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29.01.2010

KSC-Trainer Markus Schupp: „Wir waren zu brav“

Trainer Markus Schupp schien mit dem Karlsruher SC in der 2. Fußball-Bundesliga auf einem viel versprechenden Weg zu sein. Doch in der Rückrunde haben die Badener ihre ersten zwei Spiele und den Anschluss an die Spitze verloren. Über die Perspektiven des KSC, Neuzugänge und seine anfänglichen Probleme mit dem neuen Präsidium sprach Schupp mit PZ-Mitarbeiter Peter Putzing.

PZ: Herr Schupp, der KSC startete mit Null Punkten und fünf Gegentoren in die Rückrunde. Ein Fehlstart, oder?
Markus Schupp: Ein guter Start sieht anders aus, ganz klar.

PZ: Trotz des schlechten Auftakts glaubt der neue Manager Arnold Trentl, dass der dritte Platz noch möglich ist.
Schupp: Okay. Ich hätte nichts dagegen, wenn er Recht behält.

PZ: Das Präsidium spricht von einem "Zwischenjahr". Das bedeutet: Es geht um nichts mehr. Damit hat es ein Trainer doch schwer, die Elf zu motivieren.
Schupp: Es ist eine Übergangszeit. Es sehen doch alle, dass wir eine neue Elf haben. Trotzdem wollen wir jedes Spiel so erfolgreich wie möglich spielen.

PZ: Der Kader ist schlecht zusammengestellt. Da stehen ein Dutzend Mittelfeldspieler unter Vertrag, aber nur zwei Außen- und drei Innenverteidiger.
Schupp: Dass die Balance im Kader nicht stimmt, steht außer Frage. Aber wir können nichts ändern, müssen versuchen, das Beste daraus zu machen.

PZ: Sie sagen, Sie können nichts ändern: Aber die Wechselfrist läuft noch. Der KSC hat Interesse an den Abwehrspielern Thomas Kleine oder Dominic Maroh. Geht da noch was?
Schupp: Zu Namen sage ich nichts. Wir bemühen uns, verfallen aber nicht in Aktionismus. Wenn wir etwas machen, wollen wir ganz, ganz sicher sein. Junge Spieler haben wir selbst. Wir bräuchten einen, der uns sofort helfen würde.

PZ: Dass der KSC Abwehrprobleme hat, beweist die Statistik: Nur ein Spiel endete zu Null.
Schupp: Wir hatten zuletzt wieder Probleme mit der Kompaktheit und dem Umschalten. Zuvor, in den letzten Spielen der Vorrunde, wurde das immer besser. Im Moment ist es weniger gut, weil gegen Paderborn neun Spieler aus dem engeren Kader fehlten. Gegen 1860 kehren einige zurück, daher bin ich positiv gestimmt.

PZ: Das Ziel gegen die Sechziger kann nur lauten: Drei Punkte.
Schupp: Absolut. Da stehen wir in der Pflicht, zu gewinnen. Es muss kein schönes Spiel sein, aber wir müssen unsere Fans überzeugen. Wir haben das Format, um jeden in dieser Liga zu schlagen.

PZ: Gegen Paderborn fehlte es an Grundvoraussetzungen wie Laufbereitschaft, Willen und Kampfkraft.
Schupp: Wir haben gesehen, dass wir zu brav waren. Man soll niemand verletzen, aber man muss eine gesunde Härte zeigen.

PZ: Ex-Präsident Hubert H. Raase und der ehemalige Manager Rolf Dohmen, die sie verpflichteten, sind weg. Es gab Probleme mit den neuen Chefs und sie sollen sich sogar eine Abmahnung eingehandelt haben. Denkt man da, wenn man im stillen Kämmerlein sitzt: Mein Gott, wo bin ich da gelandet?
Schupp: Es gab keine Abmahnung. Anfängliche Probleme sind ausgeräumt. Mit Manager Trentl und Vizepräsident Glesius gab es viele gute Gespräche. Jetzt passt es gut, es hat sich alles normalisiert.

PZ: Aufgrund des Potenzials im Kader wird der KSC wohl nichts mit dem Abstieg zu tun bekommen. Es könnte aber eine langweilige Rückrunde drohen.
Schupp: Das wollen wir vermeiden. Mit Mittelmaß wollen wir uns nicht zufrieden geben. Wir wollen natürlich jedes Spiel gewinnen und das können wir auch.

PZ: Schauen wir nach vorne. Für die kommende Saison sind Ihnen die Hände gebunden. 17 Verträge sind noch gültig – und „Enfant terrible“ Antonio da Silva, der fast eine Million Euro jährlich kassieren soll, kehrt vermutlich aus Basel zurück.
Schupp: Das ist eine Herausforderung, und ich liebe so etwas. Jeder Spieler muss wissen: Das Team steht im Vordergrund und es geht nur über die totale Leistungsbereitschaft.