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So große Nähe war zwischen Stadt Pforzheim und Sportkreis zuletzt selten: Die Sporkreisvorsitzende Gudrun Augenstein (links) mit OB Gert Hager (Mitte) und Sportbürgermeisterin Monika Müller (Zweite von rechts) bei der Einweihung der Bertha Benz Halle. Rechts Architekt Götz Biller, Zweite von links Schulrektorin Edith Drescher.  Foto: Ketterl
So große Nähe war zwischen Stadt Pforzheim und Sportkreis zuletzt selten: Die Sporkreisvorsitzende Gudrun Augenstein (links) mit OB Gert Hager (Mitte) und Sportbürgermeisterin Monika Müller (Zweite von rechts) bei der Einweihung der Bertha Benz Halle. Rechts Architekt Götz Biller, Zweite von links Schulrektorin Edith Drescher. Foto: Ketterl
02.12.2016

Landrat sauer: Sportkreis will standhaft bleiben und boykottiert Ehrenamtstag

Der Sport in Pforzheim wehrt sich – und bekommt Zuspruch. Das jedenfalls berichtet Wolfgang Hohl, stellvertretender Vorsitzender des Sportkreises Pforzheim-Enzkreis. Die Dachorganisation des regionalen Sports hatte am Donnerstag den Boykott des Ehrenamtstages, den die Politik am Montag veranstaltet, in einem offenen Brief bekanntgegeben und ausführlich begründet. „Ich werde oft darauf angesprochen. Und die Leute sagen, dass es richtig ist, dass wir uns wehren“, berichtet Hohl. Einer, der sich über den Boykott allerdings gar nicht freut, ist Karl Röckinger. Der Landrat des Enzkreises ist in Langenalb Gastgeber der Veranstaltung zum Ehrenamtstag.

Er fühlt sich als Bauernopfer in einem Streit, den Sportkreis und die Stadt Pforzheim miteinander ausfechten. „Generell finde ich es nicht gerade glücklich, wenn man über eine Veranstaltung, für die der Enzkreis die Federführung hat, Streitigkeiten austrägt, die Pforzheim alleine betreffen“, sagt Röckinger. Dass die Organisation nun auch die Sportvereine aus dem Enzkreis nicht repäsentieren wolle, sei nicht die feine Art, sagt der Landrat und spricht von Sippenhaftung.

Tatsächlich hat der Sportkreis mit dem Enzkreis keine Probleme. „Dass es nun zu 50 Prozent auch den Landrat trifft, tut uns leid“, sagt Wolfgang Hohl, „aber wir müssen das jetzt durchziehen. Wir müssen das Eisen schmieden, solange es heiß ist.“

Publik wurde der Boykott durch einen offenen Brief, den den Sportkreis vor einigen Tagen schon an Pforzheims Oberbürgermeister Gert Hager geschickt hatte. Der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde das Schreiben aber erst am Donnerstag, nachdem Hager geantwortet hatte. Der Sportkreis hatte in seinem Schreiben, das neben Hohl die Vorsitzende Gudrun Augenstein und ihr zweiter Stellvertreter Frank Nauheimer unterschrieben hatten, einmal mehr die mangelnde Wertschätzung durch die Stadt angeprangert, die sich in einer schlechten Sportförderung ebenso widerspiegele wie beim Fehlen von Sportthemen in wichtigen Planungsprozessen. Hager hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und die Sportvertreter aufgefordert, „die Notwendigkeit einer Haushaltskonsolidierung nicht mit mangelnder Wertschätzung gleichzusetzen“.

In die Diskussion steigen inzwischen auch die ersten Gemeinderäte ein. Die Fraktion von FDP und Freien Wählern zeigt „großes Verständnis“ für den Sportkreis. „Wir werden konsequent gegen alle Kürzungen stimmen, die ehrenamtliches Engagement betreffen. Das wird hauptsächlich in den Bereichen Sport, Soziales, Bildung und Kultur sein“, kündigt Fraktionsvize Michael Schwarz an. Sein Chef Hans-Ulrich Rülke greift den Oberbürgermeister direkt an. Der solle sich mehr um die städtischen Finanzen kümmern, „anstatt 80 Prozent seiner Arbeitszeit mit Fototerminen für das Schmuckjubiläum zu verschwenden“.

Keine kurzfristige Entwicklung

Persönliche Angriffe liegen den Sportkreisvertretern fern. Frank Nauheimer sieht nicht nur Gert Hager und Sportbürgermeisterin Monika Müller für die aktuellen Probleme verantwortlich. „Dass der Sport in dieser Stadt so abgehängt wird, ist ja keine kurzfristige Entwicklung. Aber wir haben auch nicht das Gefühl, dass da etwas korrigiert wird.“ Der Sportkreis bleibe gesprächsbereit. „Aber wir warten zunächst einmal ab, was im Gemeinderat passiert“, sagt der Sportkreis-Vize.

Man könnte nun die Frage stellen, ob als Moderator für Gespräch vielleicht Landrat Karl Röckinger tauge. Doch der hat bereits abgewunken: „Dafür sehe ich kein Mandat. Ich mische mich nicht in städtische Angelegenheiten ein.“