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Hart aber fair  ist normalerweise das Motto beim Rugby.
Hart aber fair ist normalerweise das Motto beim Rugby. © Keller, PZ-Archiv
19.11.2009

Mehr Härte als erlaubt beim Rugby

PFORZHEIM. Rugby ist ein Inbegriff für harten Männersport. So hart wie beim Regionalligaspiel Anfang Oktober zwischen dem SC Neuenheim II und dem TV 34 Pforzheim geht es aber zum Glück nur selten zu. Erst wurde wie gewohnt mit großem körperlichen Einsatz um das eiförmige Spielgerät gekämpft, dann flogen plötzlich die Fäuste, das Spiel wurde abgebrochen. Das juristische Nachspiel dauert an.

Platzverweise und lange Sperren sind im Rugbysport die Ausnahme. Getroffen wurde von den Sanktionen der TV 34 Pforzheim, der sich damit nicht abfinden will und gegen die Urteile Berufung eingelegt hat.

10:5 stand es bei der Regionalligapartie vor knapp zwei Monaten für Gastgeber Neuenheim II, als die folgenschweren Tumulte in der zweiten Halbzeit begannen. „Wie aus heiterem Himmel“, sagt Norbert Poff, Rugby-Abteilungsleiter beim TVP. „Provokationen“ seien der Auslöser gewesen. Wer wen und wie provoziert hat – da gehen die Meinungen auseinander. Ein klares Urteil fällte der Schiedsrichter: Thomas Lucas schickte drei Pforzheimer mit Rot vom Platz. Dann brach er das Spiel ab und fertigte einen Sonderbericht an. Der Staffelleiter wertete daraufhin die Partie mit 10:5 für Neuenheim II.

Doch die Pforzheimer empfanden die einseitige Bestrafung ihrer Spieler als ungerecht. Zu einer Schlägerei gehören immer zwei, so die Ansicht der TVP-Verantwortlichen und Spieler. Vor dem Sportgericht des baden-württembergischen Rugby-Verbandes fanden sie damit aber kein Gehör – ganz im Gegenteil. Die Spruchkammer wertete das Spiel mit 50:0 für Neuenheim. Zwei Pforzheimer Spieler, denen Faustschläge in das Gesicht des Gegner zur Last gelegt wurden, erhielten eine Sperre von sechs Spielen. Ein Dritter – er soll einen am Boden liegenden Gegner getreten haben – wurde gar für neun Monate gesperrt.

Für die Urteilsfindung waren die Aussagen des Schiedsrichters maßgeblich. Die wurden von den Pforzheimern aber als einseitig empfunden, deshalb gehen sie nun in die nächste Instanz und haben beim Deutschen Rugby-Verband Widerspruch eingelegt.

Schlagspuren und ein Video

Norbert Poff berichtet von deutlichen Schlagspuren, die in den Gesichtern von zwei der gesperrten TVP-Spieler zu sehen gewesen seien. Außerdem hat ein Vertreter des Heidelberger TV zu Beobachtungszwecken das Spiel der Liga-Rivalen in Neuenheim gefilmt. Diese Aufzeichnungen würden ebenfalls die Pforzheimer Sichtweise belegen.

Vorerst aber muss der TVP auf seine gesperrten Spieler verzichten. Das gilt auch am Sonntag, wenn um 14.30 Uhr der RC Stuttgart II zum letzten Saisonspiel beim TV Pforzheim auf dem Bohrain-Sportplatz gastiert.