nach oben
© Symbolbild: dpa
Andreas Wittenauer
Andreas Wittenauer
02.11.2015

Kickers-Sportvorstand: „Diese Mannschaft ist nicht kontrollierbar“

Eigentlich wollte Andreas Wittenauer am Sonntag nach Viernheim und der ersten Mannschaft in der Verbandsliga zuschauen, doch beruflich bedingt konnte er die Reise zur Amicitia nicht antreten und entschloss sich deshalb, den kurzen Weg nach Würm zu fahren, um dort der zweiten Mannschaft in der Kreisklasse A2 gegen die SG Hohenwart-Würm zuzuschauen.

Was Wittenauer aber in Würm sah, war für den 48 Jahre alten Sportvorstand der Kickers nur noch beschämend. Einige Kickers-Spieler rasteten völlig aus. Sie beleidigten, spuckten, attackierten Gegenspieler und Schiedsrichter, so dass dieser beim Stande von 6:2 für die SG die Partie rund 20 Minuten vor dem eigentlichen Schlusspfiff abbrach.

Am Montag reagierte der Verein auf die Vorkommnisse in Würm. Auf der Facebook-Seite hieß es: „Die Verantwortlichen des SV Kickers Pforzheim bedauern die Vorfälle beim gestrigen Spiel unserer 2. Mannschaft sehr und werden als einzig richtige Konsequenz die Mannschaft heute vom Spielbetrieb abmelden. Wir entschuldigen uns in aller Form beim Schiedsrichter und bei der SG Hohenwart/Würm.“

 

Die Vereinsverantwortlichen des SV Kickers Pforzheim bedauern die Vorfälle beim gestrigen Spiel unserer 2. Mannschaft...

Posted by SV Kickers Pforzheim on Montag, 2. November 2015

Im Gespräch mit der PZ ergänzte Wittenauer: „In der zweiten Mannschaft steckt so viel Aggressionspotenzial. Schon seit drei Wochen überlege ich, die Mannschaft abzumelden, denn sie ist einfach nicht kontrollierbar. Es macht keinen Sinn, sie weiterspielen zu lassen. Es gibt kein zurück mehr.“

Die Abmeldung des A-Liga-Teams – sie hatte sich angekündigt. Die Personalnot schon vor der Runde schlug sich in Erfolgslosigkeit nieder. In elf Saisonspielen kassierten die Kickers zehn Niederlagen und holten nur ein Remis. Mit einem Torverhältnis von 15:56 Toren steht die Truppe seit dem vierten Spieltag auf dem letzten Tabellenplatz. Und nun der traurige Höhepunkt in Würm.

Die Kickers waren dort erneut mit dem letzten Aufgebot – nur elf Spieler – angereist. Alexander Freygang (Co-Trainer des Verbandsligateams) betreute die Truppe und musste sogar spielen, da Spielertrainer Amir Ujkani in der „Ersten“ aushelfen musste.

Wittenauer gab zu, dass man zwei, drei Problemspieler in der Mannschaft hätte. Einer davon war laut Freygang schon in der ersten Halbzeit „auffällig“, aus disziplinarischen Gründen ließ er ihn dann auch in der Halbzeitpause draußen. Mit zehn Mann spielten die Kickers weiter und erzielten sogar einen Treffer zum 2:4 (60.). Als SG-Spielertrainer Torben Troglia in der 68. Minute das 6:2 markierte, nahm das Unheil seinen Lauf.

Troglia berichtet, er habe nach seinem Treffer eine Kusshand zu seiner Frau nach draußen geschickt, was Alexander Freygang wohl falsch verstanden hätte und darin wohl eine Provokation sah. Es kam zu einem Disput der beiden. Außerdem zu einer kurzen Rudelbildung.

Die Stimmung heizte sich auf, kurz nach Wiederanpfiff eskalierte sie dann endgültig. Laut Troglia bespuckten Kickers-Spieler seine Schützlinge, außerdem wäre er mit einem Kung-Fu-Tritt in den Oberschenkel attackiert worden. Der Schiedsrichter hätte versucht, den Überblick zu behalten. Zweimal zückte er die rote Karte. Woraufhin einige Gästespieler auf ihn losgegangen wären, so Troglia, und versucht hätten, ihm die Karte aus der Hand zu schlagen. „Der Spieler, der in der Halbzeit draußen blieb, hat dann noch dreimal versucht, mir einen Kopfstoß zu verpassen“, berichtet Troglia.

„Es war schlimm“, sagt Andreas Wittenauer zu den tumultartigen Szenen mit fast 30 Leuten auf dem Spielfeld. Alexander Freygang gestern: „Ich konnte die Situation nicht aufhalten. Ich kann mich an dieser Stelle nur noch einmal beim Gegner und beim Schiedsrichter entschuldigen.“ Die gerufene Polizei war in Würm schnell vorort und nahm die Personalien der Beteiligten auf. Troglia verzichtete allerdings auf eine Anzeige wegen Körperletzung.

Spieler sollen zahlen

Der Spielabbruch wird die Kickers einiges kosten. Die Strafe werde man allerdings an die Verursacher weiterleiten, erklärte Wittenauer, der momentan nicht zu beneiden ist. „Wir haben zu viele Nebenkriegsschauplätze“, ärgert er sich. „Vor der Runde war es das liebe Geld, jetzt die zweite Mannschaft – der Verein kommt einfach nicht zur Ruhe.“

Ärgern wird sich nun auch die Konkurrenz in der A2, da nach dem Rückzug der Kickers die Tabelle ein neues Gesicht bekommen wird.

Wie geht es nun mit dem Fusionsverein weiter – zumal auch die erste Mannschaft in der Verbandsliga ein Sorgenkind ist? Wittenauer: „Wir wollen die Runde zu Ende spielen, doch das wird richtig schwierig. Danach wird man sehen.“ Für ihn wird dagegen nach der Saison Schluss sein. Am 30. Juni endet seine Amtszeit bei den Kickers. „Fußball hat sich dann für mich für alle Zeiten erledigt“, sagt er. „Es reicht.“

Leserkommentare (0)