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Hatten in Magdeburg keinen Grund zum Jubeln: die Anhänger des Karlsruher SC.
Hatten in Magdeburg keinen Grund zum Jubeln: die Anhänger des Karlsruher SC. © Ripberger
12.03.2018

KSC-Serie hält in Erfurt nur aufgrund der starken ersten Hälfte

In Erfurt müssen sich Journalisten beim Betreten des Presseraumes in ein Buch eintragen und den Namen ihres Mediums hinterlegen. Von einem „Kondolenzbuch“, sprach ein Erfurter Journalist mit Augenzwinkern. In Thüringens Hauptstadt, glauben selbst größte Optimisten nicht mehr an den Drittliga-Verbleib von Rot-Weiß – elf Punkte beträgt der Abstand zum rettenden Ufer. Außerdem ächzt der Verein unter rund acht Millionen Euro Verbindlichkeiten.

Für einen schönen Blumenstrauß war am Sonntag dennoch Geld da. Den bekam in der Pause Karlsruhes Ersatztorhüter Dirk Orlishausen als Dank dafür überreicht, dass er vor seinem Wechsel ins Badische sechs Jahre lang im Tor der Rot-Weißen gestanden hatte – und zuvor viele Jahre in deren Fankurve.

„Orle“, der den Strauß an seine Eltern auf der Tribüne weitergab, strahlte nach dem 3:1-Sieg der KSC-Kicker: Dem großen Ziel“ sofortiger Wiederaufstieg, von dem er in den Tagen vor dem Spiel so oft gesprochen hatte, war Karlsruhe durch den 13. Sieg im 18. ungeschlagenen Spiel in Folge, wieder einen Schritt nähergekommen. Und das mit einer Leistung, mit der Trainer Alois Schwartz trotz des Niveauabfalls im zweiten Durchgang zufrieden war.

Überragende erste Hälfte

Fabian Schleusener (13. Minute) und Daniel Gordon (19.) hatten die KSC-Tore erzielt, ehe Elias Huth auf 1:2 verkürzte (34.). „Wir haben eine überragende erste Halbzeit gespielt“, sagte Schwartz. „Da haben wir immer wieder schnell in die Spitze gespielt und hatten viele Chancen.“ Überhaupt sei es „enorm, was diese Mannschaft in den letzten Wochen geleistet hat.“ Tatsächlich wäre der KSC mit den 54 Zählern, die er heute nach 29 Spielen auf dem Konto hat, in der vergangenen Saison Erster gewesen – der MSV Duisburg hatte damals als Primus nur 53. Schwartz freut sich dennoch über Tabellenstand und Punktausbeute, zumal der KSC auch punktet, wenn er – wie kürzlich bei den Sportfreunde Lotte (1:1) – einen eher schwachen Tag erwischt. „Wenn man einen Lauf hat, geht der Ball eher mal rein“, weiß Schwartz: „Bei Erfurt knallt er halt an die Latte.“

Englische Woche wirkt sich aus

Natürlich sah auch der KSC-Trainer, dass sein Team im zweiten Durchgang stark nachließ. „Toni Fink kam nicht mehr so klar, Muslija war nicht mehr so frisch, viele junge Spieler mussten kräftemäßig der Englischen Woche Tribut zollen.“ Das taten sie allerdings so ausgiebig, dass Abwehrchef Daniel Gordon erst mal darum bat, man möge ihm ein wenig Zeit geben, „die Emotionen in den Griff zu kriegen“. Dann sagte er, dass es „wirklich kein gutes Zeichen ist, wenn man als Innenverteidiger so viel zu tun bekommt wie wir im zweiten Durchgang“. Woran das lag, hatte Gordon erkannt: „Vorne wurde nicht mehr so gelaufen, und wir hinten haben vielleicht auch nicht mehr so konsequent nach vorne geschoben wie im ersten Durchgang.“ Das Resultat: Erfurt hätte mit mehr Abschlussglück durch Elias Huth (61./64.) und Luka Odak (72.) das Spiel drehen können. Da der KSC manchen Konter fahrig zu Ende spielte, blieb es unnötig eng, ehe Schleusener mit seinem 15. Saisontreffer den 3:1-Endstand erzielte (90.).