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Hakan Calhanoglu ist für den Karlsruher SC Gold wert - als Spieler, der auf dem Platz Akzente setzen kann, wie als Spieler, der teuer an einen großen Verein abverkauft werden kann. © David OBrien Kaiser
25.07.2012

Interview mit Hakan Calhanoglu: "Ich bin mehr der Ballverteiler"

Viele europäische Fußballclubs haben die Jagd auf ein 18-jähriges Talent des Karlsruher SC eröffnet. Doch das lässt Hakan Calhanoglu kalt. Seine Coolness ist bewundernswert. Da saßen in Heidenheim viele Späher von Profivereinen auf der Tribüne, von Werder Bremen über den VfL Wolfsburg bis hin zu nahezu allen türkischen Topclubs - doch der KSC-Nachwuchsstar spielte auf, als gäbe es die gar nicht. Zwei tolle Freistoßtore erzielte der hoch begabte Mittelfeldspieler. Auch dadurch wird sein Abgang aus dem Wildpark immer wahrscheinlicher. PZ-news-Mitarbeiter Peter Putzing sprach mit Hakan Calhanoglu.

Bildergalerie: Hakan Calhanoglu im Einsatz für den KSC

PZ-news: Herr Calhanoglu, da stehen Sie in Heidenheim unter Beobachtung, ein halbes Dutzend Späher ist vor Ort – aber Sie zirkeln aber ganz cool zwei Freistöße ins gegnerische Tor. Sind Sie so abgezockt?

Hakan Calhanoglu: Wer auf der Tribüne sitzt, das wusste ich gar nicht, es interessiert mich auch nicht. Zudem: wenn ich auf dem Platz stehe, dann konzentriere ich mich nur auf das Spiel, auf sonst nichts.

PZ-news: Das Spiel in Heidenheim endete nach einer 2:0 Führung mit einem 2:2. Der Ausgleich fiel in Minute 93. Heißt das: Einen Punkt gewonnen oder zwei verloren?

Hakan Calhanoglu: Ganz klar: Einen Punkt gewonnen. In Heidenheim einen Punkt zu holen, bei diesem sehr heimstarken Team - das ist sehr gut.

PZ-news: In dieser 93. Minute hatten Sie den Ball an der Mittellinie und wollten zaubern, verloren das Leder und der KSC kassierte den Ausgleich….

Hakan Calhanoglu: Nein, nein, ich wollte nicht zaubern. Ich wollte den Ball schnell durchlegen, mit Geschwindigkeit nach vorne bringen.

PZ-news: Wenn Sie eine solche Situation nochmals erleben: Werden Sie dann den Ball annehmen, ein paar Mal jonglieren um so die Zeit runterlaufen zu lassen? Damit der KSC gewinnt?

Hakan Calhanoglu: Fußball ist spontan, diese Situation war es auch. Was ich zukünftig machen werde - abwarten.

PZ-news: Sie haben sich, nach dem zweiten Tor, sofort in Richtung Tribüne gedreht und bei jemand mit einer Geste bedankt. Bei wem?

Hakan Calhanoglu: Bei unserem Manager Oliver Kreuzer.

PZ-news: Und warum?

Hakan Calhanoglu: Weil er es einfach verdient hat. Er geht mit mir, mit meiner Familie und meinem Berater sehr fair um. Ich verstehe mich mit Herrn Kreuzer sehr gut - und das war ein kleines Dankeschön.

PZ-news: Sie spielen in dieser Saison im zentralen Mittelfeld. Man sieht, dass Sie sich dort wohler fühlen als auf der Außenbahn.

Hakan Calhanoglu: Auf jeden Fall. Dort ist meine Position. Da kann ich meine Fähigkeiten umsetzen. Ich bin keiner, der auf der Außenbahn eins-gegen-eins eingeht. Ich bin mehr der Ballverteiler.

PZ-news: Werden Sie gegen den FC Halle wieder den Ballverteiler spielen? Sprich: Sind Sie dann noch in Diensten des KSC?

Hakan Calhanoglu: Niemand kann in die Zukunft schauen. Aber im Moment bereite ich mich auf dieses Spiel mit voller Konzentration vor.

PZ-news: Es haben sich etliche Vereine um Sie bemüht. Freiburg, Bremen und viele türkische Topclubs. Gibt es einen Verein, den Sie favorisieren?

Hakan Calhanoglu: Nein. Ich spiele gerne Fußball und falls ich wechsle, dann eben zu einem guten Verein in der ersten Liga.

PZ-news: Welche Clubs, neben den erwähnten, haben denn noch angefragt?

Hakan Calhanoglu: Es sind viele Angebote da. Da weiß ich gar nicht alles. Ich mache mein Ding – Fußball spielen. Um den Rest kümmert sich zunächst Herr Kreuzer, der die Angebote an meinen Berater weitergibt.

PZ-news: Würden Sie es sich zutrauen, sofort in der ersten Liga, mit gerade einmal 18 Jahren Fuß zu fassen?

Hakan Calhanoglu: Absolut. Wenn ich es mir nicht zutrauen würde, wenn ich nicht ein gesundes Selbstbewusstsein hätte, dann hätte ich auch nicht das geschafft, was ich bisher geschafft habe.

PZ-news: Der KSC soll angeblich drei Millionen Euro für Sie als Ablösesumme verlangen. Zu recht?

Hakan Calhanoglu: So etwas interessiert mich nicht. Das ist Sache der Verantwortlichen des KSC. Das ist nicht meine Angelegenheit.

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