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Ist sicher, dass das KSC-Team alles tut, um die Pleite von Braunschweig vergessen zu machen: Jens Todt.  Anspach
Ist sicher, dass das KSC-Team alles tut, um die Pleite von Braunschweig vergessen zu machen: Jens Todt. Anspach
08.09.2015

Jens Todt: „Das kratzt an der Fußballerehre“

Beim Karlsruher SC läuft es im Moment nicht rund. Das bittere 0:6 im Zweitligaspiel bei Eintracht Braunschweig nagt an der Mannschaft. Trotz des unglücklichen Saisonstarts behält der Karlsruher Sportchef Jens Todt die Ruhe.

PZ: Markus Kauczinski sagte, dass die Stimmung bei den Spielern durch Erfolgserlebnisse im Training besser wird. Sie trainieren nicht – wie sieht’s mit Ihrer Stimmung aus?

Jens Todt: Wenn man sechs Stück kriegt, dann kratzt das an der Fußballerehre, dann hat man etwas gutzumachen. Dann darf und sollte man etwas Wut im Bauch haben – und das geht uns allen so.

PZ: Der Trainer ist sicher, dass die Mannschaft am Samstag zu Hause gegen Union eine Trotzreaktion zeigt. Sind Sie es auch?

Jens Todt: Das haben wir bisher immer getan, dass wir nach einem schlechten Spiel eine Reaktion und ein besseres Spiel gezeigt haben. Ich gehe davon aus, dass das auch gegen Union Berlin so sein wird.

PZ: Der KSC geht ohne einen echten Zehner im Kader in die weitere Saison. Ist das nicht riskant?

Jens Todt: Warum? Wir haben doch Spieler, die auf dieser Position spielen können. Zum Beispiel Yamada oder auch Gouaida. Dimi Nazarov kann ebenfalls auf der Zehn spielen. Darüber hinaus haben wir mit Bouba Barry und Marvin Mehlem zwei deutsche U-Nationalspieler für diese Position. Und diese Spieler wollen wir durch Neuzugänge nicht blockieren.

PZ: Aber Mehlem durfte bisher nur 30 Minuten ran und Yamada hat 2015 noch nicht überzeugt.

Jens Todt: Es stimmt, Hiroki hat im Moment noch nicht die Form, die er im vergangenen Jahr hatte. Aber wir reagieren bei Formschwankungen nicht sofort mit einem Transfer …

PZ: … und was ist mit Mehlem?

Jens Todt: Der ist 17 Jahre alt und wird seinen Weg machen. In den letzten Jahren sind beim KSC viele vom Talent zum Zweitligaleistungsträger gereift.

PZ: Es war zu lesen, der HSV habe Interesse an Meffert und dass auch Gulde bei den Millionären aus England auf dem Einkaufszettel gestanden habe. Auch für Valentini und Yamada soll es Angebote gegeben haben.

Jens Todt: Die Einkaufszettel anderer Vereine interessieren uns nicht. Aber es ist richtig, dass es für viele unserer Spieler Angebote oder Anfragen gegeben hat. Wir konnten aber verhindern, dass uns neben Max, Hennings und Yabo weitere Stammspieler verlassen.

PZ: Kann es sein, dass der eine oder andere sauer ist, weil er nicht gehen durfte und dass darunter die Leistung leidet?

Jens Todt: Wenn man den Aufstieg so knapp verpasst und dann die Chance in die erste Liga zu wechseln nicht wahr wird, hat man unter Umständen daran zu knabbern. Fakt ist, dass diese Transferperiode insgesamt ein wenig unruhiger war als die vorangegangenen. Aber das ist Schnee von gestern. Wir sind alle darauf fokussiert, mit dem KSC erfolgreich zu sein.

PZ: Um Ruhe zu bekommen, gibt es ein probates Mittel: Drei Punkte gegen Union Berlin holen.

Jens Todt: Nichts hilft mehr als Punkte, das ist klar. Wir müssen zunächst unsere Leistung stabilisieren, dann werden auch die Punkte kommen.

PZ: Der Trainer ist vom Auftreten des Neuzugangs Dimitris Diamantakos angetan. Sie auch?

Jens Todt: Dimitris hatte durch seine Mandel-OP einen denkbar schwierigen Start, für den er nicht das Geringste konnte. Wir haben ihn aufgepäppelt, jetzt ist er auf einem guten Weg. Wir sind fest davon überzeugt, dass er uns helfen wird.

PZ: Aber er war in drei Jahren bei vier Clubs, hat sich nie richtig durchgesetzt.

Jens Todt: Sich als junger Spieler beim absoluten griechischen Topclub durchzusetzen, ist nicht so einfach. Hätte Dimitris das auf Anhieb bei Olympiakos Piräus geschafft, hätten wir nicht die geringste Chance gehabt, ihn zu verpflichten. Wir sind sicher, dass wir einen richtig guten Spieler bekommen haben.

PZ: Das Präsidium hat sich hinter Trainer und Manager gestellt. Tut das gut?

Jens Todt: Der Saisonstart war, wie gesagt, unruhiger als sonst. Da ist es gut, wenn man zusammensteht und Kurs hält. Wir machen hier ja keine Schönwetterveranstaltung.