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KSC-Torwart Rene Vollath (rechts) konnte sich immer auf den aus Mönsheim stammenden Abwehrspieler Matthias Bader verlassen.  Foto: dpa 

Matthias Bader beim KSC: Musterschüler aus Mönsheim

Mönsheim. Mit seinen 20 Jahren ist Matthias Bader im Fußballgeschäft noch ein junger Bursche. Erlebt hat er aber schon mehr, als mancher alte Hase. Mit 16 Jahren holte ihn Markus Kauczinski beim Karlsruher SC erstmals zu den Profis ins Training. Damals waren die Zeiten im Wildparkstadion noch besser. Die Badener spielten in der 2. Liga. Immerhin. Seither sind vier Jahre vergangen. Und sechs KSC-Trainer. Die Badener spielen jetzt in der 3. Liga. Alois Schwartz heißt der Mann, der inzwischen auf der Trainerbank das Sagen hat. Mit ihm kehrte der Erfolg nach Karlsruhe zurück. Für Matthias Bader ist er bereits der siebte Cheftrainer in seiner noch so jungen Karriere.

Matthias Bader beim KSC schon in jungen Jahren zur Stammkraft gereift. Trainer Schwartz hält große Stücke auf den Rechtsverteidiger.

Der U20-Nationalspieler, der im Enzkreis in Mönsheim aufgewachsen ist, gehört zu den wenigen Konstanten in der jüngeren, an Turbulenzen reichen KSC-Historie. Unter Thomas Oral stieg der Außenverteidiger noch in der 2. Liga zum Stammspieler auf. Diesen Status hat er behauptet, allen Widrigkeiten wie Abstieg und Verletzungen zum Trotz. Jetzt gehört er neben Marcel Mehlem und Florent Muslija zu den jungen Wilden, die aus dem eigenen Nachwuchs kommen und am aktuellen sportlichen Aufschwung großen Anteil haben.

Wohin der Aufschwung führt? Niemand weiß es. Wohin der Weg von Matthias Bader führt? Ebenfalls ungewiss. Sein Vertrag läuft im Sommer 2018 aus. Der Verein hat ihm einen neuen Vertrag vorgelegt. Bader hat sich noch nicht entschieden. „Schau‘n wir mal“, antwortet er, in der Diktion eines alten, erfahrenen Spielers, den nichts mehr erschüttern kann. Dabei lächelt er, ganz ruhig und entspannt. Er will sich auf den Fußball konzentrieren, das Thema Vertrag vorerst wegdrücken. Dass er aber mehr will als 3. Liga, daran lässt er keinen Zweifel. Die Chancen auf einen Verbleib in Karlsruhe wären bei einem Aufstieg größer. „Definitiv“, sagt Matthias Bader.

Beim KSC wissen sie, was sie an ihrem Rechtsverteidiger haben. „Er ist ein williger und wissbegieriger Spieler. Er will in jedem Training etwas lernen“, sagt Alois Schwartz. Es klingt wie das Lob eines Lehrers für seinen Musterschüler. Mit seiner Schnelligkeit, seiner Athletik und seiner Zweikampfstärke bringe Bader alles mit, was es für einen Fußballprofi brauche. „Wenn er so weiterarbeitet, dann macht er seinen Weg“, ist sich Schwartz sicher. Dass der junge Spieler die Bodenhaftung verlieren könnte, fürchtet der Trainer nicht: „Der Matthias ist bodenständig.“

Dabei ist es längst keine Selbstverständlichkeit, dass Matthias Bader beim KSC gelandet ist. Aufgewachsen ist er im schwäbischen Mönsheim, mit seinem Vater ging er früher auch mal zu Heimspielen des VfB Stuttgart. Bereits mit neun Jahren in der E-Jugend hat er sich dann bei einem Sichtungstraining beim Karlsruher SC vorgestellt, wurde auf Anhieb genommen. „Die waren einfach früher dran“, sagt Matthias Bader.

Bislang hat er seine Entscheidung nicht bereuen müssen, trotz des zwischenzeitlichen Tiefs mit dem Abstieg in die 3. Liga. Jetzt aber läuft es unter Alois Schwartz. 23 Punkte aus elf Spielen, 16 Zähler alleine aus den letzten sechs Begegnungen. Achtmal stand defensiv die Null, auch ein Verdienst der Viererkette mit Matthias Bader. Aber der Rechtsverteidiger sieht die Verantwortung beim ganzen Team: „Wir stehen jetzt viel kompakter“, sagt er. Unter Schwartz‘ Vorgänger Marc-Patrick Meister habe das Augenmerk vor allem auf eigenem Ballbesitz und schnellem Spiel nach vorne gelegen. Jetzt gehe es erst einmal darum, defensiv gut zu stehen und die Ordnung zu halten: „Wir müssen immer im Blick haben, dass wir den Ball auch verlieren können.“ Dann müsse die Absicherung da sein.

„Der Trainer hat auch mich ein wenig eingebremst“, berichtet Matthias Bader. Es ging darum, die Balance zwischen Offensiv- und Defensivarbeit zu finden. Der Mönsheimer hat gelernt, seine Kräfte besser einzuteilen. „Ich kann Situationen einfach besser einschätzen, wenn mir nicht schon das Laktat im Kopf steht“, sagt er lachend.

Als Topfavorit waren die Karlsruher auch nach eigenem Selbstverständnis in die Saison gestartet. Das Resultat: Platz 17 nach sieben Spieltagen. Alois Schwartz hat nach seiner Ankunft das Thema Aufstieg erst einmal beiseitegeschoben. „Das haben wir jetzt nicht mehr vor der Brust. Wir denken nur noch von Spiel zu Spiel“, sagt Matthias Bader.

Das klingt sehr solide und bodenständig. Und passt zu dem jungen Fußballer, der gerne mal über die vier Eckfahnen des Spielfeldes hinaus denkt. Vergangene Saison hat er sich sogar an einem Fernstudium für Kommunikation und Eventmanagement versucht. Nach vier Monaten war aber wieder Schluss. Zu viele Klausuren, zu viel Lernstoff. Aber der 20-Jährige hat die Idee, das Leben neben dem Fußball zu erkunden, nicht aufgegeben. „Ich bin vernünftig“, sagt er über sich selbst.

Da klingt der Musterschüler, den sie im Wildparkstadion so zu schätzen gelernt haben, wieder durch.