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Mirko Slomka, neuer Trainer des Fußball-Zweitligisten Karlsruher SC. Foto: dpa
Mirko Slomka, neuer Trainer des Fußball-Zweitligisten Karlsruher SC. Foto: dpa
09.01.2017

KSC-Trainer Slomka: „Ich mag es, unter Druck gesetzt zu werden“

Mirko Slomka ist im Moment der einzige Trainer in der 2. Fußball-Bundesliga, der schon deutsche Clubs trainierte, die an internationalen Wettbewerben teilnahmen. Mit dem FC Schalke 04 war er in der Champions League erfolgreich. Hannover 96 führte der 49-Jährige aus der Abstiegsregion der Bundesliga in die Euro-League. Doch ehe er jetzt beim Karlsruher SC anheuerte, hatte Slomka zwei Jahre keinen Job.

PZ: Herr Slomka, im Moment prasselt enorm viel auf Sie ein, Termin auf Termin. Der Grund: Sie sind der Star unter den Zweitligatrainern.

Mirko Slomka: Das sehe ich überhaupt nicht so. Es gibt in dieser Liga ganz viele Trainer, die in der ersten Liga gearbeitet haben, dort einen guten Job abgeliefert haben und jetzt in Liga zwei tätig sind. Man denke an St. Pauli, Union Berlin oder auch an den 1. FC Kaiserslautern. Ich freue mich, dass die Euphorie über meine Verpflichtung bei den Fans so groß war. Das konnte man beim ersten Training sehen. Rund 600 begeisterte Fans, die uns mit viel Vorfreude, aber auch viel Gelassenheit zugeschaut haben.

PZ: Sie haben bisher Clubs trainiert, die international für Furore sorgten. Jetzt der Wechsel zum 15. der 2. Liga. Ist das ein Karriererückschritt?

Es ist ein Neuanfang. Es ist sehr spannend, beim KSC zu arbeiten. Und: Ich will beweisen, dass ich auch 2. Liga kann. Ich habe bewiesen, dass ich Mannschaften vor der 2. Liga retten kann. Es war schwierig und eng. Ich habe Erfahrung im Abstiegskampf und die ist jetzt gefragt…

PZ: Vielleicht ist aber auch gefragt, dass Sie den Karlsruher SC vor der 2. Liga retten – und in die erste Bundesliga führen?

Das wäre schön, kann man aber so schnell nicht erwarten. Doch wenn wir alle ein Team bilden – dann ist einiges möglich.

PZ: Sie sprachen die Rieseneuphorie, die Sie erzeugt haben, an. Haben Sie so etwas erwartet?

Ich hatte keine Erwartungen. Ich wusste nicht, wie die Fans darauf reagieren. Natürlich habe ich schon ähnliches in anderen Clubs erlebt, und ich freue mich, dass es Aufbruchstimmung gibt. Es ist toll, dass uns die Fans unterstützen wollen. Die Mannschaft hat das sehr wohlwollend aufgenommen. In der Kabine wurde gesagt: ‚Toll, so etwas haben wir noch nicht erlebt.‘ Ich meine: Das kann ruhig öfters vorkommen. Und dazu brauchen wir Punkte.

PZ: Sportdirektor Oliver Kreuzer wäre zufrieden, wenn der KSC am Ende der Saison Rang 15 belegen würde. Sie auch?

Das ist unser Ziel: Klassenhalt. Es wird sicher nicht sehr schnuckelig, sich die ganze Zeit in dieser Region zu bewegen, aber es ist und bleibt unser Ziel, die Liga zu halten.

PZ: Es scheint so, dass alle Fans sicher sind: Mit Slomka wird der Klassenerhalt kein Problem. Ist das gefährlich?

(lacht) Ich mag es, unter Druck gesetzt zu werden. Zum Klassenerhalt: Die Mannschaft ist in einer guten Verfassung. Wir arbeiten daran, dass es noch besser wird. Was wir ganz deutlich machen müssen: Die 2. Liga ist in allen Teilen der Tabelle richtig eng. Nach oben, nach unten und in der Mitte. Wir wollen hinten raus. Und dazu brauchen wir einen sehr langen Atem. In den Spielen müssen wir in den entscheidenden Minuten besser sein. Dafür arbeiten wir – auch im Trainingslager – akribisch.

PZ: Auch Sie verbreiten Zuversicht, schon in Ihrer ersten Pressekonferenz. Worauf basiert die?

Ich habe in der Pressekonferenz auch gesagt, dass ich in den Gesprächen einen sehr guten Eindruck vermittelt bekam. Von Oliver Kreuzer, den ich sehr schätze und gut kenne, aber auch von Präsident Ingo Wellenreuther und den Vizepräsident Günther Pilarsky. Zudem waren die Gespräche mit Kandidaten für den Trainerstab, zum Beispiel mit Marc Meister, der von der U17 nach oben kommt, sehr interessant. Daher bin auch ich etwas euphorisch. Es macht hier großen Spaß, Wir werden jetzt Schärfe ins Training bringen, um konstant gute Leistungen zu erarbeiten.

PZ: Sie haben sich vor Ihrer Zusage ganz sicher über den KSC informiert. Ist Ihnen aufgefallen, dass die Halbwertzeit der vier von diesem Präsidium extern verpflichteten Trainer im Durchschnitt weniger als ein halbes Jahr beträgt?

Das will ich aber unbedingt nach oben schieben.

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