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28.11.2009

KTV Straubenhardt holt mit Hambüchen Meistertitel

KARLSRUHE. Getragen von den eigenen Fans, die in großer Zahl nach Karlsruhe gekommen waren, hat sich die KTV Straubenhardt zum zweiten Mal nach 2005 den Titel eines deutschen Mannschaftsmeisters im Turnen gesichert.

Fabian Hambüchen schwebte. Soeben hatten seine Hände nach einer fantastischen Kür die Reckstange losgelassen. Nun hing sein Körper in der Luft, drehte sich wie in Zeitlupe zum abschließenden Salto. Dann die Landung. Sauber. Sicher. Satt. Beide Arme mit den geballten Fäusten schnellten in die Höhe.

Für einen Moment genoss Hambüchen mit einem strahlenden Lächeln den Jubel der knapp 4000 Fans in der Halle. Er wusste, genau wie seine Mitstreiter im KTV-Team: Das war‘s. Jetzt haben wir den Titel endgültig sicher. „Wir standen unter Dampf, nachdem wir zuletzt dreimal den Titel verpasst hatten“, gestand der deutsche Turnstar später ein.

Zeit, um den 44:26-Sieg und den Titel zu genießen, hatte Hambüchen aber nicht. Sofort nach der Siegerehrung schwebte er bereits wieder – mit dem Hubschrauber nach München, wo er am gleichen Abend bei Stefan Raabs „TV total Turmspringen“ am Start war – und ebenfalls siegte.

Es war Erleichterung pur, die in den Gesichtern der Straubenhardter zu lesen war. Natürlich waren sie als Favorit gegen den SC Cottbus angetreten. Aber das waren sie im vergangenen Jahr auch, als sie im Finale in Eppelheim auf den gleichen Gegner getroffen waren. Damals hatte Cottbus den Straubenhardtern ein Schnippchen geschlagen.

Vorherrschaft gebrochen

Die Cottbuser waren das Turnteam des vergangenen Jahrzehnts. Fünfmal waren die deutscher Meister, zuletzt dreimal in Folge. „Diese Vorherrschaft wollten wir brechen“, sagte der KTV-Vorsitzende Helmut Riegsinger zum Duell mit dem Angstgegner. Und das ist gelungen. „Wir waren einfach besser“, sagt der KTV-Vorsitzende. Und Horst Rapp, Hauptsponsor und Vorsitzender des Fördervereins, ergänzt: „Wir sind verdient Meister. Wir sind die ganze Saison ungeschlagen geblieben und hatten heute die ausgeglichenere Mannschaft.“

Bis der Erfolg in trockenen Tüchern war, mussten die Straubenhardter aber einige bange Augenblicke überstehen. Als Stolperstein erwies sich erneut das Pauschenpferd. Im vergangenen Jahren waren alle KTV-Turner vom Zittergerät gefallen. In diesem Jahr konnte der Schaden begrenzt werden. Lediglich Marcel Nguyen stieg unfreiwillig ab, die anderen kamen mehr oder weniger gut durch.

Weil die Straubenhardter zuvor am Boden kräftig vorgelegt hatten, verteidigten sie nach zwei Geräten zumindest eine knappe Führung. Sie gerieten dann zwar an den Ringen kurzfristig in Rückstand, doch spätestens nach dem Sturz des Cottbusers Steve Woitalla am dritten Gerät (siehe auch: „Kopfüber auf die Matte geknallt“) war bei den Cottbusern die Luft raus. Die Straubenhardter sicherten sich die Siege an den Ringen, am Sprung und am Barren, hielten Cottbus zusätzlich an deren zweitem Paradegerät Reck in Schach.

„Glückwunsch an die KTV. Der Sieg war verdient“, erkannte Steve Woitalla neidlos an. Auch Philipp Boy, einer der Cottbuser Stars, der nicht mitturnen konnte, weil er wegen seiner Grundausbildung bei der Bundeswehr Trainingsrückstand hat, gratulierte: „Glückwunsch. Geiles Ding. Aber wir haben heute nicht verloren, wir sind Zweiter geworden.“

Wenn und Aber

Natürlich ließ sich nach dem Finale trefflich darüber diskutieren, was passiert wäre, wenn Philipp Boy bei Cottbus dabei gewesen wäre oder wenn Steve Woitalla an den Ringen nicht gestürzt wäre. Dabei wurde aber vergessen, dass auch die KTV nicht in Bestbesetzung hatte antreten können. Zum einen liegt der Tod des jungen Russen Jurij Rjasanow wie ein Schatten über dem Team. Der WM-Dritte im Mehrkampf war kurz nach dem Gewinn seiner Bronzemedaille tödlich verunglückt. Fabian Hambüchen war nach seiner Sprunggelenksverletzung noch nicht wieder ganz fit. Und Niki Böschenstein durfte am Samstag nicht eingesetzt werden. Der Schweizer war von seinem Verband gesperrt worden. Böschenstein hatte bei der WM zusammen mit anderen Turnern über die Stränge geschlagen, was sein Verband mit einer recht humorlosen Strafe quittierte. Böschenstein war dennoch nach Karlsruhe gekommen und feierte kräftig mit seinen Teamkollegen.