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Betrübter Kapitän: Nach Jahren als Nummer eins im Karlsruher Tor musste Dirk Orlishausen zuletzt auf der Bank Platz nehmen. Foto: dpa
Betrübter Kapitän: Nach Jahren als Nummer eins im Karlsruher Tor musste Dirk Orlishausen zuletzt auf der Bank Platz nehmen. Foto: dpa
27.12.2015

KSC-Keeper Dirk Orlishausen: „Es gibt keinen Grund, Groll zu haben“

Nach mehr als vier Jahren als die absolute Nummer eins im KSC-Tor musste Dirk „Orle“ Orlishausen gegen Greuther Fürth auf der Ersatzbank Platz nehmen. Da Vertreter René Vollath gut spielte, durfte er auch im letzten Zweitligaspiel des Jahres für den Karlsruher beim FC St. Pauli ran. Im PZ-Interview erklärt Dirk Orlishausen, warum er dennoch gerne beim KSC bleiben würde.

PZ: Herr Orlishausen, seit zwei Spielen sitzen Sie auf der Bank. Ihr Vertreter Vollath trägt zudem die Kapitänsbinde. Fühlen Sie sich noch als KSC-Kapitän?

Dirk Orlishausen: Dass René die Binde hat, ist eine ganz logische Sache bei uns – das ist die Reihenfolge, die zu Beginn der Saison bei der Wahl zum Mannschaftsrat heraus kam. Ich hatte die meisten Stimmen, sitze aber im Moment auf der Bank. Dann kam Daniel Gordon, der ist aber leider verletzt – und dann René.

PZ: Was sagen Sie zu Ihrer Degradierung?

Dirk Orlishausen: Die Situation ist, wie sie ist. Viel mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

PZ: Sagen Sie etwas zum Stand bei den Vertragsverhandlungen? Ihr Kontrakt im Wildpark endet Mitte 2016.

Dirk Orlishausen: Wir stehen in Verhandlungen, hatten gute Gespräche. Es gibt keine großen Dinge zu klären. Noch ein, zwei Kleinigkeiten …

PZ: Wollen Sie monatlich ein paar tausend Euro mehr?

Dirk Orlishausen: Nein, nein. Es geht nicht um das Geld. Ich bin auch keiner, der pokert. Mir geht es um eine gewisse Sicherheit, und das Gesamtpaket sollte stimmen.

PZ: Was umfasst denn das Gesamtpaket?

Dirk Orlishausen: Dazu kann man vielleicht mehr nach Ende der Verhandlungen sagen. Aber man muss sehen: Die Gespräche sind gut verlaufen, wir sind sehr früh dran. Ich erwarte keine großen Probleme. Es könnte in den nächsten Tagen zur Einigung kommen. Aber ich will auf keinen Fall Druck machen. Nochmals: Wir sind auf einem guten Weg, sind zeitlich früh dran und müssen keinen Schnellschuss machen.

PZ: Hat Ihre momentane Verbannung auf die Bank Einfluss auf diese Verhandlungen?

Dirk Orlishausen: Nein, die Gespräche begannen ja, bevor ich auf die Bank musste. Diese Situation beeinflusst das Thema nicht.

PZ: Wie gehen Sie damit um, auf die Bank verbannt worden zu sein?

Dirk Orlishausen: Ich kann auf einiges an Erfahrung zurückgreifen, das ist gut in dieser Situation. Jetzt sage ich mit Blick nach vorne: Die Situation ist, wie sie ist – und René macht seinen Job. Es gibt keinen Grund, Groll auf ihn zu haben, das wäre fehl am Platz, wäre für das Klima in der Mannschaft nicht gut. Ich bin Teamplayer. Natürlich will ich spielen, aber ich bin seit über zehn Jahren Profi, da lernt man, Dinge einzuordnen und damit umzugehen.

PZ: Dennoch, für Sie heißt es in der Vorbereitungszeit für die Restsaison: Mit Volldampf arbeiten, um ins Team zurückzukehren.

Dirk Orlishausen: Natürlich. Das sage ich auch immer den Jungs, die nicht mit in der ersten Elf auflaufen. Denen erkläre ich: Wenn du hinten dran stehst und wenn du spielen willst, musst du mehr machen als der, der spielt. Das muss und werde ich jetzt auch so machen. Ich muss die Trainer überzeugen, muss durch gute Leistungen auffallen. Ich werde alles geben, um am ersten Februarwochenende im Tor zu stehen.

PZ: Coach Kauczinski hält es durchaus noch für möglich, ganz oben in der Tabelle anzugreifen. Sie auch?

Dirk Orlishausen: Das traue ich uns zu. Wir haben gezeigt, was machbar ist. Wir haben gezeigt, was wir drauf haben. Aber wir haben leider gegen Leipzig und in Bielefeld Spiele verloren, die wir eigentlich nie hätten verlieren dürfen. Wir können noch vorne ran kommen. Aber: Ich bin keiner, der alles euphorisch redet. Der erste Gedanke muss sein, dass wir weiter konzentriert Spiel für Spiel angehen – wir sollten uns keinen Druck in Form von Platzierungsdenken machen, das könnte negative Auswirkungen haben.

PZ: Ihr Konkurrent René Vollath spricht von einem guten Verhältnis zu Ihnen, das von absolutem Respekt geprägt ist. Sehen Sie das ähnlich?

Dirk Orlishausen: René hat absolut Recht. Wir sind zwei richtig gute Keeper. René ist noch jung, hat aber schon die Erfahrung von über hundert Drittligaspielen. Das hat er nicht geschenkt bekommen. Er hat eine gute Ausbildung in Hoffenheim und Nürnberg bekommen. Wir, also René, der momentan verletzte Florian Stritzel und ich, müssen und werden uns pushen. Bei aller Konkurrenz: Wir können uns in die Augen schauen, wir gehen fair und respektvoll miteinander um.