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In den höheren Jugendklassen spielt immer öfter Spielgemeinschaft gegen Spielgemeinschaft, so wie kürzlich die SG Büchenbronn/Grunbach (links) gegen die SG Stein/Königsbach.  Hennrich/Kohler
In den höheren Jugendklassen spielt immer öfter Spielgemeinschaft gegen Spielgemeinschaft, so wie kürzlich die SG Büchenbronn/Grunbach (links) gegen die SG Stein/Königsbach. Hennrich/Kohler
Drei Jugendleiter, ein Projekt: Peter Martin (Spielvereinigung Zaisersweiher/links), Heike Himmelsbach-Ihli (TSV Maulbronn) sowie Holger Deimel vom TSV Ötisheim setzen auf die SG Stromberg.  Privat
Drei Jugendleiter, ein Projekt: Peter Martin (Spielvereinigung Zaisersweiher/links), Heike Himmelsbach-Ihli (TSV Maulbronn) sowie Holger Deimel vom TSV Ötisheim setzen auf die SG Stromberg. Privat
18.03.2016

Mehr Spielgemeinschaften: Gemeinsam gegen den Abwärtstrend

Pforzheim. Bei den Aktiven findet man sie noch selten, bei der Jugend aber immer öfter: die Spielgemeinschaft. Im Fußballkreis Pforzheim hat sich die Zahl der Zusammenschlüsse seit dem WM-Sommermärchen 2006 ungefähr verdoppelt:

Knapp über 300 Nachwuchs-Teams gibt es derzeit und 60 davon gehören einer Spielgemeinschaft an. In der kommenden Saison könnte die Zahl noch steigen: Dann läuft erstmals die SG Stromberg auf, bei der es sich um ein Dreier-Bündnis handelt. Zum TSV Maulbronn und zur Spielvereinigung Zaisersweiher, die bereits 2015 ein Bündnis für B- und C-Jugend geschlossen hatten, stößt im Sommer der TSV Ötisheim.

Beim Nachwuchs bleiben Dorfvereinen nur zwei Möglichkeiten, meint Ötisheims Jugendleiter Holger Deimel: Entweder man lässt sich auf einen ständigen „Existenzkampf“ ein oder man gewinnt Nachbarn mit ähnlichen Problemen als Verbündete.

Deimel hat leidvolle Erfahrungen gemacht: 2015 wurde die Ötisheimer A-Jugend rund zwei Wochen vor Saisonbeginn abgemeldet. Verantwortliche und Spieler wollten keinen Rückzug während der Punkterunde riskieren. Dazu war Ötisheim zwei Jahre zuvor gezwungen gewesen.

Pakt soll viele Probleme lösen

Der Zusammenschluss zur SG Stromberg eröffnet Perspektiven, meinen Deimel sowie seine Jugendleiter-Kollegen Heike Himmelsbach-Ihli (Maulbronn) und Peter Martin (Zaisersweiher). Soweit machbar, will man das Maximum von zwei Mannschaften pro Altersklasse melden. Dahinter steht die Hoffnung, dass künftig weniger der schwächeren Spieler aufhören und zugleich weniger Talente abwandern, um in einer besseren Mannschaft oder in einer höheren Liga zu spielen.

Zusammenschlüssen nur zum Zweck der Leistungssteigerung erteilt Felix Wiedemann, Abteilungsleiter Spielbetrieb beim Badischen Fußballverband (BFV), eine Absage: „Wir sehen die Spielgemeinschaften als reine Notgemeinschaften. Jeder Verein sollte anstreben, seine Jugendmannschaften eigenständig zu bilden.“

Doch die Not ist bei vielen groß. Das hat damit zu tun, dass weniger Kinder als früher geboren werden. Auch sind Jungen und Mädchen beispielsweise durch G 8 schulisch nun stärker gefordert. Ansonsten hat angesichts der inzwischen zahlreichen Freizeitmöglichkeiten selbst die Sportart Nummer eins Konkurrenz: „Wenn man heute Fußball spielt, ist man nicht mehr so darauf fixiert“, sagt der Pforzheimer Kreisjugendleiter Siegfried Bartussek und verdeutlicht: „Als ich 1972 angefangen habe, zu spielen, hat man im Fernsehen nur drei Programme gehabt.“

Manches lief früher aber schon ähnlich, meint Stephan Freivogel. Dass sich Heranwachsende an ihren Kumpels orientieren, weiß der heutige Jugendleiter des SV Büchenbronn aus eigener Erfahrung. Wenn es im Fußball-Team von Freunden viel besser laufe als im eigenen, reife bei den Jungs die Idee, zu wechseln. „Es war schon immer so: Jugendliche gehen dahin, wo sich etwas bewegt.“ Das ist bei der SG Büchenbronn/Grunbach der Fall. „Wir sind bei der B-Jugend Erster der Landesliga, das ist nicht alltäglich“, sagt Freivogel. Zudem kann Büchenbronn neben dem Spielfeld mit Rasen einen allwettertauglichen Kunstrasen bieten. Als weiteres Plus nennt der Jugendleiter die gute Busanbindung sowohl ans Pforzheimer Zentrum als auch in Richtung Grunbach, Engelsbrand, Schömberg. Dabei will Freivogel nicht etwa junges Personal anlocken, denn seine Freude darüber, dass derzeit so viele den Weg nach Büchenbronn finden, ist nicht ungetrübt. Seine „gemischten Gefühle“ haben damit zu tun, dass zusätzliche Spieler für mehr Mannschaften sorgen und dadurch die Herausforderung, genügend Trainer zu finden, noch größer werden dürfte.

Im Winter sind eine Handvoll B-Jugendliche zu Freivogels SG gestoßen, die bei ihrem früheren Verein nur die Möglichkeit hatten, das A-Juniorenteam zu ergänzen. Und genau aus diesem Grund stand ihrem Wechsel nichts im Wege. Wer allerdings in der Jugend-Verbandsliga spielen will, ist bei einer Spielgemeinschaft wie Büchenbronn/Grunbach falsch, denn diese Spielklasse steht nur klassischen Vereinsmannschaften offen.

Denkbar ist allerdings, dass sich das irgendwann ändert, denn in Sachen Spielgemeinschaft íst einiges im Fluss. So erlaubte der badische Verband bis 2013 SGs nur von der A- bis zur C-Jugend. Seither können die Vereine auch eine Zusammenarbeit für die D-Junioren vereinbaren. Grundsätzlich sind Allianzen für die beteiligten Clubs hilfreich. Allerdings bedingt die Zunahme der Spielgemeinschaften eine Abnahme der Mannschaften im Spielbetrieb. Nicht glücklich findet Kreisjugendleiter Bartussek insbesondere die Konstellation bei den A-Junioren: Da spielen in der Kreisliga nur zwölf Teams, darunter acht Spielgemeinschaften. Sogar nur vier Clubs und eine SG bilden die Kreisklasse.

Jugendleiter ohne Illusionen

Wird es auch im Erwachsenenbereich eine Zunahme der Spielgemeinschaften geben? Das nehmen viele der Beteiligten an, auch wenn sie es sich nicht wünschen. „Bis noch zehn Jahre vergehen, gibt es in Keltern vielleicht nur noch einen Verein“, sagt Jörn Groß vom TuS Ellmendingen, der mit dem 1. FC Dietlingen die SG Keltern bildet.

Kreisjugendleiter Bartussek hofft, dass die Entwicklung noch aufzuhalten ist. Geht es nach ihm, bleibt die Spielgemeinschaft bei den Erwachsenen, was sie bisher ist: eine Seltenheit.