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Nach dem Schlusspfiff sind die KSC-Fans nicht mehr zu halten. Foto: Walter
Nach dem Schlusspfiff sind die KSC-Fans nicht mehr zu halten. Foto: Walter
06.05.2018

KSC-Fans feiern mit friedlichen Platzsturm das Relegations-Ticket

Es war 13.09 Uhr, als am Samstag in der Ostalb-Arena erstmals ein hehrer Wunsch der KSC-Fans zu hören war: „Es geht immer nur bergauf“, sangen etwa 2000 Anhänger da eine Zeile des Liedes „KSC Olé Olé“ mit, das aus den Aalener Stadionboxen drang. Ein guter Brauch der Hausherren sei es, das Lied der Gäste zu spielen, erklärte der Stadionsprecher. Guter Aalener Brauch ist auch, Zuhause wenig zuzulassen. Dennoch gewann der Karlsruher SC am Samstag mit 2:0 (1:0). Und weil Wehen zeitgleich mit 1:3 gegen Paderborn verlor, ist den Badenern die Teilnahme an den Relegationsspielen zur 2. Bundesliga nicht mehr zu nehmen.

Um 13.39 Uhr – 30 Minuten nach jener Hymne – war es Marvin Pourié, der die Hoffnung, es möge künftig bergauf gehen, nährte. Sein Kopfballtor nach Marvin Wanitzeks Freistoß machte vor Ort rund 3500 Karlsruher Fans froh (9. Minute). Denn auf diese Größe waren die Gästeblöcke in den Minuten vor und nach dem Anpfiff nach intensiven Einlasskontrollen angewachsen. „Damit konnte ich ein bisschen den Druck von der Mannschaft nehmen“, freute sich Pourié.

Etwa zehn Minuten später blieb dann zuerst den Karlsruhern der Torschrei im Hals stecken, als Aalens in Karlsruhe geborener Keeper Daniel Bernhardt gegen Jonas Föhrenbach das 2:0 verhinderte. Im Gegenzug konnten es die VfR-Fans kaum glauben, dass Sebastian Vasiliadis eine Hereingabe aus vier Metern nur an den Querbalken nagelte. Kurz vor dem Seitenwechsel verdienten sich die Karlsruher dann ihre Pausenführung durch zwei weitere große Möglichkeiten. Pisot aber traf nach einer Ecke nur das Außennetz (41.). Und Burak Camoglu schloss einen klasse KSC-Angriff mit einer verunglückten Hereingabe ab (42.).

„Unser Ziel war, dass wir am Samstag gegen Jena kein Fernduell mehr mit Wehen um den dritten Platz haben“, fasste Kapitän David Pisot die Marschroute zusammen. Man habe den Gastgebern schon früh „ein bisschen den Stöpsel gezogen“.

Dies galt für beide Hälften. Denn knapp zehn Minuten nach dem Seitenwechsel erzielte Daniel Gordon nach einer Wanitzek-Ecke per Kopf das 2:0 (54. Minute). Da war es 14.42 Uhr. Und fast genauso laut im Stadion wurde es wenige Minuten später – als die KSC-Fans vom Paderborner Führungstreffer erfuhren. Sogleich blickten sie noch ein Stück weiter in die Zukunft: „Eines Tages / da fahren wir / im Bus durch ganz Europa / wir dreh‘n am Rad / und nur für dich“, ertönte da aus 3500 Kehlen.

In der Folgezeit hätten die Blau-Weißen sogar noch erhöhen können. Doch VfR-Torhüter Bernhardt rettete gegen Fabian Schleusener (74.). Als kurz vor Schluss Paderborns 3:1 auf der Anzeigetafel erschien, erinnerte sich Marcel Mehlem wohl daran, dass er bereits neun Gelbe Karten auf dem Konto hatte: Einen Freistoß verzögerte er so lange, bis er für sein Zeitspiel Gelb sah. Damit ist er für das Spiel gegen Jena gesperrt, aber in der Relegation spielberechtigt. Entsprechend gelöst feierte er mit den Fans auf dem Rasen. Denn als einige von ihnen die Gitter überstiegen und weitere dagegen gedrängt hatten, hatten die Sicherheitskräfte die Tore geöffnet. So machte sich die Mehrheit der Karlsruher auf zu einem gemütlichen, friedlichen Platzsturm. Das war um 15.21 Uhr. Zeitgleich war in Paderborn Schluss – und Platz drei gesichert!

„Als ich kam“, blickte Trainer Alois Schwartz zurück, „war das keine Mannschaft. Wir sind eine Mannschaft geworden. Wir haben erst defensive Stabilität reingebracht und anschließend Konstanz. Nach der Winterpause haben wir dann auch besser nach vorne gespielt. Heute hat die Mannschaft ihren verdienten Lohn eingespielt.“

Noch nicht ganz, jedoch. Am Freitag, den 18. Mai in Karlsruhe und am 22. Mai auswärts (siehe Kasten) geht es um die Wurst.