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Bundesligameister in Rekordzeit, rekordverdächtige Champions-League-Klatsche gegen Real Madrid – irgendwo dazwischen ist bei Bayern München etwas falsch gelaufen. Darüber wird sich Trainer Pep Guardiola so seine Gedanken machen müssen.
Bundesligameister in Rekordzeit, rekordverdächtige Champions-League-Klatsche gegen Real Madrid – irgendwo dazwischen ist bei Bayern München etwas falsch gelaufen. Darüber wird sich Trainer Pep Guardiola so seine Gedanken machen müssen. © dpa
30.04.2014

Kommentar: Wer zu früh die Bundesliga abhakt, den bestraft die Champions League

Der deutsche Rekordmeister ist heuer in Rekordzeit deutscher Meister geworden. Dass nebenbei die Bundesliga zur Zwei-Klassengesellschaft und obendrein auch noch langweilig wurde, schmälert die rein sportliche Leistung nicht. Das macht nur manchen Fußballfan traurig, der sich am Wochenende auf spannende Spiele mit unvorhersehbarem Ausgang freut. Dass diese nationale Überlegenheit des FC Bayern München jetzt kurz vor einem erneuten internationalen Triumph in einem totalen Fiasko endet, wirft Fragen auf.

Umfrage

Wer trägt die Schuld am Champions-League-Versagen von Bayern München?

Trainer Pep Guardiola 20%
Das "Mia san mia"-Gefühl 17%
Die Titel-satten Spieler 21%
Das Theater um Steuerbetrüger Uli Hoeneß 3%
Niemand, das passiert halt mal 25%
Mir egal 14%
Stimmen gesamt 880

Ist Wundertrainer Pep Guardiola doch nicht der Heilsbringer? Wird er am Maßstab Jupp Heynkes auf Normalmaß zurückgestutzt? Viele Bundesligafans, Spieler, Trainer und Vereinsbosse haben es ihm übel genommen, dass er nach Erreichen der Meisterschaft im doch leicht arroganten Stil des „Mia san mia“ erklärt hatte, dass für ihn die Bundesliga abgehakt sei. Da war den meisten Vereinen noch gar nicht klar, wohin die Reise geht, ob sie nächstes Jahr international oder Zweite Liga spielen.

Die Bayern-Spieler demonstrierten sofort, was ihr Chef Pep Guardiola mit abhaken versteht.

3:3 gegen Hoffenheim, 0:1 gegen Augsburg, 0:3 gegen Dortmund, das 2:0 gegen Braunschweig war ein glücklicher Last-Minute-Sieg und das 5:2 gegen Bremen ein verspätetes Aufwachen mit kurzzeitigem Spielrausch. Wegen dieser Bundesliga-leck-mich-Einstellung der Münchner hat sogar der HSV am kommenden Samstag eine reelle Siegchance.

Was hat die abgehakte Bundesliga mit dem sang- und klanglosen Untergang in der Champions League zu tun? Die Konzentration fehlt. Und vielleicht ist es auch diese an Überheblichkeit grenzende Attitüde des Unschlagbaren, über die der Verein gestolpert ist. Pep Guardiola hat sein gesamtes Team rauf und runter spielen lassen. Bayern B gegen Hoffenheim, Bayern C gegen Augsburg, da konnte Bayern A uneingespielt und unfokussiert gegen Dortmund nichts ausrichten.

Das Team konnte den Spannungsbogen von den letzten Tagen vor der Meisterschaftsfeier bis hin zum Champions-League-Halbfinale nicht halten. Die Bayern wirkten zuletzt unkonzentriert. Da war die Luft raus. Und wenn sie in jedem Spiel gefühlte 100 Prozent Ballbesitz hatten, so reichte das am Ende doch nicht für den entscheidenden Pass in den Strafraum und den vom Erfolg gekrönten Torschuss.

Ein wenig mehr Demut wäre vielleicht hilfreich gewesen, aber wer kennt schon bei Bayern München solch ein Wort? Was hätte noch geholfen? Weniger „Mia san mia“, weniger Respektlosigkeit, sondern mehr Ernsthaftigkeit auch in Spielen, die keiner mehr wirklich braucht, weil die Siegerschale von verteilt ist. Pep Guardiola hat es versäumt, die Konzentration und Spannung hoch zu halten. Die Bayern-Spieler können kicken, aber sie brauchen ihre tägliche Dosis an Herausforderung, um Bestleistungen abzurufen. Das ist nicht gelungen.

Gegen Real Madrid boten die Münchner das Bild eines wirren, konfusen Hühnerhaufens, der ahnt, dass irgendwo ein Fuchs in der Nähe ist. Ob die Hühner von Bauer Pep der vielen Aufregung wegen in dieser Saison überhaupt noch Eier legen können, ist fraglich. Immerhin könnten sie ja im DFB-Pokal noch Meister werden, wenn Gegner Borussia Dortmund das bayerische Federvieh im Finale nicht gnadenlos rupft. Dann würden sogar die hartgesottenen FCB-Vereinsbosse mit Tränen in den Augen an den guten, alten Jupp und seine geile Titel-Orgie denken.