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Marco Schmidt verpasst WM-Finale © dpa
01.09.2011

Marco Schmidt verpasst WM-Finale

Acht Zentimeter – das ist exakt die Länge einer handelsüblichen Filterzigarette – fehlten Marco Schmidt gestern zum Einzug ins Kugelstoß-Finale bei der Leichtathletik-WM in Daegu. „Es ist schade, dass es so knapp nicht gereicht hat. Ich bin aber froh, dass ich über 20 Meter gestoßen habe und nicht mit 19,40 Meter rausgehe“, sagte Schmidt anschließend im Gespräch mit der „Pforzheimer Zeitung“.

Bildergalerie: Szenen aus dem Kugelstoßer-Leben von Marco Schmidt

Mit 20,06 Metern, gestoßen im ersten von drei Versuchen, lieferte er in der Qualifikation eine passable Leistung ab. Im letzten Versuch riskierte der 27-Jährige alles. Die Kugel kratze die 20,20 Meter-Marke, Schmidt trat über und landet schließlich auf dem undankbaren 13. Platz. Zwölf Athleten kommen ins Finale. „Ich habe den Stoß nicht halten können, schade“, ärgerte sich Schmidt.

Trotzdem bucht Marco Schmidt die WM als Erfolg ab. Angesichts der Umstände war wohl nicht mehr drin. Drei Tage vor der deutschen Meisterschaft (23. Juli) zog sich der Modellathlet aus Niefern einen Bandscheibenvorfall zu, konnte zwei Wochen nicht trainieren. Das war Gift für die WM-Vorbereitung. Dass er sich dennoch durchkämpfte und die 20-Meter-Marke knackte, ist aller Ehren wert. „Ich weiß, was möglich gewesen wäre, wenn ich die Pause wegen der Verletzung nicht gehabt hätte“, sagte Schmidt gestern.

Vor dem Fernseher fieberten in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag die Eltern von Marco Schmidt, Gerlinde und Gerhard Schmidt, in Niefern mit. „Es war sehr aufregend. Wir sind glücklich und zufrieden. Ich finde, Marco hat sich gut verkauft“, freute sich Gerlinde Schmidt.

Mit Interesse verfolgt auch Peter Hess die WM. Der Vorsitzende des Leichtathletikkreises Pforzheim hatte schon vor dem Wettkampf prophezeit, dass Schmidt wohl 20,20 bis 20,30 Meter weit stoßen müsse, um ins Finale zu kommen. Damit lag er beinahe richtig: 20,14 Meter hätten gereicht.

Bis 2006 startete Marco Schmidt für den LC 80 Pforzheim. Dann wechselte er zum VfL Sindelfingen. Der Zweimeter-Hüne wird am kommenden Montag beim Rückflug aus Daegu 28 Jahre alt. Sein großes Ziel sind jetzt die Olympischen Sommerspiele 2012 in London.

Die größte Weite bei der Qualifikation der Kugelstoßer erzielte übrigens der Deutsche David Storl. Mit 21,50 Metern überbot er seine persönliche Bestleistung gleich um 45 Zentimeter. Jetzt zählt der 21-jährige Chemnitzer plötzlich zum Kreis der Titelkandidaten, wenn es heute (12.00 Uhr/MESZ, live im ZDF) um den WM-Sieg geht. Ebenfalls im Finale steht Altmeister Ralf Bartels, der die Quali als Achter mit 20,45 Metern abschloss.