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15.04.2009

KTV Straubenhardt peilt den Titel an

STRAUBENHARDT. Wenn am 28. November in der Karlsruher Europahalle der deutsche Mannschaftsmeister der Kunstturner ermittelt wird, will die KTV Straubenhardt wieder ein ernstes Wörtchen bei der Titelvergabe mitreden.

Im Dezember hat die KTV das Finale der Bundesliga-Saison 2008 in Heidelberg knapp gegen den SC Cottbus verloren. Am Samstag (18.00 Uhr) kommt es in der Straubenhardt-Halle gleich zum Auftakt der neuen Bundesliga-Saison zur Revanche. Dabei wird Herbert Laupp (71) letztmals als verantwortlicher Trainer das Team der Gastgeber betreuen. Schon zum zweiten Wettkampftag wird Alexei Grigoriev (33) offiziell das Kommando übernehmen.

Von der Landesliga nach oben

Gemeinsam haben Laupp und Grigoriev in den vergangenen Jahren das Kunstturnen in Straubenhardt geprägt. Laupp war seit der KTV-Gründung 1987 als Trainer dabei, gestaltete den Aufstieg von der Landesliga bis in die Bundesligaspitze mit. Und wie kein anderer Turner steht Grigoriev für den Durchmarsch bis in die nationale Spitze. Seit 1995 geht der aus St. Petersburg stammende Grigoriev für die KTV erfolgreich an die Geräte. Er lebt mit seiner Frau in Schwann und arbeitet als Trainer erfolgreich im Straubenhardter Turn-Leistungszentrum.

Die sportliche Leitung ist neu, die Ziele bleiben aber die alten. Seine Aufgabe als kommender Cheftrainer geht Grigoriev auch verbal offensiv an. „Wir wollen immer gewinnen. Und wir wollen deutscher Meister werden“, sagt er. Es würde die Experten nicht überraschen, wenn Cottbus und Straubenhardt wie 2008 den Titel unter sich ausmachen. Damit rechnet auch Grigoriev insgeheim: „Ich will nicht arrogant sein, aber wenn es normal läuft, sehen wir uns im Finale wieder.“
Mit Grigoriev ist bei der KTV auch für Kontinuität gesorgt. Dennoch wird der neue Coach natürlich einiges anders machen als sein Vorgänger. Wenn er von „mehr Struktur“ spricht, meint er, dass die KTV-Turner sich früher darauf einrichten können und sollen, an welchen Geräte der Trainer sie im Verlauf der Saison einsetzen wird.

Mehr als nur ein Dorfverein

Auch die Außendarstellung der KTV nimmt der langjährige Erfolgsturner etwas anders wahr. „Wir funktionieren nicht mehr als der kleine Dorfverein, sondern eher wie ein Wirtschaftsunternehmen“, sagt er.

Trotz hochgesteckter Ziele müssen die KTV-Fans in der zweigeteilten Saison vorerst auf ihren Liebling Fabian Hambüchen verzichten. Die Bundesliga absolviert vier Wettkampftage im April und Mai, setzt die Saison dann aber erst nach den Weltmeisterschaften in London im Oktober fort. Der deutsche Turnstar und frischgebackener Mehrkampf-Europameister konzentriert sich zunächst auf seine internationalen Einsätze und Verpflichtungen. „Er wird aber für uns turnen, wenn wir ihn brauchen“, verspricht Alexei Grigoriev. Doch auch ohne den deutschen Vorturner ist das KTV-Team stark besetzt und wird mit dem schweizer Niki Böschenstein und dem russischen Ausnahmeturner Juri Rjasanow (siehe auch: „Hochkarätige Verstärkungen“) weiter aufgerüstet.

Dabei war die KTV-Mannschaft auch bislang schon nicht schlecht besetzt. Mit den deutschen Nationalmannschaftsturnern Thomas Taranu und Marcel Nguyen hat Grigoriev zwei potenzielle Sechskämpfer im Team, auch Vladimir Klimenko kann fast alle Geräten turnen. Spezialisten wie der rumänische Ex-Weltmeister Marian Dragulescu und der ehemalige Olympiasieger Sergej Charkow, der Ungar Robert Gal und Eigengewächs Dimitri Walter stehen ebenfalls bereit.

Und für den Fall der Fälle gibt es ja auch noch den Trainer. Jahrelang war Grigoriev der Top-Scorer für die Straubenhardter in der Bundesliga. Auch in der vergangenen Saison ging er trotz seiner 32 Jahre und mehreren schweren Verletzungen in den Vorjahren noch einmal für die KTV an die Geräte. Geht es nach seinem Willen, muss das künftig nicht mehr sein. Das Wörtchen „nie“ vermeidet er aber: „Wir alle sind bereit, alles für den Verein zu geben. Wenn es notwendig ist, gehe ich auch an die Geräte.“