nach oben
2020 soll der alte Wildpark Geschichte sein. Foto: dpa
2020 soll der alte Wildpark Geschichte sein. Foto: dpa
22.09.2016

KSC-Mitglieder können am Sonntag dem neuen Stadion den Weg ebnen

Eine Trainerdiskussion sieht die Tagesordnung der Jahreshauptversammlung des Karlsruher SC nicht vor. Trotzdem werden die Mitglieder des Fußball-Zweitligisten am Sonntagnachmittag womöglich mit dem Thema „Tomas Oral“ befassen. Denn die Mannschaft des Kauczinski-Nachfolgers hat noch kein Pflichtspiel gewonnen. Und nach dem am Mittwoch 0:1 verlorenen Spiel in Hannover rutschten die Wildparkprofis auf den vorletzten Tabellenplatz ab.

Clubchef Ingo Wellenreuther konnte sich vor Ort einen Eindruck vom aktuellen Leistungsvermögen der Blau-Weißen machen und fasste seine Erkenntnisse folgendermaßen zusammen: „Die Mannschaft hat sich nicht aufgegeben und in der zweiten Halbzeit alles versucht, den Ausgleich herzustellen, aber die Mittel dafür nicht gefunden.“ Jetzt seien der Cheftrainer und sein Team sowie der Sportdirektor „gefordert“. Das Präsidium habe das Vertrauen und die Hoffnung, dass die Wildparkprofis am Samstag (13 Uhr/Sky), im Heimspiel gegen Aue, „den berühmten Bock“, so Wellenreuther weiter, umstoßen. Aue wird dabei auf Torwart und Kapitän Martin Männel verzichten müssen, der sich am Mittwoch gegen Bielefeld (1:1) das Ellenbogengelenk ausrenkte.

Wellenreuther vor Wiederwahl

Als sicher gilt, dass die sportliche Krise Wellenreuthers Wiederwahl als Präsident nicht im Weg stehen wird. Denn angesichts der sich abzeichnenden Lösung in der Stadionfrage tritt der aktuelle Negativlauf in den Hintergrund. Am Sonntag hofft das Präsidium auf die Zustimmung der KSC-Mitglieder für das 113,7 Millionen Euro teure neue Wildparkstadion. Angesichts der millionenschweren Pläne scheinen die Wahlen zum Randthema zu werden.

Der Neubau ist nach Ansicht von Wellenreuther allein schon aus finanziellen Gründen dringend notwendig. Denn der an vielen Stellen marode Wildpark bürde dem Club einen riesigen Nachtteil im Vergleich zu den Konkurrenten um Zuschauergunst und Sponsorentöpfe auf. „Wir haben nun einmal bescheidene Business-Räume und die Hälfte unserer Zuschauer sitzt oder steht im Regen“, sieht Wellenreuther den KSC deutlich hinter benachbarten Clubs wie Hoffenheim, Freiburg, Mainz, Stuttgart oder Frankfurt. „Wenn wir da, was das Stadion anbelangt, nicht auf Augenhöhe kommen, sind wir soweit im Hintertreffen, dass wir auf Dauer nicht überleben können“, sagt er.

Unterstützung für die Stadionpläne fand der CDU-Politiker Wellenreuther bei einem alten Konkurrenten: dem SPD-Politiker Frank Mentrup, Oberbürgermeister von Karlsruhe, gegen den Wellenreuther bei der Wahl 2012 verloren hatte. Den letzten Durchbruch brachte allerdings die Vermittlung durch Wolfgang Grenke. Dem Präsidenten der IHK-Karlsruhe gelang es, die verhärteten Fronten auch auf den Arbeitsebenen wieder zu öffnen. „Vor fünf Wochen gab es noch viel mehr Baustellen, die zum Teil auch gravierend waren“, räumt Wellenreuther ein. Doch auch die Stadt wolle nun keinen Verein, der die Pachtzahlungen nicht leisten könne. „Alles andere wäre ja ein Eigentor. Wenn der KSC mit einem Stadion, das passt, Geld verdienen kann, dann ist allen geholfen“, sagte er. Denn der Verein soll die reinen Baukosten des Stadions von 74,5 Millionen Euro per Pachtzahlung über 33 Jahre an die Stadt nahezu komplett zurückzahlen. Beginnen sollen die Bauarbeiten für die 35.000 Zuschauer fassende Arena im Winter 2017/18. Sie sollen 24 bis 30 Monate dauern. Das Land Baden-Württemberg wird sich mit einem Zuschuss von elf Millionen Euro beteiligen.

Köpke erfolgreicher als der KSC

Ob unter den Mitgliedern am Sonntag neben dem Stadion auch intensiv über den Trainer diskutiert wird, entscheidet sich am Tag zuvor. „Die Qualität der Mannschaft stimmt, die Mentalität der Mannschaft stimmt, die Trainingsarbeit ist sehr gut“, sagt Jens Todt. Aber auch dem Sportdirektor dürfte klar sein: Jedes andere Ergebnis als ein Sieg gegen den Aufsteiger, mit dem Pascal Köpke und Dimitrij Nazarov an ihre vorherige Wirkungsstätte zurückkehren, würde eine Trainerdiskussion auslösen. Und vielleicht auch eine Diskussion über den Sportdirektor: Schließlich hatte auch er Köpke ziehen lassen, der mit drei Toren bereits mehr Treffer auf dem Konto hat als der gesamte KSC.