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Immer mehr Zuschauer filmen mit ihrem Smartphone Spiele im Amateurbereich. Die Aufnahmen dürfen allerdings nicht als „Videobeweis“ für strittige Szenen herhalten. Foto: Meyer
Immer mehr Zuschauer filmen mit ihrem Smartphone Spiele im Amateurbereich. Die Aufnahmen dürfen allerdings nicht als „Videobeweis“ für strittige Szenen herhalten. Foto: Meyer
05.11.2018

Kurioser Videobeweis? – Handyaufnahme sorgt beim Spiel in Königsbach für Aufregung

Pforzheim. Einen kuriosen Videobeweis soll es am vergangenen Spieltag in der Fußball-Kreisklasse A1 Pforzheim bei der Partie SV Königsbach gegen den FV Lienzingen (Endstand 1:1) gegeben haben.

Nach Angaben der Heimmannschaft nahm der Schiedsricher einen Treffer der Königsbacher zurück, nachdem er die Handyaufnahmen eines Lienzinger Zuschauers studiert habe. Dem widerspricht jedoch der Lienzinger Coach. Die PZ klärt auf:

Was war beim Spiel Königsbach gegen Lienzingen passiert?

Die Königsbacher Version: der Schiedsrichter soll in der 70. Minute beim Stand von 1:1 einen Treffer von Tristan Birnmeyer zurückgenommen haben, nachdem er von mehreren Lienzinger Zuschauern auf dem Platz bedrängt und ihm dabei eine Handyaufnahme vorgehalten wurde. Ein Zuschauer soll den Passgeber zum Tor, Carlo Kigham, fotografiert haben, als der sich außerhalb des Spielfeldes die Schuhe schnürte. Dieser soll dann ohne Zustimmung des Referees den Platz wieder betreten und das vermeintliche 2:1 vorbereitet haben.

Die Lienzinger Version: Der Schiedsrichter sei auf die Handaufnahme gar nicht eingegangen, sagt Lienzingens Trainer Michael Horntrich. Er habe hingegen den Schiri auf den Regelverstoß von Kigham aufmerksam gemacht. Der Schiedsrichter habe nach Befragung des Spielers und nach Rücksprache mit einem Königsbacher Betreuer das 2:1 zurückgenommen. Der „Videobeweis“ hätte also gar keine Rolle gespielt.

Wie reagieren die Königsbacher einen Tag nach dem Spiel, in dem es nach der Aktion große Tumulten gab?

Sie sehen das Ganze mittlerweile ziemlich entspannt. Das Wichtigste: „Wir verzichten auf einen Protest“, sagt Spielleiter Jérôme Nell. Er gibt zu, dass der Schiedsrichter sowohl den Spieler als auch den Betreuer befragt habe. „Im Endeffekt ist alles ein bisschen dramatischer dargestellt worden, als es tatsächlich war. Einige Zuschauer wollen den Schiedsrichter aber doch mit dem Handy in der Hand gesehen haben“, so Nell.

Was sagt der Schiedsrichter?

In seinem Spielbericht, der dem Badischen Fußballverband (BFV) vorliegt, schreibt der Unparteiische, dass er seine Entscheidung nur aufgrund der Befragung des Spielers und des Betreuers zurücknahm.

Darf der Schiedsrichter überhaupt Handyaufnahmen als Beweismittel benutzen?

Klares Nein! Der Videobeweis ist in Deutschland nur in der Bundesliga und im DFB-Pokal ab dem Viertelfinale zugelassen.

Gab es trotzdem schon mal den Fall, dass sich der Schiedsrichter in der Kreisliga von Handyaufnahmen eines Zuschauers beeinflussen ließ?

Gerade erst vor sechs Wochen, im Lokal-Derby SV Mölschbach gegen SG Hochspeyer in der B-Klasse Kaiserslautern-Donnersberg Süd. Der Schiri gab den vielumjubelten Mölschbacher 3:2-Siegtreffer in der Schlussphase nicht, weil er den Ball zuvor im Aus gesehen hatte. Nachdem er aber die Szene noch einmal auf dem Handy eines Zuschauers ansah, gab er seinen Fehler zu und entschied auf Tor. Hochspeyer legte daraufhin Protest ein. Mit Erfolg: die Partie muss nun wiederholt werden. Allerdings nicht, weil ein Videobeweis in der Kreisliga für ungültig erklärt wurde, sondern weil auf einem weiteren Video eines Zuschauers zu sehen ist, dass sich der Schiedsrichter den Smartphone-Mitschnitt der entscheidenden Szene gar nicht angesehen hatte.

Dürfen Handyaufnahmen als Beweismittel vor dem Sportgericht herangezogen werden?

Beim BFV ist ein Videobeweis zur Urteilsfindung nicht erlaubt. Grund: „Das ist nicht flächendeckend und hätte eine ungleichmäßige Behandlung zur Folge“, erklärt Felix Wiedemann vom Spielbetrieb. Anders wäre das jedoch im Falle von Ausschreitungen.