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Der Bundestrainer der deutschen Fußballnationalelf, Joachim Löw, hat lange auf eine Bayern-München-Mehrheit gesetzt. Jetzt aber drängen sich die Spieler von Borussia Dortmund für den Nationalkaderauf.     © dpa
07.09.2012

Mehr Schwarz-Gelb in Schwarz-Rot-Gold? Dortmunder drängen in Nationalelf

Die Diskussion ist längst eröffnet, angefeuert hat sie jüngst Dortmund-Chef Hans-Joachim Watzke. Braucht das Spiel der deutsche Fußball-Nationalmannschaft nach der EM-Enttäuschung mehr Einflüsse von Doppelmeister BVB? Und schwindet dadurch die Dominanz des FC Bayern? Erste Anzeichen gibt es.

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Mats Hummels hat sich vor der EM einen Stammplatz bei Bundestrainer Joachim Löw erkämpft. Marcel Schmelzer bekam ihn zu Beginn der WM-Qualifikation. Der Neu-Dortmunder Marco Reus ist auch der neue Hoffnungsträger im DFB-Team. Mario Götze gilt ohnehin als Supertalent. Und auch der Spielstil der Nationalelf soll sich noch mehr am Borussen-Pressing orientieren. Mehr Schwarz-Gelb also in Schwarz-Rot-Gold?

Löw bleibt zurückhaltend, sieht keine Automatismen, nach den beiden nationalen Meistertiteln des BVB sein Team auf Schwarz-Gelb umstellen zu müssen, auch wenn das bittere EM-Aus im Halbfinale nach einigen Korrekturen schreit. «Ich möchte nicht den Spielstil einer Bundesligamannschaft kopieren. Wir haben unseren eigenen entwickelt, der uns viele Siege eingebracht hat», sagte der DFB-Chefcoach deutlich und ergänzte vor dem Start in die Ausscheidung für die WM 2014 in Brasilien gelassen: «Die Blockbildung hat auch nicht erste Priorität.» Es gehe um die Klasse jedes einzelnen Spielers, unabhängig von der Clubzugehörigkeit.

Nicht jeder geht da mit. Für BVB-Geschäftsführer Watzke ist es an der Zeit, die jahrzehntelange Präsenz des deutschen Rekordmeisters FC Bayern in der Nationalelf zumindest infrage zu stellen. «Bayern und Borussia spielen einen sehr unterschiedlichen Fußball. Und man kann mit einer Bayern-geprägten Nationalelf nicht Dortmunder Fußball spielen - umgekehrt funktioniert das auch nicht», hatte der Dortmunder Chef in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» erklärt.

Im Kader von Löw, für den nach dem Spiel gegen Färöer in Hannover schon am kommenden Dienstag in Wien gegen Österreich das nächste Pflichtspiel ansteht, sind sechs Münchner und fünf Dortmunder. Bei der EM lautete das Verhältnis noch acht zu vier. Allerdings fehlen die Bayern Bastian Schweinsteiger und Mario Gomez derzeit nur aus gesundheitlichen Gründen.

Für den Bundestrainer haben andere Anforderungen Priorität als eine zweijährige nationale Dominanz. Löw weist ständig auf den Unterschied hin, der zum internationalen Topniveau besteht, das für sein Team der Maßstab sein muss. Der Dortmunder Hummels, dem nicht gerade ein Kumpelverhältnis zu Löw nachgesagt werden kann, hat Verständnis. «Wir Dortmunder sind auf einmal sehr schnell sehr hoch geflogen mit drei Titeln in zwei Jahren. Trotzdem gibt es etablierte Spieler und auch Abläufe in der Nationalelf, die nicht wegen eines neu aufstrebenden Teams verändert werden», äußerte der Innenverteidiger in der «Süddeutschen Zeitung» (Freitag).

Löws forcierte Ausrichtung («Attackieren, frühes Pressing, aktiv gegen den Ball arbeiten») kommt den Nationalspielern des BVB dennoch entgegen, glaubt Ilkay Gündogan. «Wer uns beobachtet im Verein, weiß, dass unser Spiel ähnlich ist, dass wir in der gegnerischen Hälfte den Ball erobern wollen, um möglichst kurze Wege zum gegnerischen Tor zu haben. Das tut auch der Nationalmannschaft gut.»

Hummels sieht aber nicht den direkten Bezug zur Münchner DFB-Fraktion: «Wenn da neun Bayern-Spieler sind, nimmt man ja nicht gleich fünf raus, nur weil eine andere Mannschaft in der Liga etwas mehr Erfolg hat.» Seit Jahren ist der FC Bayern Stammgast in der K.o.-Runde der europäischen Königsklasse, scheiterte in der Vorsaison erst im Endspiel.

Die neue Saison ist für den BVB deshalb eine besondere. Denn die schwarz-gelben Nationalspieler brauchen auch internationale Erfolge, um ihren Stellenwert bei Löw weiter zu steigern. Die Hammergruppe in der Champions-League mit Real Madrid, Manchester City und Ajax Amsterdam sieht der Bundestrainer dabei eher als Chance denn als Belastung. «Es ist eine schwierige Gruppe», weiß natürlich auch Löw. «Aber für Spieler, die sich auf ein Turnier vorbereiten wie die WM, ist es hervorragend.»

Der DFB-Cheftrainer freut sich auf die schwere Dortmund-Konkurrenz, die auch dem Nationalteam nutzen könnte: «Das sind Mannschaften, die auf höchstem Niveau spielen. Das kann für die Dortmunder, die in der vergangenen Saison relativ früh ausgeschieden sind, ein wichtiger Schritt der Entwicklung sein.» dpa