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16.07.2014

Kommentar: Bizarre Diskussion um belanglosen Gaucho-Tanz

Endlich! Die Gutmenschen und politisch Korrekten haben nach der wochenlangen schwarz-rot-goldenen Glückseligkeit das Haar in der Suppe gefunden. Wäre ja zu schön gewesen, wenn die Nationalspieler mit ihrer grandiosen WM den Deutschen ein neues Wir-Gefühl vermittelt hätten, ohne dabei in die nationalistische Falle zu laufen.


Ein Kommentar von PZ-Chefredakteur Magnus Schlecht


Nun wird ein paar Nationalspielern ihr so genannter Gaucho-Song zum Verhängnis. Wie lächerlich! Ganz abgesehen davon, dass die Spieler bei ihrem Auftritt gewiss nicht nur freudentrunken waren und im Sport ganz andere Gepflogenheiten gelten als auf der diplomatischen Bühne, sei zur Erinnerung gesagt: Diese Nationalmannschaft mit ihren vielen Spielern mit Migrationshintergrund steht für multikulturelles Leben im 21. Jahrhundert.

Sie stellte mit die fairste Mannschaft während des Turniers. Sie hatte in der Halbzeitpause des historischen 7:1-Erfolgs über Brasilien beschlossen, den Gegner nicht zu demütigen, und hat sich nach Schlusspfiff aus Respekt vor dem Gegner und der Gastgeber-Nation mit dem Jubeln zurückgehalten. Nicht zuletzt trösteten viele deutsche Nationalspieler nach dem Finale die tatsächlich gebückten und trauernden Argentinier.

Ausgerechnet diesen Jungs vorzuwerfen, sie würden mit einer solchen Darbietung in einer ausgelassenen Partylaune andere Nationen erniedrigen, ist geradezu bizarr. Niemand empört sich derweil darüber, dass der Nationalspieler Kevin Großkreutz unterm Brandenburger Tor für seine Döner- und Pinkel-Affäre von seinen Mitspielern verhöhnt wurde.

Nein, diese Auftritte waren voller Ironie und Selbstironie. Irgendwie wie eine Mischung aus Kabarett und Karneval, was wiederum beweist, wie kreativ und originell diese Jungs nicht nur Fußball spielen können. Einfach herrlich! Bleibt am Schluss zu singen: Oh wie war das schön, so was hat man lange nicht gesehen, so schön, so schön!

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