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Sebastian Kienle lag lange Zeit aussichtsreich an dritter Position, wurde am Ende aber Vierter beim Ironman Hawaii.
sebastian kienle vierter beim ironman hawaii © dpa
Paul Amey (links) und der Knittlinger Sebastian Kienle rennen beim Ironman auf Hawaii vom Schwimmen kommend zu den Rennrädern, um 180 Kilometer zu fahren, bevor der Marathonlauf ansteht. Kienle lag lange an Position drei, bevor er als Vierter durchs Ziel kam.
Paul Amey (links) und der Knittlinger Sebastian Kienle rennen beim Ironman auf Hawaii vom Schwimmen kommend zu den Rennrädern, um 180 Kilometer zu fahren, bevor der Marathonlauf ansteht. Kienle lag lange an Position drei, bevor er als Vierter durchs Ziel kam. © dpa
14.10.2012

Ironman Hawaii: Knittlinger Sebastian Kienle wird Vierter

Man muss schon eine gehörige Portion Spaß am Selbst-Quälen haben, wenn man in der Hitze von Hawaii rund 225 Kilometer durch den Pazifik schwimmt und über den fast kochenden Asphalt radelt und rennt. Am besten quälen konnte sich beim legendären Ironman auf Hawaii der Australier Pete Jacobs. Bei seiner Premiere auf der Pazifikinsel lief der Knittlinger Sebastian Kienle auf Platz vier. Der Rostocker Andreas Ralert wurde Zweiter.

Das gute Ergebnis der deutschen Triathleten komplettierten Faris Al-Sultan auf Rang fünf vor Tim Bracht auf dem sechsten Platz.

Nach der 3,86 Kilometer langen Schwimmstrecke im Pazifik durfte Sebastian Kienle nach 55:21 Minuten wieder an Land. Zu diesem Zeitpunkt lag er an 64. Position. Zwei Frauen waren schneller als er geschwommen. Doch auf dem Rad holte er Platz um Platz wieder auf. Nach 180,2 Kilometern, auf denen 1500 Höhenmeter überwältigt werden mussten, hatte er sich auf den siebten Rang vorgekämpft. Probleme mit dem Rad verhinderten eine bessere Zeit als die benötigten 4:33:23 Stunden.

Als Kienle zum Marathonlauf über die 42,195 Kilometer startete, hatte sich der ebenfalls mit einem Rad-Missgeschick hadernde Belgier Marino Vanhoenacker, 27. beim Schwimmen mit 3:10 Minuten Vorsprung auf Kienle, mit einer Radfahrzeit von 4:25:49 Stunden den ersten Platz und ein gutes Zehn-Minuten-Polster erstritten. Und der Hawaii-Dritte von 2010 wollte unbedingt einen Platz auf dem Siegerpodium. Beim Laufen konnte Kienle jedoch den Vorsprung des Belgiers langsam minimieren.

Aber: Er musste erst einmal den Spuren von Pete Jacobs aus Australien folgen. Der Hawaii-Zweite von 2011 war rund vier Minuten schneller als Kienle geschwommen und nur zwei Minuten langsamer auf dem Rad unterwegs als der Knittlinger. Nach rund 23 Kilometern war Jacobs bis auf 1:25 Minuten auf den führenden Belgier aufgelaufen und lag damit fast genau drei Minuten vor Kienle.

Doch der Triathlet aus dem Enzkreis musste auch den Blick nach hinten wenden. Denn mit nur wenigen Sekunden Abstand folgte ihm sein Landsmann Faris Al-Sultan, der 2005 den Ironman auf Hawaii gewinnen konnte und im Jahr davor Dritter wurde. Bei 23 Kilometer war Kienle nur eine knappe halbe Minute schneller als Al-Sultan. Einer der großen Favoriten, Andreas Raelert aus Rostock, 2011 und 2009 Dritter, 2010 Zweiter, hatte als Sechster 2:34 Minuten Rückstand auf den Knittlinger. Und Al-Sultan und Raelert hatten mit jedem Kilometer Zeit aufgeholt.

Nach 24 Kilometern dann hatte Jacobs den erschöpften Belgier eingeholt. Jetzt schien es nur eine Frage der Zeit, bis Kienle Zweiter werden sollte. Doch bei Kilometer 26 hatte der Knittlinger immer noch 50 Sekunden auf Vanhoenacker und 3:49 Minuten auf Jacobs. Immerhin konnte er den Vorsprung auf Al-Sultan auf fast eine Minute ausbauen, während Raelert immer näher rückte. Bei Kilometer 28 hatte der immer langsamer gewordene und am Straßenrand pausierende Belgier dann aufgegeben. Den Australier Jacobs jagten nun die drei deutschen Triathleten Kienle, Al-Sultan und Ralert, die zwischen 4:43 und 5:28 Minuten aufholen mussten. Durchaus machbar beim Marathon, aber gewiss kein Spaziergang in der Hitzeschlacht auf Hawaii.

Dann elf Kilometer vor dem Ziel musste Kienle seine Träume von einem Ironman-Sieg auf der Pazifikinsel begraben. Der Rostocker war am Knittlinger vorbeigerannt, hatte 12 Sekunden Vorsprung aufgebaut. Und Jacobs war auf 5:14 Minuten enteilt. Doch auch Raelert musste mit jedem weiteren Kilometer einsehen, dass alles auf den sechsten Hawaii-Sieg eines Australiers in Folge hinauslief.

Mit dem Belgier Frederik van Lier hatte Kienle nun einen neuen Verfolger im Nacken – und der schaffte es nach 35 Kilometern am Knittlinger vorbeizuziehen. Eine Sekunde trennte Kienle vom dritten Platz, den er den größten Teil der Marathonstrecke halten konnte. Zu diesem Zeitpunkt hatte Raelert den Vorsprung auf Jacobs auf 4:38 Minuten verkürzt. Sollte der Rostocker der einzige Deutsche auf dem Siegerpodest bleiben?

Nur zwei Kilometer weiter im Rennverlauf bietet sich den Zuschauern in der Spitze das gleiche Bild. Doch jetzt hat sich Timo Bracht aus Eberbach noch auf den achten Platz vorgeschoben.

Kurz vor dem Finish muss dann Raelert noch einmal gegen van Lierde kämpfen, der zu ihm aufgelaufen war. Wird es ein Herzschlag-Finale für den Rostocker? Mit einem furiosen Endspurt kann er dann wieder den Abstand zu van Lierde auf ein paar Meter und ein paar Sekunden erhöhen. Erschöpft fällt Raelert fünf Minuten nach Jacobs im Ziel um. Der Belgier wird Dritter. Kienle schafft es auf den vierten Platz und knickt ein paar Meter nach dem Ziel ein. Bei seinem Hawaii-Debut wird der Ironman-70.3-Weltmeister Vierter, 8:29 Minuten hinter dem siegreichen Australier. Faris Al-Sultan kommt als Fünfter durchs Ziel, Timo Bracht als Sechster.