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Verirrt im Linien-Wirrwarr der Bertha Benz Halle.
Verirrt im Linien-Wirrwarr der Bertha Benz Halle.
29.01.2016

Linien-Wirrwarr in der neuen Bertha-Benz Sporthalle in Pforzheim

Zuschauer bleiben stehen und reiben sich verwundert die Augen beim Betreten der Bertha-Benz-Sporthalle. Das Linien-Wirrwarr auf dem Hallenboden sorgt seit der Einweihung der Sportstätte in Pforzheims Innenstadt im vergangenen Jahr für lebhafte Diskussionen.

Der giftig grüne Untergrund sowie die grünen Wände und Tribünen sind ein zusätzlicher optischer Kraftakt für den Betrachter. „Grüne Hölle“ wird die Halle deshalb von den Mitgliedern der TGS Pforzheim und der SG Pforzheim/Eutingen schon genannt. Die Handballer nutzen die neue, 2000 Zuschauer fassende Sportstätte, vorwiegend. Außerdem ist sie die Schulsporthalle für die Schülerinnen und Schüler des Hilda-Gymnasiums.

Wozu die vielen Linien?

Sven Kaiser vom Schul- und Sportamt der Stadt Pforzheim, das die Halle zusammen mit dem Gebäudemanagement federführend geplant hat, klärt auf: „So eine Halle hat es noch nie in Pforzheim gegeben. Deshalb wollen wir allen Sportarten gerecht werden.“ Das Grün sei ein Wunsch des Architekten gewesen. Es soll ein besonderes optisches Merkmal der Halle sein. „Man wollte einen Akzent in Grün setzen. Die Heimmannschaften aus Pforzheim sollten sich so langsam daran gewöhnt haben“, so Kaiser. TGS und SG spielen dort seit September 2015.

Sind das nicht zu viele Linien und Felder?

Es sieht so aus. Aber der Mann vom Schul- und Sportamt verteidigt die Planungen. „Jede Linie hat ihre Berechtigung. Sie sind für die Basis-Sportarten Handball, Basketball, Volleyball und Badminton“, sagt Sven Kaiser und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Ein guter Sportler kennt sein Spielfeld.“ Um die Spielfläche für die Handballer, die am häufigsten in der Halle zu finden sind, übersichtlicher zu gestalten, wurde in den Weihnachtsferien der Wurfkreis farblich unterlegt. Alle Spielfelder scheinen Sinn zu machen. Sie sorgen auch für Abwechslung im Schulsport-Alltag. Die beiden Zwei-Drittel-Handballfelder hätte man sich allerdings sparen können. Dann kann man gleich übers ganze Feld spielen.

Ist die Halle geeignet für große Sportevents?

Nur bedingt. Für bedeutende Länderspiele in Kernsportarten wie Handball, Basketball oder Volleyball ist sie zu klein. Ein Basketball-Bundesligaspiel könnte wegen der vielen Linien voraussichtlich auch nicht stattfinden, wie Sven Kaiser anmerkt. Nur mit einem Auslegeboden, der die Linien verbirgt, wäre das möglich. Im Gespräch sind derzeit eine nationale Meisterschaft im Tischtennis oder eine Turn-Gala als Zuschauer trächtige Events. Hätten die Ringer des KSV Ispringen das deutsche Mannschaftsfinale erreicht, wäre eventuell auch ein Gastspiel in der Bertha-Benz-Halle fällig gewesen. Der Pforzheimer Gemeinderat drängt darauf, dass die neue, moderne Halle, für die 16,2 Millionen Euro an Kosten veranschlagt waren, auch für Großereignisse vermarktet und genutzt wird.

Was sagt die Schulleitung des Hilda-Gymnasiums zu den vielen Linien?

„Im Schulsport werden diese vielen Linien definitiv nicht gebraucht“, erklärt Rektorin Edith Drescher auf Anfrage. Ihre Sportlehrer fänden diese allerdings auch nicht störend.