nach oben
Auch KSC-Maskottchen Willi Wildpark weiß nicht, wohin die Reise beim Karlsruher SC geht. Der 16. Tabellenplatz ist nicht das, was man sich beim KSC vor der Saison vorgestellt hatte. Foto: dpa
Auch KSC-Maskottchen Willi Wildpark weiß nicht, wohin die Reise beim Karlsruher SC geht. Der 16. Tabellenplatz ist nicht das, was man sich beim KSC vor der Saison vorgestellt hatte. Foto: dpa
05.12.2016

KSC-Übergangstrainer Lukas Kwasniok: Auf Umwegen ins Profigeschäft

Beim Karlsruher SC, dem Drittletzten der 2. Fußball- Bundesliga trägt nun für zwei Spiele Lukas Kwasniok als Trainer die Verantwortung. Im Profifußball ist der 35-jährige U-19-Coach ein unbeschriebenes Blatt. Doch mit etwas Glück hätte alles völlig anders laufen können: Kwasniok galt als großes Talent, doch schon mit 19 Jahren hatte er seine fußballerische Zukunft hinter sich. Ausgebildet wurde Kwasniok im Karlsruher Wildpark.

Er spielte so gut, dass er den Sprung in DFB-Auswahlen schaffte. Kwasniok war sogar Kapitän der U16-Nationalmannschaft und bestritt 18 Spiele für Deutschland. „Mein erstes in Frankreich werde ich nie vergessen!“ Doch dann wurde sein Karriereverlauf dramatisch – dramatisch negativ.

Immer steil bergauf

1988 war Kwasniok mit seiner Familie aus Polen nach Karlsruhe gekommen, dort schloss er sich dem KSC an und schaffte sofort den Sprung in die nordbadische Auswahl. „So 60, 70 Spiele waren es dort bestimmt“, sagt Kwasniok. Bis 1997 ging es steil bergauf. Als er in die Nationalelf berufen wurde, lockten ihn der Hamburger SV, Werder Bremen und Arminia Bielefeld. „Ich wollte damals nur mit meinem Bruder Vojtek wechseln und daher ging’s nach Bielefeld.“ Das erste halbe Jahr dort in der Jugend verlief gut. „Richtig gut“, erklärt Kwasniok, der im Nachhinein aber zugibt, „dass der Weggang vom KSC ein Fehler war.“

In Bielefeld begann die Leidenszeit des hochtalentierten Akteurs, der im Mittelfeld wie auch in der Abwehr Topleistungen bot. Bänderrisse an beiden Sprunggelenken und eine Leistenruptur setzten ihn fast ein Jahr außer Gefecht. „Am rechten Knöchel zog ich mir nach der Operation eine Entzündung zu. Danach reiste ich durch ganz Deutschland. Viele verschiedene Ärzte jagten mir Spritzen rein, aber es dauerte acht Monate, ehe es etwas besser wurde.“ Die Bänderoperation am anderen Bein verlief ohne Komplikationen. „Damals gab mir Stefan Kuntz, der bei der Arminia spielte, den Tipp, seinen Arzt in Rodalben zu konsultieren. Der operierte und nach sechs Wochen war ich fit. Stefan kam übrigens zum Krankenbesuch vorbei und schenkte mir ein Trikot“, erinnert sich Kwasniok an Kuntz, der inzwischen die deutsche U 21 trainiert.

Als in Bielefeld nichts mehr ging, wechselte Kwasniok zum SV Sandhausen. „Das war eine Flucht, eine unüberlegte Handlung, aber ich wollte mich langsam wieder aufbauen. Ich habe dort von Januar bis Juli 2000 in der A-Jugend gespielt und bei den Senioren mittrainiert. Aber ich war nie richtig fit und so setzte mich Trainer Entenmann nicht ein.“

Dann kam der absolute Tiefpunkt. Bielefeld löste den Vertrag, der bis 2002 lief, auf. So stand Kwasniok, der das Gymnasium in der 12. Klasse abgebrochen hatte, im Regen – und mit 19 Jahren vor dem Nichts. „Das war furchtbar. Ich hatte mit dem Fußball abgeschlossen. Mir war wichtiger eine Ausbildung zu beginnen.“ Das schaffte er, als Beamter im mittleren Dienst. 2007, mit gerade mal 26 Jahren, wurde Kwasniok Trainer – zunächst beim OSV Rastatt in der Landesliga. Vor zwei Jahren holte ihn dann Jugendchef Edmund „Ede“ Becker zum KSC. „Ich habe ihn bei der A-Jugend mal erlebt. Er ist ein kerniger Typ, der eine sehr klare Ansprache hat“, sagt KSC-Kapitän Dirk Orlishausen über Kwasniok.