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Auch auf Facebook verkündete der KSC die Verlegung des Spiels. Screenshot Facebook

Karlsruher SC erkämpft sich neue Hoffnung - Jetzt wartet Paderborn

Karlsruhe.Kopfball Daniel Gordon, das Netz beult sich unter dem Druck des Balles aus, 10.000 Zuschauer liegen sich in den Armen, Tormusik ertönt aus den Boxen des Wildparkstadions – und plötzlich, als sich die Blicke wieder auf den Platz richten, ist es deutlich dunkler geworden. Exakt mit dem 1:0-Siegtreffer gegen den FSV Zwickau in der 44. Minute hatte sich am Samstag die Sonne über Karlsruhe hinter die Wolken verzogen und das Flutlicht in der Folge alle Mühe, die Drittliga-Szenerie auf dem Rasen zu erhellen. Nicht, dass es dort all zu viel Sehenswertes gegeben hätte: Trist und kalt war das Wetter, das Spiel ähnelte dem durchaus.

Dazu passte, dass dieses erst 30 Minuten verspätet begann. Denn da die Deutsche Bahn in Markkleeberg (Landkreis Leipzig) eine Weiche falsch gestellt hatte, bog der Sonderzug mit 500 Zwickauer Fans falsch ab. Die Lok musste daher abgekoppelt und ein anderer Triebwagen an das Ende des Zuges gebracht werden. Erst mit 80 Minuten Verspätung kamen die Sachsen daher in der Residenzstadt an. Dies habe „den Rhythmus etwas gestört“, sagte Abwehrspieler Davis Pisot.

„Keinen guten Tag erwischt“

Dort sahen die Fans des Kellerkindes, wie sich der KSC gegen die kompakt stehenden Zwickauer schwertat, wie der Karlsruher Trainer Alois Schwartz einräumte: „Wir haben keine richtigen Lösungen gefunden.“ Auch, weil der Ball „sehr viel in der Luft“ gewesen sei. Dabei habe schon Trainerlegende Zlatko „Tschik“ Cajkovski (1923 – 1998) gesagt: „Vogel gehört in die Luft, Ball auf den Boden.“ Der 50-Jährige freute sich, dass der Siegeswille extrem hoch war, obwohl es „spielerisch nicht rund lief“ seine Mannschaft „keinen guten Tag erwischt“ hatte. Der Lohn: Erstmals seit dem vierten Spieltag beträgt der Karlsruher Rückstand auf Relegationsrang drei nur noch sechs Zähler. Zwischenzeitlich waren es bereits zwölf gewesen.

Bis zur Karlsruher Führung war der FSV keinen Deut schwächer gewesen. Im Gegenteil. Zwickau wirkte von Beginn an etwas frischer als der KSC. Schnell, direkt und schnörkellos spielten die Gäste nach vorne. Zwar musste Karlsruhes Schlussmann Benjamin Uphoff im ersten Spielabschnitt nie ernsthaft eingreifen. Aber Gästestürmer Fridolin Wagner schoss einmal nur um Haaresbreite links vorbei (12.) und einmal nur knapp über den Kasten (41.). Auf der anderen Seite wurden die Schussversuche von Florent Muslija (20.), Anton Fink (29.) und Marcel Mehlem (43.) geblockt oder waren zu harmlos. Doch nach Mehlems Versuch gab es einen Eckball, den Marvin Wanitzek in den Sechzehner brachte. Dort lauerte Gordon, lief dem Ball entgegen und war kaum mehr zu stoppen – weder als er zum Kopfball hochstieg noch beim anschließenden Jubel. „Wir hatten Schwierigkeiten, uns heute Torchancen herauszuspielen“, sagte der Torschütze nach der Partie. „Die Zwickauer haben es uns verdammt schwer gemacht. Umso wichtiger ist es dann, auch mal über eine Standardsituation ein Tor zu machen.“

Nach dem Seitenwechsel verdiente sich der KSC seine Führung allerdings durchaus – auch, weil die Defensive nichts mehr zuließ. Außerdem hätte Fabian Schleusener nach einem Freistoß von Wanitzek das 2:0 köpfen müssen (60.). Marc Lorenz scheiterte mit einem satten Schuss ebenso an Zwickaus Torhüter Johannes Brinkies (73.) wie Burka Camoglu (77.). Trotzdem kritisierte Schwartz: „In der zweiten Halbzeit hat uns die Ruhe gefehlt. Wir hatten viele Ballverluste und haben nicht gut gespielt.“ Jetzt heiße es „Mund abputzen“, ehe es am Freitag (19 Uhr) zum souveränen Tabellenführer nach Paderborn geht.