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Kein DFB-Pokalspiel im Pforzheimer Holzhof. Das Stadion ist zu marode, sagt der DFB. Die Sanierung zu teuer und nicht nachhaltig, da das Stadion sowieso 2016 aufgegeben wird, sagt die Stadtverwaltung. © PZ
Bei der Begehung mit DFB-Spezialisten im Holzhof-Stadion ist eine Mängelliste entstanden. Die nötigen Investitionen seien für die Stadt Pforzheim nicht tragbar, meint Oberbürgermeister Gert Hager. © Ketterl
11.07.2012

Kein DFB-Pokalspiel im Holzhof-Stadion

Es hatte sich angedeutet: Die Stadt Pforzheim ist nicht bereit, das Stadion Holzhof so zu ertüchtigen, damit dort das DFB-Pokalspiel FC Nöttingen gegen den Fußball-Bundesligisten Hannover 96 ausgetragen werden kann. Nach einer kurzfristigen Kostenschätzung hätte die Stadt, so heißt es in einer am Mittwoch verbreiteten Presseerklärung, mehr als 70.000 Euro investieren müssen, um die Sportstätte, die 2016 ohnehin stillgelegt werden soll, DFB-Pokal-tauglich zu machen. Diesen Betrag könne man in der derzeitigen finanziellen Lage nicht schultern. „Die strikten haushaltsrechtlichen Auflagen, die uns das Regierungspräsidium Karlsruhe auferlegt hat, lassen diese zusätzlichen freiwilligen Ausgaben nicht zu“, so Oberbürgermeister Gert Hager.

Bildergalerie: Pforzheimer Holzhof-Stadion in marodem Zustand

Beim FC Nöttingen war man am Mittwoch „geschockt“, wie es Dirk Steidl, der einen persönlichen Brief von OB Hager erhielt, ausdrückte. Mehr wollte der Vorstandsvorsitzende des Vereines, der bis zuletzt um den Holzhof kämpfte, öffentlich nicht sagen. Er musste die schlechte Nachricht erst einmal verdauen. Er wollte auch noch einmal Kontakt zu OB Hager aufnehmen. So ganz will sich Steidl offenbar mit der für seinen Verein folgenschweren Entscheidung nicht abfinden. Denn der Umzug in ein anderes Stadion kann für den Verein teuer werden.

Da die Stadt wohl bei ihrer Entscheidung bleiben wird, muss Steidl jetzt ein solches Ausweichstadion suchen. In welche Richtung das gehen soll, auch darüber wollte der „maßlos enttäuschte“ Funktionär gestern nicht sprechen. Bei der Stadionbegehung auf dem Holzhof hatte DFB-Vertreter Harald Meyer schon einmal Reutlingen ins Spiel gebracht. Namen, die jetzt immer wieder fallen, sind auch Hoffenheim, Mannheim oder Heilbronn. Fest steht bisher nur, dass die Partie gegen Hannover 96 am Sonntag, 19. August, 14.30 Uhr stattfinden wird.

Viele Fußballfreunde reagierten gestern verärgert auf die Entscheidung der Stadt. Von Blamage und Armutszeugnis war die Rede. „Jedes andere Dorf würde sich darum reißen – aber hier gibt’s einfach wieder mal eine Ohrfeige“, meinte ein User auf der Facebook-Seite von PZ-news. Ein anderer schrieb: „Wieder einmal hat die Stadt eine Chance vertan.“ Es gibt aber auch Zustimmung: „Mensch Leute, Pforzheim hat kein Geld zu verschenken! Unsere Schulen zerfallen und wir sollen für ein Kuhdorf mal eben schnell 70 000 Euro lockermachen.“

Ungeeignet für ein DFB-Pokalspiel, so lautete das Urteil des DFB in der vergangenen Woche nach einer Begehung des Holzhofes. Die städtischen Fachämter prüften daraufhin, was es kosten würde, den Forderungskatalog des DFB zu erfüllen. Auch der FC Nöttingen bot Hilfe an. Es ging um die maroden Stehstufen, Arbeiten an Tribüne, Sanitäranlagen und Platz, aber auch um Sicherheitstechnik und Verkehrslenkung. Ganz nebenbei sind die beiden Tore zu niedrig. Erschwerend kommt hinzu, dass am besagten Sonntag Pforzheim finaler Etappenort eines großen Mountainbike-Rennens sein wird. Das Ziel bei der St.-Maur-Halle liegt in der Nähe des Holzhofs. Diese Terminkollision führe zu erheblichen Bedenken bezüglich der Sicherheit sowohl der Zuschauer und Teilnehmer der Radsportveranstaltung als auch der Besucher des Pokalspieles, glaubt die Stadt.

Brief des OB an Steidl

In einem Brief bittet OB Gert Hager den Nöttinger Vorsitzenden Dirk Steidl um Verständnis: „Es ist auch eine Entscheidung im Sinne des Sports, denn dieses Highlight soll in würdigem Rahmen stattfinden, den wir in Pforzheim nicht gewährleisten können.“

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