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Tischtennis-Ass Laura Stumper-Robertson (vorne Mitte) mit ihren Schützlingen, vorne von links: Maximilian Schwab, Finn Taylor; hinten von links: Gabriel Engels, Julian Roland, Samuel Dollmann, Simon Metzger, Niklas Tilger, Daniel Tilger und Dennis Nußbaum. Hepfer
Tischtennis-Ass Laura Stumper-Robertson (vorne Mitte) mit ihren Schützlingen, vorne von links: Maximilian Schwab, Finn Taylor; hinten von links: Gabriel Engels, Julian Roland, Samuel Dollmann, Simon Metzger, Niklas Tilger, Daniel Tilger und Dennis Nußbaum. Hepfer
30.03.2016

Immernoch heiß auf Tischtennis: Ex-Profi Laura Stumper trainiert die Jugend des TTC Stein

Ihre Schützlinge schauen zu ihr auf. Und das, obwohl fast alle größer sind als Laura Robertson, geborene Stumper. Doch die ehemalige Tischtennis-Nationalspielerin überzeugt durch Können und vor allem durch ihre große Erfahrung im Spitzensport, seit sie vor knapp vier Jahren begonnen hat, den Nachwuchs des TTC Stein zu trainieren.

„Bei Übungen bringt sie jeden Ball zurück, kann prima Tipps geben und macht alles vor, statt nur darüber zu reden“, schwärmt Samuel Dollmann (18), der mit dem Steiner Jugend-Team in der Verbandsklasse Süd, der zweithöchsten badischen Liga spielt. Er und seine Kollegen profitieren von den Lektionen der 31-Jährigen, die in den 1990er-Jahren als größtes Talent im deutschen Frauen-Tischtennis galt.

Stattliche Erfolgsbilanz

2002 holte Laura Stumper an der Seite von Tanja Hain-Hofmann, heute Tanja Krämer, den deutschen Meistertitel im Doppel und stand von 2001 bis 2005 fünfmal hintereinander im Finale. Außerdem war sie Jugendeuropameisterin im Einzel und mit der Mannschaft. Ihre größten Vereinserfolge feierte die in Singen am Bodensee geborene Ex-Nationalspielerin im Bundesliga-Team des TV Busenbach, mit dem sie 2005 die deutsche Meisterschaft gewann und auch in der Champions League für Furore sorgte.

Sportlich ist es mittlerweile aber ruhiger um die Mutter einer dreijährigen Tochter geworden, die mit Ehemann Adam Robertson, einem walisischen Nationalspieler, in Karlsruhe lebt. „Tischtennis macht mir aber immer noch Riesenspaß und ich bin voll bei der Sache“, versichert die frühere Top-Spielerin.

In der Sporthalle des Bildungszentrums Königsbach merken das auch ihre Schüler. „Ich muss aufpassen, dass ich die Latte nicht zu hoch lege“, gesteht Laura Robertson, die zu ihrer Profi-Zeit als fleißige Perfektionistin bekannt war. „Allein schon ihr Aufwärmprogramm ist anstrengend“, bekennt Samuel Dollmann. Insbesondere beim Aufschlag ist die Handschrift der Trainerin zu erkennen. „Darin haben wir uns alle stark verbessert und bauen jetzt einen Unterschnitt ein, den der Gegner nur schwer lesen kann“, sagt Dennis Nußbaum (14), der kürzlich das Bezirksranglisten-Turnier U18 gewonnen hat.

Dass der Steiner Nachwuchs mit Eifer bei der Sache ist, begrüßt der zweite Vereins-Vorsitzende Hans-Peter Gauß, der Laura Robertson nach Königsbach geholt hat. „Ihr Training ist professioneller und leistungsorientierter als anderswo. Hinzu kommt Lauras Vorbild-Wirkung“, meint Gauß. Ähnlich denkt Co-Trainer Oliver Nußbaum. „Bei ihr sieht man sofort, dass sie Bundesliga-Erfahrung hat“, sagt er. „Laura kann unseren Jugendlichen Feinheiten beibringen, die ich kaum sehe.“ Dass die 31-Jährige aus einer Tischtennisfamilie stammt, ist dabei von Vorteil. Sowohl Vater Rudi Stumper als auch Mutter Judith spielten Bundesliga. Ihr Halbbruder Kay (13) gilt ebenfalls als große Hoffnung und selbst Tochter Grace hatte mit ihren drei Jahren schon einen Schläger in der Hand. „Wir machen ihr aber keinen Druck, obwohl sie gute Gene hat“, betont Laura Robertson, die ab und zu noch in der Schweizer Nationalliga für das Meisterteam des TTC Neuhausen antritt.

In der deutschen Frauen-Bundesliga vermisst sie die Charakter-Typen von früher, wie Nicole Struse oder Elke Schall. „Die haben immer für Feuer gesorgt und das Titelrennen war wesentlich spannender als heute“, weiß Robertson. Tischtennis vergleicht sie gerne mit Mathematik. „Auch da sind gute Grundlagen wichtig und man fängt nicht gleich mit Bruchrechnen an“, sagt die 31-Jährige, die sich über jede noch so kleine Verbesserung ihrer Schützlinge freut. Umso schmerzlicher dürfte der Abschied sein, wenn die Trainerin Ende Mai mit ihrer kleinen Familie zu Vater und Großmutter nach Singen an den Bodensee zieht. Beim TTC Stein wird man sie vermissen.