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Schlagkräftig: Sascha Sharma würde gerne für die UFC, den amerikanischen MMA-Verband, kämpfen. Foto: Ketterl
Schlagkräftig: Sascha Sharma würde gerne für die UFC, den amerikanischen MMA-Verband, kämpfen. Foto: Ketterl
Fast alles ist erlaubt: Sascha Sharma (unten) bei einem Kampf in Russland gegen Dmitri Shevchenko. Hier im Ring statt im Käfig. Foto: Privat
Fast alles ist erlaubt: Sascha Sharma (unten) bei einem Kampf in Russland gegen Dmitri Shevchenko. Hier im Ring statt im Käfig. Foto: Privat
13.05.2016

MMA-Fighter Sascha Sharma: „Unser Sport ist brutal, aber fair“

Er teilt aus, steckt aber auch immer wieder ein. Sascha Sharma. Der 28-Jährige aus Birkenfeld betreibt den härtesten Kampfsport der Welt. MMA – Mixed Martial Arts. Eine „gemischte Kampfkunst“ aus Boxen, Kickboxen, Karate, Ringen und Jiu-Jitsu. Ein Sport, der viele Kritiker hat. Sie sprechen von „wilder Schlägerei“, „purer Gewalt“ und „höchster Brutalität“. Sascha Sharma sieht das natürlich anders. Im PZ-Interview verteidigt er seine Sportart und glaubt, dass sie bald in Deutschland mehr Aufmerksamkeit bekommt.

PZ: MMA-Kämpfe sind gnadenlose Käfigkämpfe, die so lange dauern, bis ein Kämpfer blutüberströmt zusammenbricht oder aufgibt. Stimmt das?

Sascha Sharma: In gewisser Weise schon. Es geht darum, den Gegner zur Aufgabe zu zwingen. Entweder er gibt selbst auf oder der Ringrichter entscheidet auf technischen K.o. Das Ganze unterliegt natürlich einem Regelwerk. Nicht alles ist erlaubt, wie es früher einmal war. MMA ist eine freie Form des Kampfes. Techniken aus dem Ringen werden zum Beispiel angewandt oder Bodentechniken. Ich darf den Gegner am Boden schlagen und treten, allerdings nicht zum Kopf, sondern nur zum Körper. Hin und wieder kommt es eben auch zu Cuts. Deshalb fließt in einigen Kämpfen auch Blut.

PZ: Das ist doch brutal ...

Sascha Sharma: Unser Sport ist brutal, aber fair. So wie jede andere Kampfsportart auch. Noch härter als MMA ist allerdings thailändisches Kickboxen. Hier geht es vorwiegend um Schläge und Tritte gegen den Kopf mit Fuß, Knie und Ellbogen.

PZ: Erst kürzlich ist mit Joao Carvalho ein portugiesischer MMA-Kämpfer im Alter von 28 Jahren an den Folgen einer im Kampf erlittenen Kopf-Verletzung gestorben. Macht Sie das nicht nachdenklich?

Sascha Sharma: Ja natürlich. Wenn jemand stirbt, ist das immer schlimm. So etwas nimmt man ernst. Doch angeblich hatte er auch eine Vorschädigung des Gehirns. Ich denke, die Gefahr im Ring zu sterben, ist im Boxen viel größer. Hier bekommt man über zwölf Runden immer wieder Schläge gegen das Gehirn. Die Boxhandschuhe sorgen dafür, dass man äußerlich keine Verletzungen davonträgt, doch innerlich bekommt das Gehirn ordentlich was ab. Immer und immer wieder. Und nach einem Niederschlag geht es weiter. Beim MMA sind die Handschuhe nicht so stark gepolstert. Dadurch sind Knockouts mehr an der Tagesordnung. Es kommt auch öfters zu Cuts, doch die bringen Dich nicht um, die sehen nur hässlich aus.

PZ: Aber der Sport hat doch überhaupt keine Vorbildfunktion?

