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Das könnte ein heißes Weihnachtsfest werden. John Willis, Trainer des Bundesliga-Rugbyteams TV Pforzheim, grillt an Heiligabend im Freien. Barfuß, im T-Shirt, ein Bier in der Hand. Bei mindestens 25 Grad. Gefeiert wird in seiner Heimat auf der anderen Seite des Globus, in Neuseeland, wo es gerade Sommer ist. Foto: Privat
Das könnte ein heißes Weihnachtsfest werden. John Willis, Trainer des Bundesliga-Rugbyteams TV Pforzheim, grillt an Heiligabend im Freien. Barfuß, im T-Shirt, ein Bier in der Hand. Bei mindestens 25 Grad. Gefeiert wird in seiner Heimat auf der anderen Seite des Globus, in Neuseeland, wo es gerade Sommer ist. Foto: Privat
22.12.2017

In Pforzheim, Neuseeland, Kanada oder Japan: So feiern unsere Sportler Weihnachten

Aus der Küche duftet herrlich der Braten, die Lichter am Tannenbaum funkeln um die Wette und aus den Lautsprecherboxen im mit Zimtduft erfüllten Wohnzimmer tönt „Leise rieselt der Schnee.“ So oder so ähnlich stellt man sich Heiligabend bei vielen Menschen zu Hause vor. Wir wollten wissen, wie unsere Sportler Weihnachten feiern? Pute, Bier, Grillen, Party – in Pforzheim, Neuseeland, Kanada oder Japan. Heiligabend verbringen Athleten und Trainer aus der Region um Pforzheim ganz unterschiedlich.

Florian Taafel, Handballer der TGS Pforzheim:

Florian Taafel feiert Weihnachten mit seiner Schwester bei den Eltern. „Ganz klassisch“, wie er sagt. Morgens wird der Baum geschmückt, mittags geht’s ans Grab von Oma und Opa, dort wird auch noch dem Orchester gelauscht, bevor es dann nach Hause geht, in die Küche. Hier ist Teamarbeit angesagt. „Jeder bereitet einen Gang vor“, berichtet Florian Taafel. Er kümmert sich in diesem Jahr ums Dessert. Was wird kredenzt? „Ich war kürzlich bei meinem Onkel in Portugal. Von dort habe ich ein Rezept für einen portugiesischen Schokoladenkuchen mitgebracht. Ich mache dazu Eis oder Grütze. Mal sehen, wie meine Kreation schmeckt“, sagt Taafel. Kalorienbombe hin oder her – Speckröllchen wird man am durchtrainierten Handballer nach den Feiertagen vergeblich suchen. „Ich versuche auch über die Feiertage jeden Tag Sport zu machen“, sagt er. So auch im anschließenden Kurzurlaub mit Freunden auf einem Bauernhof in Frankreich.

John Willis, Rugby-Chefcoach TV Pforzheim:

Schnee, Kälte, Glühwein – da, wo John Willis in diesem Jahr Weihnachten feiert, kennt man das zur jetzigen Zeit nicht. 25 Grad und Sonnenschein sind angesagt, auch an Heiligabend. Klar, John Willis ist ja auch in seiner Heimat. In Neuseeland. Genauer gesagt auf der Südinsel in Geraldine – rund 20 000 Kilometer entfernt von Pforzheim. Dort wohnen Willis’ Onkel und Tante. Nach langem wird der Rugbycoach auch wieder seine Eltern und seine Schwester mit ihren drei Kindern sehen. Ob John Willis an Heiligabend in den Pool springen wird, ließ er noch offen. Fest steht aber, dass er den Grill anschmeißen wird. Lamm und Rind stehen auf der Karte fürs Barbecue-Festmahl. Außerdem Lachs. „Das Angeln hier ist einfach und sicher. Selbst ein Unerfahrener kann hier einen tollen Fang machen“, schreibt Willis per Facebook der PZ. Er braucht vermutlich nicht mal eine Angel dazu. Der Lachs wird auf dem Grill dann mit Manuka (Honig) geräuchert.

Süß sind aber vor allem die Nachspeisen. Da wäre zum einen „Pavlova“. Eine Torte aus Baisermasse, ein Nationalgericht. Obendrauf kommt Obstsalat. „Bisschen was Gesundes muss ja sein“, scherzt Willis.

