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Hier geht's nicht weiter! Dortmunder Polizisten haben gewaltbereite KSC-Fans vor dem Stadion "Rote Erde" eingekesselt. Es wurden Schlagstöcke und Pfefferspray eingesetzt.
Hier geht's nicht weiter! Dortmunder Polizisten haben gewaltbereite KSC-Fans vor dem Stadion "Rote Erde" eingekesselt. Es wurden Schlagstöcke und Pfefferspray eingesetzt. © dot
29.08.2012

KSC-Fans randalieren in Dortmund: Sieben Verletzte

Nach neuerlichen Ausschreitungen seiner Fans im Spiel bei Borussia Dortmund II hat der Karlsruher SC Vertreter von Fans und Fanarbeit umgehend zum Rapport einbestellt. «Wir werden uns schnellstmöglich Übersicht über die Sachlage verschaffen. Wir haben den Polizeibericht angefordert und werden sie mit den darin erhobenen Vorwürfen konfrontieren», sagte KSC-Präsident Ingo Wellenreuther. Er war am Dienstagabend selbst im Stadion in Dortmund und teilweise Augenzeuge der Vorfälle.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat indes das in solchen Fällen übliche Standardverfahren initiiert. «Der Deutsche Fußball-Bund hat bereits ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und beide Vereine zu einer Stellungnahme aufgefordert», teilte ein Sprecher der Nachrichtenagentur dpa mit. Zur Frage, ob dem KSC ein weiteres Geisterspiel drohen könnte, wollte er sich nicht äußern.

Beim Kellerkinder-Duell in der 3. Fußball-Liga zwischen Borussia Dortmund II und dem Karlsruher SC haben am Dienstagabend in Dortmund Fans randaliert. Etwa 150 gewaltbereite KSC-Anhänger hätten kurz vor dem Spiel versucht, das Stadion "Rote Erde" zu stürmen, sagte ein Polizeisprecher. In Online-Foren wird jedoch berichtet, dass Aggressionen auch von BVB-Fans ausgegangen seien. Ein Zaun zwischen Dortmunder und Karlsruher Fans hätte jedoch Schlimmeres verhindert. Eine Polizeibeamtin wurde durch einen Faustschlag leicht verletzt.

"Etwa 150 Gewalttäter aus den Reihen der Karlsruher Fans stiegen im Bereich auf der B54 aus ihren Bussen und versuchten den Eingang des Stadions Rote Erde zu stürmen. Sämtliche Versuche der Polizei im Vorfeld, kommunikativ auf diese Chaoten einzuwirken scheiterten. Nur unter dem Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken konnte ein Aufeinandertreffen der Randalierer mit gegnerischen Fans verhindert werden", heißt es in der Pressemeldung der Dortmunder Polizei.

Auf Anfrage von PZ-news äußert ein Polizeisprecher die Vermutung, dass dieser vorzeitige Bushalt und der Fußmarsch der KSC-Fans unter gewaltbereiten Fans abgesprochen worden sein könnte. Eigentlich hätte den Busfahrern klar sein müssen, wo sie den Fanbus zu parken haben - nämlich in einem bereits von der Polizei kontrollierten Bereich. So aber gab es einen Fußmarsch, der nach Auskunft eines Augenzeugen gegenüber von PZ-news, auch den Weg von Dortmunder Fans gekreuzt hat.

Dann habe die Polizei die KSC-Fans vor dem Stadion eingekesselt. Einigen sei es gelungen, so der Augenzeuge, auf rabiate Art den Weg ins Stadion zu finden, andere durften anscheinend von der Polizei aus gehen. Aber rund 80 Randalierer wurden durch Bereitschaftspolizisten bis zum Spielende außerhalb des Stadions festgehalten - auch mit Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken.

Ein Mann wurde wegen des Verdachts auf Landfriedensbruchs vorübergehend festgenommen. Insgesamt wurden sieben Personen verletzt. Eine Polizeibeamtin erhielt durch eine Faustschlag eine leichte Verletzung.

KSC-Fans aus dem Stadionbereich, so ein Augenzeuge, hätten den Eingekesselten Wasser gereicht, um deren Pfefferspray-Wirkungen zu lindern. Als dann auch ein Becher Bier den Besitzer gewechselt habe, hätte es gleich wieder neue Pfefferspray-Attacken der Polizei gegeben. Die Beamten habe dann "die Störer", so die Dortmunder Polizei, nach Spielende zu den Karlsruher Fan-Bussen zurückbegleitet.

In Online-Foren ist aber immer auch von Provokationen gewaltbereiter Dortmund-Fans die Rede. "Kurze Zeit später ging es dann weiter Richtung Block. Dort haben dann Dortmunder Fans hinter dem Zaun provoziert. Darauf hin hat die Polizei in den Dortmunder Block Pfefferspray gesprüht um die Blocktrennung zu gewährleisten. Anschließend wurden wir mit Polizeipferden zum Gästeeingang begleitet, durften aber nicht rein. Dort passierte dann nichts mehr. Niemand hat je versucht das Stadion zu stürmen", schreibt ein "Peter" im Forum von Liga3-online. Auch auf dem Onlineportal Transfermarkt beschreibt ein KSC-Fan, der im Gästeblock saß, wie Dortmunder Fans in Richtung KSC-Fans gerannt wären, um dann letztlich vor einem Zaun anzuhalten und zu provozieren.

Letztlich wird nun wohl geklärt werden müssen, warum die Fan-Busse aus Karlsruhe auf der Bundesstraße und nicht auf dem vorgesehenen Parkgelände angehalten haben. Der ungeplante Fußmarsch der KSC-Fans scheint zumindest aus Sicht der Dortmunder Polizei möglicherweise eine geplante Provokation gewesen zu sein. Immerhin hätte es dabei zu handgreiflichen Ausschreitungen zwischen den Badenern und Dortmundern kommen können. 

Angesichts eines erneut drohenden Geisterspiels kündigte Wellenreuther an, auch die Vorgänge vom Dienstag rigoros aufklären zu wollen. «Wir haben ein Interesse daran, dass unsere Fans sich auch auswärts korrekt verhalten. Wir sind auch dort nicht bereit, jegliche Art der Anwendung von Gewalt zu tolerieren. Fans, die so auftreten, nützen dem Verein nicht, sie schaden ihm nur», sagte der KSC-Präsident.

Der Verein musste bereits am 8. August wegen Ausschreitungen seiner Fans ein Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen. Nach dem Zweitliga-Abstieg im Mai hatten Anhänger der Badener das Spielfeld gestürmt, Pyrotechnik abgebrannt, Ordner angegriffen und später versucht, die Geschäftsstelle zu stürmen.

Insgesamt waren damals mehr als 70 Personen verletzt worden, darunter 18 Polizeibeamte. Der KSC war daraufhin zu einem Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit und einer Geldstrafe verurteilt worden. Den finanziellen Gesamtschaden für den Verein hatten die Verantwortlichen auf etwa 300.000 Euro beziffert.

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