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Jörg Gänger, Präsident der KTV Straubenhardt.  Foto: Hennrich 

KTV-Straubenhardt-Präsident Jörg Gänger: „Sind alle sehr, sehr stolz“

Im PZ-Interview mit Jörg Gänger, dem Präsidenten der KTV Straubenhardt, geht es um den historischen Titel-Hattrick in der Turn-Bundesliga, über Erfolgsprämien, treue Zuschauer und die Zukunft der Meistermannschaft.

PZ: Hallo Herr Gänger, wie lange wurde denn im Ristorante Riva in Pforzheim der sechste deutsche Meistertitel beziehungsweise der historische dritte DM-Titel in Folge, am Samstagabend noch gefeiert?

Jörg Gänger: Wir saßen noch lange mit unseren Sponsoren und Freunden zusammen. Die jüngere Generation hat sich dann gegen 2 Uhr ins „Como“ verabschiedet. Am Sonntagmorgen trafen wir uns alle im Mannschaftshotel „Adlerhof“ in Straubenhardt zum Brunch, bevor sich unsere Wege trennten.

PZ: Profi-Fußballer feiern ihre Titel ja gerne auf dem Rathaus-Balkon. Nach dem Titel-Hattrick der KTV wäre solch eine Feier doch durchaus auch in Straubenhardt angemessen gewesen?

Jörg Gänger: Auf dem Rathaus-Balkon in Feldrennach haben wir früher mal gefeiert. Ich denke, heutzutage würden wir ziemlich alleine dort oben stehen. Das Interesse der Bevölkerung wäre wohl nicht so groß. Deswegen machen wir das lieber im kleineren Rahmen.

PZ: Wie stolz sind Sie auf die erfolgreiche Mannschaft?

Jörg Gänger: Wir sind alle sehr, sehr stolz. Wir haben alle für diesen Titel-Hattrick gekämpft. Das Team mit dem Trainer, dem Sportlichem Leiter und den Betreuern sowie auch die Verantwortlichen vom Förderverein und Hauptverein, die das alles ehrenamtlich machen.

PZ: Durften sich die Titel-Helden über eine Extra-Prämie freuen?

Jörg Gänger: Eine Extra-Prämie gab es nicht. Vertraglich festgeschrieben ist aber eine Siegprämie von 15 Euro pro geturntem Gerät. Die meisten Geräte in dieser Saison hat Marcel Nguyen geturnt. Das waren rund 25 Geräte. Jetzt kann man sich also ausrechnen, wie hoch seine Prämie für den Titel ist. Wir sind ein Verein, der gut wirtschaftet, der aber auch auf seine Einnahmen und Sponsoren angewiesen ist. Finanziell ist einfach nicht mehr drin und wir wollen uns auch nicht verschulden.

PZ: Mit rund 1000 Zuschauern gehören die Bundesliga-Heimkämpfe der KTV zu den best besuchtesten Sportveranstaltungen in der Region. Woher kommt dieser große Zuschauerzuspruch?

Jörg Gänger: Wir haben in der Region viele Turnvereine, in denen früher viele Leute selbst noch im Geräteturnen aktiv waren. Wie zum Beispiel in Ersingen, Niefern, Kieselbronn, Dietlingen, Calmbach oder auch Wildbad. Die alten Turner, sage ich jetzt einfach mal, das sind zu siebzig Prozent unsere Stammzuschauer, die sich auch bestens im Turnen auskennen. Die anderen 30 Prozent sind Zuschauer, die von Sponsoren eingeladen werden. Und wenn die zum ersten Mal da sind, kommen sie auch immer wieder. Denn wir haben außer Turnen noch viel mehr zu bieten. Unser anspruchsvoller VIP-Bereich kommt gut an. Und Turnen bei uns ist eben auch ein Event für die ganze Familie. Das spricht viele Leute an.

PZ: Bei der KTV wird hervorragend gearbeitet. In der Vergangenheit hatte man quasi ein Abo für das Turn-Finale. Erklären Sie doch mal das Erfolgsrezept dieser Bundesliga-Mannschaft?

Jörg Gänger: Das ist bei uns alles sehr nachhaltig geplant. Wir versuchen zum Beispiel, junge Turner frühzeitig an uns zu binden. So wie etwa Lucas Hermann, Daniel Wörz oder auch andere Turner aus den eigenen Reihen. Die Mischung mit den erfahrenen Cracks wie Marcel Nguyen oder auch Andreas Bretschneider ist dann perfekt, so dass sich die jungen Athleten bestens weiterentwickeln können. Dabei denken wir immer drei, vier Jahren voraus. Gewiss haben wir nicht immer den Titel abonniert, doch wir haben einen starken breiten Kader, mit dem wir Ausfälle wie etwa diesmal zu Beginn der Saison von Bretschneider mit dem Nachwuchs kompensieren können.

PZ: Das heißt, dem vierten Titel in Folge steht in der kommenden Saison nichts im Wege?

Jörg Gänger: Die Mannschaft bleibt zusammen. Auch David Belyavskiy wird uns wieder unterstützen. Im Frühjahr wohl noch nicht, denn da sperrt der russische Verband seine Turner für die EM und WM. Aber danach dürfte er wieder dabei sein. Wenn dann alle verletzungsfrei bleiben, stehen die Chancen gut, dass wir auch den vierten Titel in Folge holen können. Das wäre natürlich sensationell.