Sascha Sharma: Warum nicht? Ich trainiere Jugendliche, die wollten anfangs nur MMA lernen, um sich auf der Straße zu fetzen. Mittlerweile haben sie Respekt. Respekt vor der Sportart, vor sich selbst und anderen Menschen. Sie sind hilfsbereit, und selbstbewusst. Der Sport hat sie positiv beeinflusst. Sie sind bessere Menschen geworden. Das war auch bei mir so. Außerdem: Wenn ich kämpfe, dann herrscht kein Krieg im Ring. Ich will niemanden umbringen. Ich habe keinen Hass auf meinen Gegner, ich will ihn nur besiegen – mit den erlaubten Mitteln.

PZ: Sind Sie schon mal so richtig zugerichtet worden?

Sascha Sharma: Bisher habe ich mir nur mal die Schulter ausgekugelt. Ansonsten bin ich mit einem blauen Auge davongekommen. (lacht)

PZ: Haben Ihre Eltern keine Angst um Sie?

Sascha Sharma: Sie akzeptieren meinen Sport. Allerdings schauen Sie sich meine Kämpfe nicht an. Das will ich auch gar nicht. Ich brauche keine Unterstützung, ich brauche nur meinen Trainer.

PZ: Was gibt Ihnen der Sport?

Sascha Sharma: Ich kann mich komplett verlieren in diesem Sport. Es ist einfach faszinierend, sich mit Anderen mit den verschiedensten Techniken zu messen. Außerdem habe ich dadurch ein gutes Körpergefühl entwickelt, meinen Willen geschult. All das habe ich früher beim Fußballspielen nicht erfahren. Außerdem ist MMA ein unverfälschter Sport. Boxen ist viel Politik. Beim MMA gibt es keine kuriosen Kampfrichterurteile.

PZ: Wie oft trainieren Sie?

Sascha Sharma: Täglich bis vier Stunden. Drei Tage in der Woche trainiere ich im Kong’s Gym in Stuttgart und Karlsbad, wo ich auch Training gebe. Den Rest der Woche suche ich mir Trainingspartner in den verschiedenen Kampfsportarten. Ich boxe mit Alexander Künzler in Niefern, trainiere mit Kickboxer Ramin Abtin oder schaue bei den Ringern des KSV Ispringen vorbei.

PZ: Was sollte man mitbringen, wenn man in den Käfig will? Eine gewisse Grundaggressivität wäre wohl nicht schlecht.

Sascha Sharma: Muss nicht sein. Ich kenne Sportler, die sind völlig ruhig und in sich gekehrt. Im Käfig explodieren sie dann. Man braucht Verstand, man muss fokussiert sein und intelligent. Denn wer plump in den Kampf geht, läuft gegen eine Wand.

PZ: Kann man von dem Sport leben?

Sascha Sharma: Ich mittlerweile schon – einigermaßen. Bei internationalen Wettkämpfen gibt es sozusagen einen guten Monatslohn. Den Preis darf ich nicht nennen. Durch meine Arbeit als Trainer habe ich finanziell keine Probleme.

PZ: In den USA ist MMA populärer als Boxen. Auch in anderen europäischen Ländern findet die Sportart Beachtung. Warum in Deutschland nicht?

Sascha Sharma: Wir gelten eben immer noch als die Straßenschläger. MMA wird als Verbrechen angesehen und deswegen auch nicht im Fernsehen gezeigt. Aber „Ran“ hat sich nun MMA aufgenommen. Es wird im Internet gezeigt. Auf ARD und ZDF wird man MMA-Shows wohl nie sehen, doch bestimmt irgendwann mal bei Sat 1 oder Pro 7. Die Popularität wird zunehmen. Allerdings werde ich dann wohl leider nicht im Ring stehen.

PZ: Was sind Ihre Ziele?

Sascha Sharma: Ich will in der UFC (Ultimate Fighting Championship, weltweit größter MMA-Veranstalter, Anm. d. Red.) kämpfen. Ich will um die Welt reisen und Kämpfe bestreiten. Wer in der UFC Weltmeister wird, ist der Beste.