Wer davon noch nicht genug hat, darf sich an Eis und Schokoladenmousse verköstigen. „Am Schluss wird alles mit einem Brandy, einem Merlot oder einfach nur mit Bier runtergespült“, sagt Willis. Und fügt gleich hinterher: „Das ist nur das Mittagsessen. Abends gibt es wohl die Reste.“ Und: „Ich vermisse schon mein Kristallweizen.“ Und was ist mit den Geschenken? „Die gibt es schon morgens. Dieses Jahr werde ich auch mal wieder meinen Weihnachtsstrumpf aufhängen. Santa Claus hat mich bestimmt schon vermisst. Aber er kennt ja auch nur meine Adresse in Pforzheim.“

Vier Wochen verbringt Willis in seiner Heimat. In den nächsten Tagen will er sich auch mit Lee Murray treffen, der in der Rückrunde vielleicht wieder beim TV Pforzheim einsteigt. Lee Murray ist übrigens Berufsjäger. Er jagt Opossums. Ob er die Beutelratten an Heiligabend auf den Grill legt?

Ken Filbey, Eishockey-Trainer Bisons Pforzheim:

Auch Ken Filbey kommt von weit her. Die Heimat des Kanadiers ist die Prince Edward Insel im ostkanadischen Atlantik. Im Sommer gibt es hier rote Sandstrände, Leuchttürme und fruchtbares Ackerland. „Im Winter findet man vor lauter Schneemassen sein Haus nicht mehr“, sagt Filbey und lacht. Weihnachten wird in Kanada im großen Stil gefeiert. „Es gibt Pute und die ganze Verwandtschaft sitzt am Tisch. Da ist immer was los“, so der Eishockey-Coach. Weiße Weihnachten wird es für ihn diesmal aber nicht geben. Filbey feiert mit seiner Familie in Pforzheim. Mit seinen zwei Kindern (26 und 18 Jahre) und mit seiner Frau, die aus Bayern kommt, „also keine Deutsche ist“, sagt Filbey und lacht erneut herzhaft. Eines ist sicher: die angefutterten Kalorien werden bei den Filbeys von der Lachmuskulatur verbrannt.

Hakan Göktürk, Fußballtrainer 1. FC Kieselbronn:

Feiert ein Türke mit deutschem Pass Weihnachten? Hakan Göktürk jedenfalls nicht. „Ich bin ein gläubiger Moslem. Aber bestimmt gibt es Familien, in denen der Mann Türke ist und die Frau Deutsche oder andersherum, die feiern bestimmt Weihnachten.“

Doch auch ohne Lametta und Christbaumkugeln kommt Göktürk jedes Jahr in Weihnachtsstimmung. „Ich mag diese Zeit. Das war schon zu meiner Kindheit so. Leider schneit es heute nicht mehr so viel.“

Was macht Göktürk am 24.12.? „Wir fahren zu den Eltern meiner Frau nach Augsburg und genießen dort ein paar freie Tage. Das ist für uns dann Weihnachten.“

Akiyoshi Saito, Abwehrspieler des 1. CfR Pforzheim:

Weihnachten (auf japanisch: kurisumasu) wird in Japan anders als in Deutschland gefeiert. Fern von religiösen Gedanken oder dem Fest der Familie, ist es eher ein Pärchenfest – ähnlich dem Valentinstag. In der Weihnachtszeit finden deshalb an vielen Orten rauschende Partys statt. Nicht zuletzt deswegen versuchen gerade Alleinstehende über die Weihnachtsfeiertage jemanden kennenzulernen. Akiyoshi Saito vom 1. CfR Pforzheim ist gerade in Japan. In Fuji. Einer Stadt in der Präfektur Shizuoka am Fuße des gleichnamigen Berges. Auch dort steigen Partys. „Aki“ Saito wird es bestimmt krachen lassen.

Vincenzo Grifo, Fußballprofi Borussia Mönchengladbach

„Driving home for Christmas“, hieß es für den Mittelfeldspieler der Fohlen, der sich gestern in Meerbusch (Grifos Wohnort bei Düsseldorf) ins Auto setzte, um ein paar Stunden später in Pforzheim seine Liebsten in die Arme nehmen zu können. Weihnachten steht vor der Tür. Und wie es sich für eine italienische Großfamilie gehört, wird an Heiligabend natürlich groß aufgetischt. „Die Verwandtschaft ist da. Rund 25 Leute. Es wird viel geredet und gegessen. Vor allem Fisch: Dorade, Scampis, Stockfisch – in allen Variationen. Dazu gibt es Spaghetti mit Muscheln und natürlich darf ein guter Rotwein nicht fehlen“, erzählt Pasquale Caputo. Der Onkel von Vincenzo freut sich aufs Essen – aber noch viel mehr aufs Fachsimpeln mit seinem Neffen.