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Fast ausschließlich die blauen Stimmzettel mit „Ja“ wurden in die Höhe gehalten, als die Mitglieder des Karlsruher SC am Samstag über die Ausgliederung der Profiabteilung abgestimmt haben.  Foto: dpa 

KSC geht auf die Überholspur: Mitglieder stimmen Ausgliederung der Fußballabteilung zu

Karlsruhe. Schneller, moderner, finanzstärker: So soll der Karlsruher SC nach der Ausgliederung seiner Fußballabteilung werden. Das ist zumindest die klare Vision der Verantwortlichen des Zweitligisten. Doch bis dahin braucht es Zeit.

Ein alter blau-weißer Bus im Stil der 1950er Jahre bekommt ein modernes Design verpasst und wechselt nach links auf die Überholspur: Mit einer solchen Präsentation hat der Karlsruher SC seinen Mitgliedern die Ausgliederung schmackhaft gemacht – und genau so soll es dem Zweitligisten nach dem mit 88,2 Prozent klar positiv ausgefallenen Votum künftig ergehen. Mit der Ausgliederung der Fußballabteilung in eine Kapitalgesellschaft wird der Traditionsclub nach Vorstellung seiner Verantwortlichen schneller und vor allem finanzstärker.

Zehn Millionen Euro erhofft

„In der heutigen Situation des Profifußballs geht es ohne Kapital einfach nicht mehr. Ich bin stolz auf unsere Mitglieder, dass sie das erkannt haben“, sagte KSC-Präsident Ingo Wellenreuther bei hochsommerlichen Temperaturen vor den fast 900 erschienenen Mitgliedern am Samstag im Wildparkstadion. Rund zehn Millionen Euro frisches Geld erhoffen sich die KSC-Bosse nach dpa-Informationen von dem erfolgten Schritt. Dieser scheint auch aus Sicht der Mitglieder der richtige zu sein. Schon eine Dreiviertelmehrheit hätte für die Ausgliederung genügt.

„Jetzt muss der Beschluss vollzogen, das bedeutet, formal durchgeführt werden“, kündigte Wellenreuther den nächsten Schritt an. Die Ausgliederung in eine GmbH & Co KGaA (Kommanditgesellschaft auf Aktienbasis) möchte der ehemalige Uefa-Cup-Halbfinalist bis Ende August realisieren. „Denn wenn man so etwas innerhalb der ersten acht Monate des Jahres über die Bühne bringt, kann die Ausgliederung bereits zum 1. Januar des laufenden Jahres wirken. Das bedeutet für den KSC noch einmal eine Steuerersparnis von rund 500.000 Euro“, betonte der Jurist. Diese Summe würde ausreichen, um die Kosten der Ausgliederung zu decken.

Streuung der Aktien erwünscht

Nach den Sommerferien soll der Ausgliederungsausschuss des Vereins wieder zusammenkommen, um über konkrete Dinge wie die geplanten Aktienpakete zu diskutieren. „Mit einer Ausgabe von Aktien noch in diesem Jahr ist realistischerweise nicht mehr zu rechnen“, sagte Geschäftsführer Michael Becker. Er betonte noch einmal, dass der KSC eine möglichst breite Streuung der Aktien erreichen will. „Die Mitglieder und Fans werden wir als erstes mit ins Boot nehmen“, versprach der Geschäftsführer.

Darüber hinaus sollen auch Investoren Aktien erwerben können. Laut Gesellschaftsvertrag darf jedoch kein Investor ohne Zustimmung der Mitglieder mehr als 25 Prozent der Gesellschaft des Stammvereins erwerben. Die neuen Aktien werden vermutlich zwischen 50 und 100 Euro kosten.