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Ein Böller fliegt beim Derby zwischen dem Karlsruher SC und dem VfB Stuttgart aufs Spielfeld und gefährdet die Spieler. 

KSC- und VfB-Spieler zum Krawall-Derby: Zwischen "Pyro gehört dazu" und "Schade für den Fußball"

Es war im Spätsommer 2007, als eine Ausgabe des Sportmagazins „kicker“ im Badischen zum Renner, im Schwäbischen aber zum Ladenhüter wurde. „Höhenflug“ war auf der Titelseite neben dem KSC-Logo zu lesen. Direkt darunter prangte das VfB-Wappen – gefolgt von: „Absturz“. Von solchen Machtverhältnissen sind die beiden Fußballzweitligisten knapp zehn Jahre später weiter entfernt denn je: Während der VfB Stuttgart nach dem 2:0 (1:0) bei frühsommerlichen Temperaturen wieder laut ans Tor zur Bundesliga klopft, ist der Karlsruher Abstieg in Liga 3 kaum mehr zu verhindern.

Gefährlich wurden auch die Karlsruher – aber nicht die Spieler, sondern die Fans: Erst explodierte ein Böller im Gästeblock, dann schossen KSC-Chaoten zwei Feuerwerkskörper aufs Spielfeld – einer davon kam in Gimbers Nähe an. Der Verteidiger war nicht das einzige Beinahe-Opfer: Beim Aufwärmen hatte eine Rakete Torwarttrainer Kai Raabe knapp verfehlt, nach Schlusspfiff landete eine solche Zentimeter neben Gentner, Kempe und Gimber. Die zweite Hälfte wurd gar erst zehn Minuten später angepfiffen, weil 25 Bengalos den Gästeblock erleuchteten und zugleich in Rauch tauchten. Die Drohung von Schiri Christian Dingert gab der Stadionsprecher weiter: „Wenn das noch mal vorkommt, wird das Spiel abgebrochen.“

PZ-news fasst die Reaktionen der Spieler und Verantwortlichen zu der Pyrotechnik im Stadion zusammen:

Timo Baumgart (VfB): „Ein bisschen Pyrotechnik gehört im Derby dazu. Wenn alles im Rahmen bleibt, ist das nicht schlimm. Aber es darf nicht wie heute übertrieben und aufs Feld geschossen werden.“

Dirk Orlishausen (KSC): "Ehrlich gesagt ist der Böller in so einem Spiel das kleinste Problem. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass das gerade die jungen Spieler ein bisschen beeinflusst. Die Raketen und die Böller haben schon bei dem ein oder anderen Nervosität hervorgebracht. Gerade in so einem Derby, in dem alles auf Hass gepolt ist. Aber: Die, die heute zum ersten Mal in einem Derby dabei waren, haben das richtig gut gemacht."

Mitch Langerak (VfB): "Angst machen einem als Spieler die Böller keine. Es ist natürlich schade für den Fußball, dass das passiert. Aber als Spieler ist einem das fast egal."

Marc-Patrick Meister (KSC): „Da wurde kein gutes Bild abgegeben. Ich möchte aber trotzdem dazu aufrufen, dass man diese Fankurve, diese 6000 Fans, trotzdem nicht alle über einen Kamm schert. Zumal die uns in den ganzen letzten Monaten sensationell unterstützt haben. Sie reisen mit uns, überlegen sich Aktionen, besuchen uns im Trainingsbetrieb und lassen nicht locker. Da wäre es jetzt falsch, zu pauschalisieren.“

Jan Schindelmeiser (VfB): "Als die Mannschaft noch einmal in die Kabine musste, habe ich schon geschluckt. Der Sicherheitsdienst ist natürlich gebrieft, aber ich weiß nicht, ob so etwas zu verhindern ist, wenn da zum Beispiel kleine Bausätze reingeschmuggelt werden. Es ist komplett bedauerlich. Ich würde mir wünschen, dass die Leute vernünftiger sind. Sie schaden ihrem eigenen Club."