein zweites Tor bei konfuser VfB-Abwehr (62.). Spätestens damit war das Spiel entschieden. Wolf brachte Dennis Aogo für Ailton und Holger Badstuber für Zimmermann, das stabilisierte die Deckung. Aber eben auch nicht mehr. Asano traf in der 73. Minute nur den Pfosten und scheiterte kurz darauf erneut (79.). „Dem VfB geht es wie jedem Aufsteiger, sie werden sich erst finden müssen“, sagte Ex-VfB-Spieler Vedad Ibišević. Das Finden wird vermutlich ein hartes Stück Arbeit für Stuttgart und Hannes Wolf, aber das war auch vor dem Saisonauftakt in Berlin klar. In allen Mannschaftsteilen besteht Verbesserungs- und damit auch Handlungsbedarf. Wer es bisher noch nicht wusste, konnte sich in Berlin davon überzeugen. Auch Reschke und Dietrich werden sich zukünftig äußern müssen.