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29.09.2010

Land unter beim VfB: Analyse der PZ

Es ist Herbst. Die Zeit, in der es beim VfB Stuttgart schlecht läuft. Wieder einmal. Ja fast schon traditionell. Wie den welken Blättern der Bäume erging es den Schwaben zuletzt in der Fußball-Bundesliga. Sie fielen, stürzten regelrecht ab. Drei magere Pünktchen aus sechs Partien – die bisherige Ausbeute der VfB-Akteure ist erschreckend und alarmierend. Das Team von Trainer Christian Gross steckt erneut tief im Schlamassel – wie bereits in der Spielzeit 2009/2010. Doch wo liegen die Gründe für die teils desaströsen Leistungen der Stuttgarter? Die Pforzheimer Zeitung versucht eine Analyse:

 Die Abgänge: Über Sami Khedira kann man denken und sagen, was man will. Den späten Wechsel des 23-Jährigen zu Real Madrid hat der VfB zu keiner Zeit kompensieren können. Christian Gentner, Zdravko Kuzmanovic und Christian Träsch wurden vor Saisonbeginn zwar als gleichwertiger Ersatz angepriesen. Zumindest Rückkehrer Gentner (VfL Wolfsburg) und der 23-jährige Serbe Kuzmanovic sind den Beweis dafür bislang schuldig geblieben. Der zweikampfstarke und stets gewillte Träsch könnte die Lücke vielleicht schließen, muss aber immer wieder hinten rechts in der Viererkette der Schwaben aushelfen. Der für dort fest eingeplante Neuzugang Philipp Degen (FC Liverpool) leidet zurzeit am Pfeifferschen Drüsenfieber und ist vorerst nicht einsatzbereit. Das Nachwuchstalent Patrick Funk ist bei weitem noch nicht in der Lage, Khedira zu ersetzen.
 Die Neuzugänge: Johan Audel (FC Valenciennes), Philipp Degen und Mauro Camoranesi (Juventus Turin) bringen es zusammen bislang auf sechs Einsätze in der Bundesliga. Alle drei wurden spät verpflichtet und als große Verstärkungen für die Mannschaft angepriesen. Audel und Degen, die wegen Verletzungen seit Saisonbeginn nur einmal auf dem Platz standen, hatten noch nicht die Chance, ihr Potenzial unter Beweis zu stellen. Altstar Camoranesi – mit Italien immerhin Weltmeister – ist bei seinen bisherigen vier Einsätzen in der Bundesliga eigentlich nur durch eine Notbremse im Heimspiel gegen Bayer 04 Leverkusen (1:4) und einem damit verbundenen Roten Karte aufgefallen. Martin Harnik (Fortuna Düsseldorf) kam bislang zwar immer zum Einsatz, mehr als ein Ergänzungsspieler ist er zurzeit aber noch nicht. Christian Gentner präsentiert sich seinerseits zwar in ordentlicher Form, hinkt seinem Leistungsniveau, das er beim VfL Wolfsburg erreicht hatte, aber deutlich hinterher.
Der Torhüter: Sven Ulreich gehört beim VfB die Zukunft – keine Frage. Grobe Patzer sind dem 22-Jährigen noch nicht unterlaufen. Die Lücke, die Jens Lehmann (Karriereende) im Stuttgarter Tor hinterlassen hat – sowohl als charakterstarker Typ wie auch als Weltklasse-Keeper – kann der unerfahrene Ulreich (noch) nicht schließen. Alleine durch seine Anwesenheit und seine lautstarken Kommandos hatte Lehmann der Schwaben-Abwehr viel Sicherheit verliehen – jene, die dem VfB bislang völlig zu fehlen scheint.
 Die Sportliche Leitung: Es liegt auf der Hand, dass das Wechsel-Hickhack um Sportvorstand Horst Held den Stuttgartern zugesetzt hat. Der 40-Jährige kehrte dem VfB schließlich den Rücken und heuerte unmittelbar vor Beginn der neuen Saison beim FC Schalke 04 an. Ob sein Nachfolger, Fredi Bobic, der richtige Mann für diesen Posten ist, wird sich erst noch zeigen. Weil der 38-Jährige aber quasi in einer Nacht- und Nebelaktion verpflichtet werden musste, hatte er keine Zeit mehr, der Mannschaft ein passendes Gesicht zu verpassen – sein Gesicht. Und so muss der VfB bis zur Winterpause versuchen, mit dem vorhandenen Spielermaterial die Kurve zu kriegen – schließlich ist ein Europacup-Platz das Ziel des Clubs. Jerôme Nell