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Glanzpunkt zum Abschluss eines wenig erfreulichen Wettkampfes: KTV-Turner: Andreas Bretschneider am Reck.  Ripberger
Glanzpunkt zum Abschluss eines wenig erfreulichen Wettkampfes: KTV-Turner: Andreas Bretschneider am Reck. Ripberger
20.10.2013

KTV Straubenhardt verliert Verfolgerduell gegen Wetzgau 21:44.

Zum Abschluss gab es am Königsgerät noch einmal ein Glanzlicht. Die Reckkür von Andreas Bretschneider war vom Feinsten. Kürzlich ist er bei der Weltmeisterschaft an diesem Gerät gerade Sechster geworden.

Jetzt verzückte der Turner der KTV Straubenhardt die rund 1000 Fans in der Halle mit seiner Kür, die die Kampfrichter mit 15,50 Punkten belohnten. Eine höhere Wertung gab es an diesem Tag im Duell mit dem TV Schwäbisch Gmünd-Wetzgau nicht.

Bretschneiders Reckkür hätte die Krönung des Wettkampfes sein können. Doch es gab an diesem Tag nichts zu krönen. Die KTV unterlag im Verfolgerduell der Deutschen Turn-Liga mit 21:44 Scorepunkten. Es ist die erste KTV-Heimniederlage seit Jahren. Normalerweise zerlegen die Straubenhardter ihre Gegner in eigener Halle mit chirurgischer Präzision.

Wenig Normalität

Doch am Samstag war wenig normal bei der KTV. Verletzungssorgen plagten den deutschen Vizemeister schon im Vorfeld. Thomas Taranu und Oleg Stepko, zwei der wichtigsten Punktesammler, konnten jeweils nur ein Gerät turnen, Gerätespezialist Andre Schaich fiel mit einem Kreuzbandriss ganz aus. Und der kurzfristig verpflichtete Russe Dmitry Stolyarov wirkte übermotiviert und nervös. Die Gäste hingegen traten in starker Besetzung an, auch ohne den Briten Sam Oldham, der vom Rumänen Andrei Muntean und vom Niederländer Bart Deurloo aber glänzend vertreten wurde.

So blieb den Straubenhardtern in eigener Halle nur die ungewohnte Außenseiterrolle – und der Gerätesieg am Reck. Dabei hatten sie ihre Chance. „Aber dazu hätte Wetzgau gravierende Fehler machen müssen. Das taten sie aber nicht, die Fehler haben wir gemacht“, analysierte der KTV-Vorsitzende Norbert Egger später die Niederlage. Er tat das in einem gelassenen Tonfall, ganz anders als Andreas Bretschneider. Entschlossen, ja fast verbissen hatte der seine Reckkür abgespult. Die Anspannung hatte das nicht genommen. Für die Leistung des eigenen Teams gab es Schelte. Chancenlos sei man nicht gewesen, habe aber viel zu viele Fehler gemacht. „Ich weiß nicht, wie sich einige auf den Wettkampf heute vorbereitet haben“, schimpfte er. Sich selbst aber nahm er von der Kritik nicht aus. „Ich hatte selbst einen Flüchtigkeitsfehler am Barren“, gestand er ein.

Doch auch die Kampfrichter bekamen ihr Fett ab. Gleich zweimal hatten sie ihre Wertungen bei Bretschneider-Duellen nachträglich korrigieren müssen, beide Male zugunsten des Straubenhardters. Insgesamt machte das in der Endabrechnung vier Score-Punkte aus. „Ich frage mich, ob die überhaupt eine Kampfrichter-Lizenz haben. Ich bin echt sprachlos“, ätzte der beste KTV-Punktesammler des Wettkampfes gegen die unaufmerksamen Wertungsrichter.

Wackler, Absteiger, Stürze

Deren bisweilen schwer nachvollziehbare Entscheidungen waren am Ende aber nicht ausschlaggebend. Das wussten die Straubenhardter auch. Einige Wackler am Boden, drei Absteiger am Pauschenpferd (Robert Weber, Stolyarov, Daniel Weinert), ein Sturz beim Abgang von den Ringen (Weber) – schon zur Halbzeit lagen die Gäste mit 25:5 fast uneinholbar vorne. Thomas Taranu (Sehnenanriss an der Fußsohle) turnte nur am Pauschenpferd, Oleg Stepko (Mittelhandbruch) nur am Sprung. Bretschneider überzeugte mit neun Scorepunkten, obwohl ihm noch die WM in den Knochen steckt und die Schulter schmerzte: „Aber für so ein Großereignis trainiert man auch mal über die Schmerzgrenze hinaus“, weiß er.

In Sachen Niederlagen ist nun auch für die KTV die Schmerzgrenze erreicht. Die Straubenhardter sind auf Platz fünf abgerutscht, nur die ersten vier der Tabellen qualifizieren sich für das Finale um den Titel und Platz drei in Karlsruhe. Doch Andreas Bretschneider weiß Abhilfe: „Wir müssen einfach die nächsten drei Wettkämpfe gewinnen.“