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Obwohl der Lüge überführt, hält sich VfB-Sportvorstand Michael Reschke für glaubwürdig. Foto: Schmidt
Obwohl der Lüge überführt, hält sich VfB-Sportvorstand Michael Reschke für glaubwürdig. Foto: Schmidt
11.10.2018

(K)eine Gewissensfrage: VfB-Sportvorstand Michael Reschke und die Trainerlüge

Michael Reschke, Sportvorstand des VfB Stuttgart, sorgt mit seiner Tayfun-Korkut-Aktion für eine Grundsatzdebatte. Schon viele schwindelten, wenn es um Trainerentlassungen ging, doch er stellt sogar weitere Unwahrheiten in Aussicht.

Ottmar Hitzfeld hat seinen Ruf als Gentleman der Fußball-Branche bis in den Ruhestand hinein gewahrt – und kein Verständnis für die Lüge von Michael Reschke. Der Sportvorstand des VfB Stuttgart hat am Sonntag Trainer Tayfun Korkut beurlaubt, obwohl er ihm nach dem 1:3 bei Hannover 96 am Tag zuvor den Rücken gestärkt hatte. „Es ist immer eine Frage der Formulierung. Auch wenn man nicht weiß, ob der Trainer bleibt oder nicht, muss man das rhetorisch besser ausdrücken, so dass man sich eine Hintertür offen lassen kann“, sagte der 69-jährige Hitzfeld am Donnerstag: „So, wie das in Stuttgart passiert ist, ist das kein guter Stil. Ich finde das respektlos. Man sollte offen miteinander umgehen.“

Seit Reschkes Lüge deutlich wurde, hagelt es Kritik. Der Bund Deutscher Fußball-Lehrer bezichtigte den VfB-Sportvorstand eines Stils, „der mit seriösem Fußball nichts zu tun hat“, und polterte in Person des Präsidenten Lutz Hangartner: „Die Art und Weise, wie hier mit Trainern umgegangen wird, ist nicht akzeptabel.“ Ehrlichkeit, Loyalität, Vertrauen – das sind Werte, die von Ultras und weniger organisierten Fangruppen wohl gleichermaßen gewünscht werden. Doch die Bundesliga ist oft ein verlogenes Geschäft – und das ist den meisten auch bewusst. Nur wird die Verlogenheit selten so offensichtlich wie im aktuellen Fall.

Der von Reschke im Januar entlassene Trainer Hannes Wolf sagte: „Die beste Möglichkeit wäre gewesen, gar kein Interview zu geben. Ich glaube nicht, dass man das muss.“ VfB-Aufsichtsrat Guido Buchwald kann die Entscheidung zur Trennung von Korkut nachvollziehen, er sagte der „Heilbronner Stimme“ nun aber: „Dass es so schnell gegangen ist, hat mich schon sehr überrascht. Vor allem, weil Sportvorstand Michael Reschke nach dem Spiel in Hannover noch betont hatte, dass es keine Trainerdiskussion gebe.“

Reschke sieht sich im Recht

Reschke sagt: „Es geht immer um das, was in der aktuellen Situation für den VfB Stuttgart das Beste ist. Wenn dann mal ein, zwei Fälle passiert sind, wo eine massive Wahrheitsbeugung vielleicht vorgelegen hat, dann ist das einfach so. Ich kann gut damit leben. Ich glaube, dass ich sehr glaubwürdig bin im Vorgehen und vielen Aussagen, die ich treffe.“

Seine Lüge vom Samstag ist bei weitem nicht die erste der Liga. Beinahe-Bundestrainer Christoph Daum berief sich 2000 auf ein absolut reines Gewissen und wurde doch überführt, Kokain konsumiert zu haben. Uli Hoeneß dementierte 2008 energisch, hinter dem Rücken von Hitzfeld mit anderen Trainern zu sprechen – acht Tage danach präsentierte der FC Bayern Jürgen Klinsmann als künftigen Cheftrainer. 1989 schwor Andy Möller den Fans von Borussia Dortmund über das Stadionmikrofon Treue und wechselte doch zurück zu Eintracht Frankfurt. Erst im Februar antwortete Bernd Hoffmann vor der Wahl zum HSV-Präsidenten auf die Bitte eines Mitglieds, sein Ehrenwort zu geben, nie den Vorstandsvorsitz übernehmen zu wollen, dass er diesen nicht anstrebe. Doch seit drei Wochen ist er nicht mehr Präsident des e.V., sondern Vorstandsvorsitzender der AG.

Was Reschke von all den anderen allerdings unterscheidet: Er gibt, ohne das Wort Lüge zu benutzen, sein Verhalten offen zu. Dass war schon im Winter so, nachdem Stürmer Simon Terodde zum 1. FC Köln gewechselt war, kurz nachdem der VfB-Sportvorstand diesen Transfer ausgeschlossen hatte.