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18.09.2015

KSC-Fans fordern Verzicht auf "Wir helfen"-Aktion – Verein beteiligt sich dennoch

Berlin. Nach dem FC St. Pauli verzichten auch der 1. FC Union Berlin, der SC Freiburg, der VfL Bochum und der 1. FC Nürnberg am Wochenende auf das Trikot-Logo «Wir helfen» für Flüchtlinge. Freiburg, Union und Pauli betonten, dass sie sich lokal und direkt in der Flüchtlingshilfe engagierten. Auch die Fans des Karlsruher SC fordern ihren Verein in einem offenen Brief auf, von der Aktion Abstand zu nehmen. Am Freitagnachmittag gab der KSC bekannt, dass er sich dennoch an der Aktion beteiligen wird.

Die organisierte Fanszene des KSC schreibt auf ihrer Homepage: „Wir lassen uns nicht als Instrument für Marketing-Zwecke missbrauchen und fordern daher das Präsidium unseres Vereins auf, sich nicht an der Aktion zu beteiligen.“ Die Karlsruher Fans betonen in diesem Zusammenhang auch deutlich, dass soziales Engagement kein Hype und keine Marketing-Kampagne sei. „Der KSC und seine Fans setzen sich seit Jahren für Mitmenschen ein – ohne kommerziellen Hintergedanken“, heißt es in dem offenen Brief.

[Zum offenen Brief auf ultra1894.de]

In einer Pressekonferenz hat der KSC nun bekannt gegeben, dass er die BILD-Aktion unterstützen wird. Man respektiere zwar die Haltung der anderen Vereine wie Berlin oder St. Pauli, dennoch möchte sich der KSC beteiligen. "Wir sind der Meinung, dass ein bundesweites Signal einfach das höhere Gut ist", sagte Sportdirektor Jens Todt.

 

#BILDnotwelcome - die Fußballer von St.Pauli wollen nicht bei einer Bildzeitungs-Aktion für Flüchtlinge mitmachen - Bild-Chef Diekman unterstellt daraufhin, St. Pauli habe kein Herz für Flüchtlinge. Aus Protest gegen diese Äußerung verweigern auch andere Zweitligaclubs ihre Teilnahme.Der KSC? Wird am Wochenende den Aufdruck der Bildzeitung auf dem Ärmel haben. Richtige Entscheidung? Jens Todt begründet das so:

Posted by Baden TV GmbH on Freitag, 18. September 2015

Bochum und Nürnberg begründeten den Verzicht am Donnerstag mit der Reaktion von «Bild»-Chef Kai Diekmann auf die erste Absage durch die Kiez-Kicker. «Darüber wird sich die @AfD_Bund freuen: Beim @fcstpauli sind #refugeesnotwelcome», hatte Diekmann am Mittwoch getwittert.

Dazu erklärten die Bochumer Vereinsvorstände: «Der VfL Bochum 1848 begrüßt sämtliche Hilfsmaßnahmen, die in Not geratene Menschen unterstützen. (...) Allerdings hat uns die scharfe Reaktion seitens der BILD-Chefredaktion ob der Absage eines anderen Clubs an die Aktion dazu gebracht, sich mit diesem Verein solidarisch zu zeigen.»

Die «Bild» äußerte sich in einer schriftlichen Stellungnahme enttäuscht über die Absagen: «BILD findet es sehr schade, dass einzelne Vereine die gemeinsame Aktion mit DFL und Hermes nicht unterstützen – hier geht es schließlich um die gute Sache.»

Am kommenden Wochenende sollten alle 36 Mannschaften der 1. und 2. Fußball-Liga auf dem linken Trikotärmel den Aufdruck der «Bild»-Aktion «Wir helfen - #refugeeswelcome» tragen - statt des sonst üblichen großen Sponsorenlogos des Versandunternehmens Hermes. Klein sind dabei auch die Logos der Zeitung und von Hermes abgebildet. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hatte zu dieser freiwilligen Aktion aufgerufen.