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Bei seinem ersten Wettkampf in Straubenhardt überzeugte Filip Ude. Am Pauschenpferd erhielt er 15,05 Punkte.  Ripberger
Bei seinem ersten Wettkampf in Straubenhardt überzeugte Filip Ude. Am Pauschenpferd erhielt er 15,05 Punkte. Ripberger
08.11.2015

KTV Straubenhardt mit Kantersieg gegen SC Cottbus

Wenn ein Wettkampf mit 82:9 endet, sollten aufseiten der Sieger nicht mehr viele Fragen offen sein. Beim Erfolg der KTV Straubenhardt gegen den SC Cottbus in der Deutschen Turnliga (DTL) blieben aber viele Fragezeichen.

Denn die KTV war trotz des deutlichen Resultats weit von dem entfernt, was sie bieten kann.

328,80 Punkte vergaben die Kampfrichter für die 24 Übungen der Gastgeber. „Das ist zu wenig“, sagt Dirk Walterspacher. 340 Punkte sind das Maß für ein Bundesliga-Team, wenn ein wichtiger Wettkampf gewonnen werden soll. Zu genau so einem Wettkampf kommt es am kommenden Samstag, wenn sich im Spitzenduell Tabellenführer MTV Stuttgart und der Tabellenzweite aus Straubenhardt gegenüberstehen. Vermutlich darf nur der Sieger dieses Duells am Samstag, 5. Dezember, in Karlsruhe um den Titel turnen. Der Verlierer wird wohl vom Tabellendritten TG Saar überholt. Am kommenden Samstag ist bei der KTV Marcel Nguyen wieder an vier Geräten dabei, ebenso der US-Amerikaner Paul Ruggieri als dritter Ausländer.

Überlegene Besetzung

Dass die Straubenhardter auch ohne Nguyen, der nach seiner anstrengenden WM-Teilnahme die Möglichkeit bekam, seine Fingerverletzung auszukurieren, gegen Cottbus gewinnen würden, stand nie infrage. Während die KTV 13 Turner aufbot – von denen zehn eingesetzt werden durften – war Cottbus nur mit fünf Athleten angereist. Da mit Christopher Jursch und Igor Radivilov die beiden Topscorer fehlten, wirkte das junge Cottbuser Team von Beginn an wie ein verlorener Haufen.

Walterspacher nutzte die Chance, den Wettkampf zum Testlauf für die entscheidenden Saisonwettkämpfe zu machen. „Unser Motto war: alles ausprobieren. Manches hat geklappt, manches nicht“, bilanzierte der KTV-Coach. 10:4 nach Scorepunkten am Boden, 19:0 am Pauschenpferd, 12:0 an den Ringen, 13:0 am Sprung, 14:4 am Barren und 14:1 am Reck – Spannung kam gar nicht auf. Was überhaupt nicht klappte, waren die Auftritte von Vladimir Klimenko, der am Boden und am Barren indisponiert war und damit acht der neun Cottbuser Scorepunkte ermöglichte.

Dass die Besucher in der vollen Straubenhardt-Halle dennoch auf ihre Kosten kamen, lag auch daran, dass sich mit Filip Ude ein Neuzugang erstmals vor eigenem Publikum präsentierte. Am Pauschenpferd lieferte der Kroate mit 15,05 Punkten eine absolute Klasseleistung ab, ebenso wie Ivan Rittschik (14,46). Aus dem einstigen Zittergerät ist für die Straubenhardter plötzlich eine Punktebank geworden.

Lukas Dauser der beste Mann

Gefreut haben sich die Besucher ebenso über die beste Übung des Abends, die Anton Fokin am Barren bot (15,25 Punkte). Freuen konnte man sich auch darüber, dass Eigengewächs Aaron Wagner an vier Geräten ran durfte – mit 13 Scorepunkten war der 18-Jährige die Nummer zwei des Wettkampfes hinter Lukas Dauser (18). Die Zuschauer feierten auch Andreas Bretschneider, der am Reck wieder sein sensationelles Übungsteil erfolgreich präsentierte – das schwierigste Turnelement weltweit. Danach aber war beim WM-Fünften die Luft raus. Beim Yamawaki, einem ganz einfachen Flugteil, musste er vom Gerät. Und beim Abgang kam er – wie schon bei der WM – nicht in den Stand. Bretschneider konnte das alles mit einem Lächeln quittieren. Und für Pele Goldacker hatte das ganze einen schönen Nebeneffekt. Der 16-Jährige gewann das direkte Duell gegen den WM-Fünften überraschend mit 1:0 und bescherte Cottbus einen halbwegs versöhnlichen Abschluss eines wenig erfreulichen Wettkampfes.