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Früher feuerte Marvin Wanitzek den KSC an, inzwischen steht er bei den Karlsruhern selbst im Blickpunkt.  Foto: dpa 

Marvin Wanitzek beim Karlsruher SC: Aus dem Fanblock in den Profi-Kader

Karlsruhe. Als Marvin Wanitzek zum vereinbarten Treffpunkt kommt, ist es später Nachmittag: Zwei Trainingseinheiten liegen hinter dem Mittelfeldspieler. Natürlich war er auch an diesem Tag Teil der Stamm-Mannschaft, mit der Trainer Alois Schwartz vor dem Drittliga-Spiel bei Carl Zeiss Jena am Samstag (14 Uhr/telekomsport) noch mal das Angriffsverhalten auf engstem Raum geübt hat.

Seit dem achten Spieltag der vergangenen Saison hat Wanitzek durchgespielt – nur einmal ist er er fünf Minuten vor Schluss ausgewechselt wurde. „Es läuft ganz gut für mich“, sagt er. Und irgendwie spürt man, dass da mehr aus ihm spricht als die Zufriedenheit eines Stammspielers.

Tatsächlich braucht Wanitzek keine windigen Bekenntnisse zu seinem Arbeitgeber zu formulieren, um sich bei den KSC-Fans beliebt zu machen. Er ist selbst KSC-Fan: „Ich hatte mit zwölf Jahren meine erste Dauerkarte im D-1-Block“ berichtet der 25-Jährige, der im Nachwuchs von 1899 Hoffenheim ausgebildet wurde. „Nach den Jugendspielen bin ich immer in den Wildpark, um dort die Profis anzuschauen.“ Ein Spiel ist ihm dabei besonders in Erinnerung geblieben. Eines, bei dem der KSC trotz 4:1-Führung gegen Hansa Rostock noch den Ausgleich hinnehmen musste. Wanitzek seufzt.

Beim VfB keine Chance erhalten

Nach einem Jahr in der Oberligamannschaft von Astoria Walldorf wechselte Wanitzek zum VfB Stuttgart. Jahr für Jahr hieß es, der VfB werde künftig auf den Nachwuchs setzen. Doch immer wieder passierte genau das Gegenteil. „Die haben nur auf die Erfahrenen gesetzt.“

Der Bundesliga-Abstieg der Schwaben 2016 sollte dann die Chance für die Jungen werden. Doch für den Mann, der am 19. November 2015 in Dortmund sein erstes und bislang einziges Bundesligaspiel bestritt, sollte wieder kein Platz sein. Der damals neue Coach Jos Luhukay zitierte Wanitzek ins Besprechungszimmer. „Dort hat er mir drei Stunden vor Ablauf der Transferfrist gesagt, dass ich wieder in die U 23 zurückmuss. Ein bisschen früher und ich hätte mir wenigstens einen neuen Verein suchen können.“

Es sollte nicht die letzte Hiobsbotschaft bleiben. Nach einer Grippe entzündete sich der Herzbeutel, ein halbes Jahr lang war Bewegung tabu. Erst die letzten Saisonspiele konnte Wanitzek wieder bestreiten.

Noch unter Meister gekommen

Als kerngesunder Spieler wechselte er 2017 zu seinem Lieblingsverein, auch auf Initiative von Marc-Patrick Meister, der auch aus Ubstadt-Weiher stammt und nach dem Zweitliga-Abstieg für ein paar Wochen KSC-Cheftrainer war. „Er war mein Trainer in der badischen Auswahl“, berichtet Wanitzek: „Und mein Vater hat mit ihm zusammen Fußball gespielt.“

Coach will mehr Tempowechsel

Wanitzek junior ist heute einer der Leistungsträger. „Ich spiele auf der Acht am liebsten. Aber auf der Sechserposition klappt es ja auch gut. Ich finde, dass Manuel Stiefler und ich uns in der Zentrale ganz gut ergänzen.“ Trainer Schwartz nennt ihn „einen enorm wichtigen Spieler“. Schwartz führt aus: „Er ist zuletzt robuster geworden und fleißig. Einen guten Distanzschuss hat er sowieso, auch wenn er noch öfter abschließen müsste. Er müsste in seine Läufe aber mehr Geschwindigkeitswechsel einbauen.“

Darauf angesprochen, nickt Wanitzek. „Daran arbeite ich.“

Auch torgefährlicher wolle er künftig werden. „Mein Ziel ist es, bald 2. Liga zu spielen“, sagt Wanitzek, ehe er ins Auto steigt. Am liebsten möchte er das mit dem Verein, dem er schon als Kind die Daumen gedrückt hat.