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Am Ende gab es statt Blumen nur noch Schuldzuweisungen: Fabian Hambüchen bei einem seiner letzten Auftritte im KTV-Dress. Hinten sein Vater und Trainer Wolfgang Hambüchen (rechts) mit KTV-Coach Alexei Grigoriev. Foto: Gössele/PZ-Archiv
Am Ende gab es statt Blumen nur noch Schuldzuweisungen: Fabian Hambüchen bei einem seiner letzten Auftritte im KTV-Dress. Hinten sein Vater und Trainer Wolfgang Hambüchen (rechts) mit KTV-Coach Alexei Grigoriev. Foto: Gössele/PZ-Archiv
28.11.2011

KTV und Fabian Hambüchen: Scheidung ist endgültig

Das Tischtuch ist endgültig zerschnitten. Fabian Hambüchen wird nicht mehr in der Bundesliga für den deutschen Meister KTV Straubenhardt turnen. Der KTV-Vorsitzende Helmut Riegsinger (Foto) wollte das Thema eigentlich noch einmal im Vorstand „ergebnisoffen“ diskutieren und das Gespräch mit dem Ausnahmeturner aus Wetzlar suchen.

Doch dann meldete sich gestern Hambüchen zu Wort. „Ich bin sehr enttäuscht darüber, dass ich die überraschenden Aussagen der KTVStraubenhardt über die Presse erfahren musste und werde in der kommenden Saison definitiv nicht für Straubenhardt in der Bundesliga an die Geräte gehen. Ich stehe diesbezüglich auch nicht mehr für Gespräche zur Verfügung“, hieß es in einer Stellungnahme des 24-Jährigen.

Der Reckweltmeister von 2007 bezog sich damit auf Äußerungen des KTV-Trainers Alexei Grigoriev und des KTV-Fördervereinsvorsitzenden Horst Rapp (Foto), die nach dem gewonnenen Liga-Finale in Berlin am Sonntag den künftigen Verzicht auf Hambüchen angekündigt hatten. „Wir werden definitiv ohne Fabian in die nächste Saison gehen. Man weiß bei ihm nie, ob und was er macht“, hatte Grigoriev erklärt. Und Horst Rapp hatte diese Aussage bekräftigt: „Wir werden unser Team um Marcel Nguyen und Thomas Taranu weiterentwickeln“, sagte der Sponsor und Chef des einflussreichen Fördervereins.

Wäre es nach Riegsinger gegangen, hätte man zumindest noch einmal das Gespräch gesucht. „Man hätte vielleicht mehr miteinander reden sollen – von beiden Seiten“, sagt der KTV-Vorsitzende. Aber auch er sagt: „Es hat sich abgezeichnet. Wir haben uns wie ein altes Ehepaar auseinandergelebt.“

Auslöser der Trennung war Hambüchens kurzfristige Absage für das Liga-Finale in Berlin. Er sei „fix und fertig“, so der 24-Jährige, weil er in den zehn Monaten Rehabilitation nach seiner Achillessehnen-Operation nur drei freie Tage gehabt habe.

Dafür hätte man in Straubenhardt möglicherweise Verständnis gehabt, hätte Hambüchen zuletzt nicht beim Swiss Cup geturnt und am Turmspringen von Stefan Raab teilgenommen. Das Turmspringen hatte Hambüchen auch schon 2010 dem Bundesliga-Finale mit der KTV vorgezogen. Damals verloren die Straubenhardter gegen Cottbus deutlich, dieses Mal setzten sie sich gegen die TGSaar durch.

„Wir brauchen Verlässlichkeit“

Die Probleme, die durch Hambüchens kurzfristige Entscheidungen entstehen, sieht auch Riegsinger. „Die Absagen kamen oft kurzfristig und das war nicht gut. Was wir brauchen, ist Verlässlichkeit.“ Ein anderes Problem spricht Riegsinger eher indirekt an: „Die Mannschaft ist ohne Fabian zusammengewachsen.“ Da war es nicht immer einfach, den Star, der von außerhalb kam, kurzfristig in die Mannschaft zu integrieren, zumal die anderen Turner jederzeit parat standen. Barren-Europameister Marcel Nguyen hat am vergangenen Wochenende sogar eine Einladung zum Weltcupfinale in Japan ausgeschlagen, um für Straubenhardt in Berlin an die Geräte zu gehen. Der Unterhachinger war dann auch der überragende Mann des Finales.

Einer, der Nguyens Entscheidung nicht nachvollziehen kann, ist Wolfgang Hambüchen. „Ich kann das aus leistungssportlicher Sicht nicht verstehen“, sagt der Vater und Trainer von Fabian Hambüchen, der tags zuvor auch schon Horst Rapp („Er solle sich nicht so aufpumpen“) attackiert hatte. Gleichzeitig stellte Wolfgang Hambüchen klar: „Wir hatten vereinbart, dass alles erst einmal unter uns besprochen wird, wenn es Probleme gibt. Daran hat sich Herr Rapp nicht gehalten. Wir lassen uns nicht unter Druck setzen, um unsere großen Ziele bei Olympia nicht zu gefährden.“

Die Frage, ob der Streit um Hambüchen zur Zerreißprobe für die KTV wird, beantwortet Riegsinger aber mit einem klaren „Nein“, auch wenn er die Entwicklung bedauert. „Ich weiß, was Fabian für den Verein getan hat. Sportlich sind wir nicht auf ihn angewiesen. Aber er war immer das Sahnehäubchen obendrauf.“ Udo Koller