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Löw (Foto) hat sich entschieden: EM-Kader ohne ter Stegen, Sven Bender, Draxler, Cacau
Löw (Foto) hat sich entschieden: EM-Kader ohne ter Stegen, Sven Bender, Draxler, Cacau © dpa
Wütender Bundes-Jogi: Löw ärgert sich über die deutsche Hintermannschaft
Wütender Bundes-Jogi: Löw ärgert sich über die deutsche Hintermannschaft © dpa
26.05.2012

Löw wüted, Poldi lacht und die Abwehr plaudert: Das Gute an Deutschlands Pleite

Basel. Ein Zucken in den Mundwinkeln, ja sogar den Ansatz eines Lächelns konnte sich Sami Khedira nach der 3:5 Pleite der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen die Schweiz abringen. „Vielleicht haben wir es ja heute geschafft, aus einem EM-Favoriten einen Außenseiter zu machen“, mutmaßte der Abräumer im Anschluss an die Partie. Obwohl sein Schmunzeln verriet, dass er seinen Worten selbst nicht glaubte, zeigten sie doch auch: Abseits der Kameras hatte das vorletzte Testspiel vor der EM selbst für Deutschland seine besseren Seiten. PZ-news war am Samstag in Basel vor Ort und hat fünf weitere Mutmacher gezählt.

1. Poldi lacht wieder

Chaos-Saison? Abstieg mit dem 1.FC Köln? Lukas Podolski hat die Nackenschläge der abgelaufenen Saison weggesteckt und den Spaß am Spiel am Kicken wiedergefunden. Das zeigte sich am Samstag weniger auf dem Platz, wo er 62 Minuten lang fast unsichtbar über den Rasen schlich. Aber 75 Minuten vor dem Spiel war ihm die gute Laune umso mehr anzumerken: Als seine Kollegen bei der ersten Platzbegehung unschlüssig, abwartend auf dem Rasen standen, schnappte sich Podolski als einziger einen Ball. Jonglierte, schoss, lachte. Der Spaßvogel in ihm war auch bei den Nationalhymnen noch nicht ausgeflogen: Während die Schweizer Strophen erklangen, neckte der Flügelflitzer seinen Nebenmann Mesut Özil.

2. Mesut Özil Superstar

Ein faires, ein lautes, ein blasmusikfreudiges Publikum hatte am Samstagabend den Weg in den Basler St. Jakob-Park gefunden. Zumindest vor dem Spiel feuerten die Fans immer wieder einen Deutschen an. Nein, nicht Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp, der sich bei den „Hopp Schwiz“-Rufen möglicherweise geehrt fühlten. Sondern Mesut Özil: Als der Name des deutschen Spielmachers vom Stadionsprecher verlesen wurde, applaudierten erstmals nicht nur die wenigen deutschen Fans. Vielmehr jubelte fast jeder der 27381 Zuschauer dem Real-Star zu.

3. Sie reden miteinander

Höwedes, Hummels, Mertesacker, Schmelzer. Diese vier werden wohl nie wieder eine gemeinsame Vierkette bilden – und das ist auch gut so. Das Zweikampfverhalten bei hohen Bällen erinnerte zuweilen an Zweitligaabsteiger Karlsruher SC, von einer Abstimmung war nicht einmal bei den Dortmunder Kickern Hummels und Schmelzer etwas zu erkennen. Mut machte einzig eine Szene vor Beginn der zweiten Hälfte: Da hatte sich die Pannen-Kette vorm eigenen Strafraum zur Aussprache versammelt. Mertesacker gestikulierte, Höwedes gestikulierte, Hummels gestikulierte. Die Worte waren von der Tribüne aus zwar nicht zu hören. Aber dass die verbale Offensive zu den wütenden Gesten nicht allzu freundlich war, ist sehr wahrscheinlich. Sie reden also noch miteinander – immerhin.

4. Mehr als nur ein Sommerkick

Im deutschen Team nahm zumindest einer das Spiel offensichtlich ernst: Bundestrainer Joachim Löw. An der Seitenlinie wurde er von Minute zu Minute wütender. Erst rief er und versuchte, seine Mannen zu dirigieren. Dann schrie er und wedelte mit den Armen wild in der Luft. Und schließlich winkte er noch resigniert ab. Einerseits war das traurig für die deutschen Fans. Andererseits zeigte es auch: Zumindest der Bundestrainer ist auf höchster EM-Betriebstemperatur. Für ihn war das Spiel mehr als nur ein lauer Sommerkick. „Wir haben viel aufzuarbeiten, die defensive Leistung war heute schlimm“, sagte der DFB-Trainer nach dem Spiel. Er betonte aber auch, dass seine Spieler direkt aus dem Trainingslager gekommen seien. Dahin ging es noch am Abend wieder zurück: Um den Flieger nach Nizza zu erreichen, verließen Jogis Jungs schon gut 30 Minuten nach Schlusspfiff das Stadion – Duschen und Interviews inklusive.

5. Lob für den Deutschen

Auch nach dem Spiel gab es noch einen Grund zur alemannischen Freude: Eren Derdiyok, mit drei Treffern Spieler des Spiels, verriet, dass ein deutscher Trainer die Idee zum Freistoß-Trick beim 5:3 hatte: Der „Nati“-Coach Ottmar Hitzfeld aus dem südbadischen Lörrach! „Ich fand das eigentlich nicht gut, weil da wo der Ball hinkam, eigentlich immer ein Gegenspieler steht“, gestand Derdiyok. Doch nicht bei den Deutschen: Da durfte Ziegler antäuschen auf links durchlaufen, den Pass von Inler annehmen und an den Pfosten setzen – und Mehmedi durfte den Nachschuss zum 5:3 verwandeln. Chapeau, Ottmar!

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