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Topscorer des Abends: Ivan Rittschick überraschte mit seiner super Leistung im Dress der KTV Straubenhardt. 

KTV Straubenhardt mit 57:11 zum Bundesliga-Auftakt gegen TV Schwäbisch Gmünd

Auftakt nach Maß: Die KTV Straubenhardt hat das „Unternehmen Titelverteidigung“ in der Deutschen Turnliga erfolgreich begonnen. Der TV Schwäbisch Gmünd-Wetzgau war am ersten Wettkampftag in der Straubenhardthalle chancenlos. 57:11 nach Scorepunkten stand es am Ende für die Gastgeber, und Teamchef Dirk Walterspacher hakte den „Pflichtsieg“ zufrieden ab: „Wir wollten auch alle zwölf Gerätepunkte. Das ist uns gelungen.“

Mit dem großen Kader und der guten Mischung aus Erfahrung und Jugend scheint die KTV für die neue Saison gewappnet. Weil nach Olympia die Routiniers noch müde sind, wurden sie geschont. Marcel Nguyen, Andreas Bretschneider und Lukas Dauser sowie die Ausländer Anton Fokin und Marian Dragulescu mussten maximal drei Geräte turnen. Den Rest übernahmen vor allem junge Athleten wie Nils Dunkel (19 Jahre), Vinzenz Haug (19) und Ivan Rittschick (24), der mit 13 Punkten an vier Geräten Topscorer des Abends war. Und mit dem wegen einer Erkrankung ausgefallenen Aaron Wagner (19) und Nils Buchter (22) hat die KTV noch zwei weitere Eigengewächse in der Hinterhand. Buchter kam nur deshalb nicht zum Einsatz, weil man Routinier Vladimir Klimenko zum „Zehnjährigen“ im KTV-Trikot die abschließende Reckübung überließ und Walterspacher pro Wettkampf maximal zehn Turner einsetzen darf.

Natürlich sind die Routiniers weiter unentbehrlich. Das zeigen die Höchstwertungen an den Geräten, die sich bei Straubenhardt Bretschneider (Boden/14,65 und Reck/15,40), Nguyen (Ringe/14,70 und Barren/15,10) sowie Dragulescu (Sprung/15,10) sicherten. Bretschneider am Reck und Nguyen am Barren sicherten sich aber auch mit abgespeckten Übungen hohe Wertungen. Doch auch Rittschick war zur Stelle. Seine starken 14,90 am Pauschenpferd brachten ihm fünf Scorepunkte. Dabei lag sein Ausgangswert zwei ganze Punkte höher – das sind im Turnen Welten.

Dass Rittschick Topscorer des Abends war, freute Walterspacher genauso wie die beiden Erfolge von Vinzenz Haug. Der junge Athlet aus Mühlacker holte am Pauschenpferd und an den Ringen je zwei Scorepunkte. Dass die Erfolge gegen starke Gegner wie den Spanier Nestor Abad Sanjuan und den deutschen Nationalturner Helge Liebrich zustande kamen, war bemerkenswert. Vor allem der Erfolg gegen den Spanier kam für Haug unerwartet: „Ich habe gedacht, ich verliere und habe mir deshalb wenig Druck gemacht“, verriet der 19-Jährige.

Dass er am Pauschenpferd so stark ist, hat auch einen nicht ganz so erfreulichen Hintergrund. Wegen eines Gleitwirbels und einer Skoliose war Haug zuletzt mit Rückenproblemen oft stark gehandicapt – Pauschenpferdtraining ging da noch am besten. Das viele Krafttraining hat seine Rückenmuskulatur gestärkt – das ist unübersehbar, wenn er an die Geräte geht.

Während im KTV-Team kräftig rotiert wurde, hatten die Gäste mit Sanjuan und Liebrich zwei Sechskämpfer in ihren Reihen. Mit Andreas Toba fehlt dem TV aber der Spitzenturner, der nach dem Kreuzbandriss bei den Olympischen Spielen die ganze Saison verpasst.

Trotz der Niederlage in Straubenhardt bleibt das schwäbische Team aus Wetzgau ein Kandidat für den Finalwettkampf Anfang Dezember in Ludwigsburg. So viel stärker war die Konkurrenz zum Auftakt nicht. Mitfavorit TG Saar, der MTV Stuttgart und „Geheimtipp“ Siegerländer TV melden ebenfalls Siege, gaben jeweils aber Gerätepunkte ab. Doch die 341,85 Wertungspunkte, die die Straubenhardter Turner für ihre 24 Übungen bekamen, waren zum Auftakt mit Abstand der höchste Wert unter den acht Mannschaften.