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Jerome Gondorf geht beim KSC voran. Der Kapitän des Zweitligisten zieht ein positives Zwischenfazit der aktuellen Saison.  Foto: Gilliar/GES 

KSC-Kapitän Jerôme Gondorf: „Ich will uns besser machen“

Karlsruhe. Für Darmstadt, Bremen und Freiburg absolvierte Jerôme Gondorf 110 Erstligaspiele. Weit mehr als jeder andere im Kader des KSC.  Der 32-Jährige ist somit der erfahrenste Profi im Kader der Badener. Auch daher wurde der vielseitige Mittelfeldspieler, der in Karlsruhe geboren wurde, zum Kapitän des Wildparkclubs bestimmt. Ein weiterer Grund: Gondorf ist einer, der vorangeht – und einer, der seine Meinung sagt.

PZ: Herr Gondorf, es geht in dieser Saison für den KSC um den Klassenerhalt. Bleibt der KSC in der Liga?

Jerôme Gondorf: Ja. Das Gefühl bei jedem Einzelnen ist besser als vergangene Saison, auch die Leistungen sind besser. Wir waren in jedem Spiel nahe am Sieg.

Wichtig dafür wäre ein Sieg am Samstag in Braunschweig. Gehen Sie davon aus, dass bei der Eintracht, nach dem Sieg bei St. Pauli, der nächste Auswärtsdreier eingefahren wird?

Das ist unser Ziel.

Die Voraussetzungen sind so wie zuletzt in St. Pauli. Da konnte und hat man den Gastgeber in der Tabelle überholt, das wäre auch bei Braunschweig möglich. Ist das zusätzliche Motivation?

Wir brauchen keine zusätzliche Motivation. Der Gegner kommt aus einer ähnlichen Kategorie wie wir – also können wir gewinnen. Und natürlich sind die drei Punkte unser Ziel. Auch weil wir wissen, welchen Schritt wir dadurch machen können. Aber wir wissen auch: Braunschweig hat große individuelle Qualität.

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Wie lautet Ihr Fazit der bisherigen Saison?

Bei uns ist eine Entwicklung deutlich erkennbar, die Art wie wir Fußball spielen wollen, ist zu sehen. Wir setzen immer mehr das um, was vom Trainerteam vorgegeben wird. Wir haben mit dem Trainerteam an Details gefeilt, das war die Basis dafür, dass wir in jedem Spiel nahe am Sieg waren. Wir haben teils unnötig Punkte liegen lassen. Dennoch stehen wir ordentlich da, haben aber das Bewusstsein, dass wir zwei, drei Punkte mehr auf dem Konto haben könnten, dass die Qualität dazu da ist, dass wir das nur wegen ein paar individueller Fehler nicht geschafft haben. Obwohl wir uns einige Punkte selbst aus der Tasche gezogen haben, ist mein Zwischenfazit positiv.

Das Team ist weg vom Spiel mit langen Bällen nach vorne, versucht auf dem kompletten Platz, auch unter Druck, mehr Fußball zu spielen. Liegt Ihnen das mehr?

Absolut, natürlich. Im heutigen Fußball reicht es nicht mehr, einfach nur die Bälle nach vorne zu schlagen. Um da Erfolg zu haben, muss man mehr fußballerische Elemente zeigen. Lang schlagen und dann drauf auf den zweiten Ball – das ist vorbei. Es gibt viel mehr Videoanalysen, damit wurde man viel leichter ausrechenbar. Man muss variabel sein. Auf meiner Position kommt es mir natürlich entgegen, wenn von der Abwehr heraus mehr Fußball gespielt wird. Ich habe dann auch mehr Ballaktionen und ganz wichtig: Wenn ich den Ball habe, dann habe ich mehr Optionen, mehr Möglichkeiten abzuspielen.

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Was ist denn beim KSC-Team noch zu verbessern?

In der „Restverteidigung“, sprich der Absicherung bei Ballverlusten gibt es noch einiges zu verbessern. Besseres Positionsspiel, klare Zuordnung und so weiter. Und es gibt im Spiel nach vorne noch immer Situationen, in denen wir Überzahl haben, aber diese nicht perfekt ausspielen. Gegenüber dem Saisonstart haben wir uns da verbessert, aber es geht noch besser. Und: So etwas wie gegen Darmstadt, als wir drei Standardtore kassiert haben, darf uns nicht mehr passieren.

Als Sie zum KSC wechselten, sagten Sie: Ich bin kein Messias…

Das war und ist so.

Fühlen Sie genug Wertschätzung?

Ja, die Wertschätzung, die mir wichtig ist. Von meinen Mitspielern, vom Trainerteam, das ist absolut okay. Die, mit denen ich arbeite, mit denen ich die Schlachten schlage, die wissen, wie wichtig ich für das Team sein kann. Nicht nur auf dem Platz, sondern auch daneben, in der Kabine.

Manche sagen: Jerôme Gondorf ist nicht immer ein angenehmer Mensch, er kann auch richtig unangenehm werden …

Wenn ich immer angenehm gewesen wäre, dann hätte ich es nicht so weit geschafft. Ich bin einer, der sich selbst sehr kritisch sieht, der das Beste aus sich rausholen will und der sich kaum einen Fehler verzeiht. Wenn ich daher sehe, dass wir einfache Fehler machen, dann steche ich natürlich ein Stück weit in diese Wunde rein, äußere das verbal und erwarte von meinen Mitspielern, dass sie das verstehen. Ich bin kein Besserwisser – ich will nur, dass wir es besser machen. Ich will uns als Team besser machen. Die Jungs nehmen das an und das ist auch ein Teil des Erfolges, den wir haben.

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Wenn man das hört, scheint es so, als würde Ihnen der der Job als Kapitän richtig Spaß machen?

Ja, das ist mehr Verantwortung. Als es zu Anfang nicht so lief, musste ich Ruhe und Positivität ausstrahlen, musste den Glauben an uns stärken, daran dass der Weg richtig ist, nur die Ergebnisse noch nicht stimmen. Aber als Typ hat mich der Kapitänsjob nicht verändert, ich war schon immer einer, der den Mund aufgemacht hat.

Sie sagten auch kürzlich: Teamtaktisch haben wir eine gute Basis gelegt, die gilt es jetzt zu verfeinern. Das heißt konkret?

Wir müssen noch variabler werden. Wir haben verschiedene Zonen, in denen wir attackieren. Wir greifen mal früh an, ziehen uns aber auch mal zurück, sind geduldig und pressen dann. Wir haben vom Selbstbewusstsein her einen großen Schritt nach vorne gemacht, jeder will inzwischen den Ball, daran gilt es weiter zu feilen. Jeder zeigt sich inzwischen auch, auch weil er weiß, dass der andere einen möglichen Fehler sofort wieder ausbügelt.

Je nach System übernehmen Sie im Mittelfeld einen anderen Job, mal offensiver, mal defensiver ausgerichtet. Egal?

Absolut egal. Wichtig ist, dass ich der Mannschaft helfen kann. Ich habe das Potenzial der Mannschaft auf verschiedenen Positionen zu helfen, auf allen Positionen im Mittelfeld. Man muss eben flexibel reagieren können, auch während des Spiels.

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