760_0900_89119_urn_newsml_dpa_com_20090101_181023_90_012.jpg
KTV-Straubenhardt-Turner Andreas Bretschneider und seine Freundin Pauline Schäfer können verletzungsbedingt nicht zur Turn-WM.  Foto: dpa 

KTV-Straubenhardt-Turner Bretschneider und Freundin verpassen Turn-WM

Straubenhardt. Andreas Bretschneider trägt einen Luftpolster-Schuh und stützt sich auf Krücken, Pauline Schäfer rätselt mit den Ärzten noch immer über die Schwere ihrer Fußverletzung. Das prominente deutsche Turn-Paar muss eine bittere Pille schlucken: Die WM in Doha wird der Leistungsträger des deutschen Meisters KTV Straubenhardt genau wie seine Freundin nur vor dem Fernsehapparat erleben.

„Was soll’s? Es macht keinen Sinn, dass wir uns jetzt fertig machen“, sagt der Reckspezialist, der sich bei den deutschen Meisterschaften in Leipzig beim Einturnen die Achillessehne im linken Fuß gerissen hat. „Vor reichlich drei Jahren ist mir das Gleiche mit dem rechten Fuß passiert. Wenn jetzt die Reha genauso gut läuft, bin ich in sechs Monaten wieder dabei.“

Nicht so leicht zu erschüttern

Der Olympia-Teilnehmer, der mit dem nach ihm benannten „Bretschneider“, einem gehockten Doppelsalto mit zwei Schrauben am Reck, das schwierigste Element der Turn-Geschichte kreierte, nimmt die schmerzliche Situation relativ gelassen. „Es war meine vierte Operation in dreieinhalb Jahren. Da weiß man, wie man damit umzugehen hat“, bekannte der Student der Wirtschaftswissenschaften, der vor wenigen Tagen in sein Master-Studium mit Spezialisierung Steuerrecht gestartet ist.

Eine WM- oder eine Olympia-Medaille hat der 29-jährige gebürtige Berliner bisher nicht gewonnen. Der Erfolg im Stuttgarter DTB-Pokal 2016 und vier Siege am Reck beim Weltcup in Cottbus stehen aber neben den WM-Plätzen fünf und sechs in Bretschneiders Erfolgs-Bilanz. Nicht zu vergessen sind auch die Erfolge mit der KTV.

Vergangene Woche wurden an Bretschneider operierter Ferse die Fäden gezogen. In sechs Wochen hofft er, den gepolsterten Schuh loszuwerden. „Ich gehöre halt zur älteren Generation der Turner, da passiert so was. Ich hatte im letzten Jahr schon massive Probleme mit der Achillessehne. Irgendwie habe ich schon befürchtet, dass sie irgendwann reißt“, erzählt Bretschneider. Zwischen seinen Fuß-Operationen war er nach Olympia 2016 auch an beiden Schultern operiert worden. Geteiltes Leid ist halbes Leid – im Falle des Turn-Pärchens trifft dies wohl nur bedingt zu. Auch Pauline Schäfer, im vorigen Oktober erste deutsche Turn-Weltmeisterin seit 30 Jahren, erwischte es während der WM-Vorbereitung. Zu sehr hätte Bretschneider ihr gewünscht, den Titel verteidigen zu können. Nach ihrem Sturz bei der WM-Qualifikation in Stuttgart Mitte September blieb der Schwebebalken-Spezialistin aufgrund eines Knochenmarködems im linken Fußgelenk zu wenig Zeit.

„Ich habe immer noch Beschwerden, kann nicht richtig springen“, erläuterte die 21-jährige Schäfer: „Ich habe alles versucht, war überzeugt, dass ich es noch schaffe. Aber es ging nicht.“ Strombehandlungen, Laser-Therapie, Physiotherapie bestimmen nun zunächst ihren Sportler-Alltag.

Olympia-Quali das nächste Ziel

„Ich bin froh, dass ich die Probleme jetzt habe und nicht in einem Jahr, wenn bei der WM in Stuttgart die entscheidende Olympia-Qualifikation ansteht“, versucht sich Pauline Schäfer zu trösten. Auch ihr Partner richtet sie stets auf. Im WM-Vorfeld hatte die gebürtige Saarbrückerin vor allem mit der überraschenden Trennung von ihrer langjährigen Trainerin Gabi Frehse für Aufsehen gesorgt.